Coronavirus bereitet Kaufleuten in Werne „tiefe Sorgenfalten bis hin zu Existenzängsten“

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Der Coronavirus verunsichert die Menschen, auch in Werne. Den Einzelhändlern bereitet das Sorge. Wir haben nachgefragt, wie die Geschäfte mit der neuen Situation umgehen.

Werne

, 17.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung ist zwischen ernst und gefasst und geht bis hin zu Existenzängsten“, sagt Hubertus Waterhues, Sprecher der Werner Innenstadt-Kaufleute und Inhaber der Buchhandlung Beckmann. In Werne gibt es Stand Montag zwar noch keinen Fall des Coronavirus, erreicht hat es die Stadt auf indirekter Weise aber trotzdem. Einige Geschäfte würden weniger frequentiert, sagt Waterhues. Das bereite dem einen oder anderen Kaufmann „sehr tiefe Sorgenfalten“.

Auch Hubertus Waterhues von Bücher Beckmann packt nun häufiger Kisten: Einen Bücher-Lieferservice gibt es bei ihm schon lange. In Zeiten von Corona wird er häufiger frequentiert.

Auch Hubertus Waterhues von Bücher Beckmann packt nun häufiger Kisten: Einen Bücher-Lieferservice gibt es bei ihm schon lange. In Zeiten von Corona wird er häufiger frequentiert. © Sylva Witzig

Im Schaufenster des Lebensmittelladens Overmann an der Steinstraße hängt seit drei Tagen ein Schild mit nur zwei Wörtern: Wir liefern. „Ich habe gedacht, in der Kürze liegt die Würze“, sagt Clemens Overmann, Inhaber des Geschäfts. Seit rund vier Wochen beschäftigt sich der Inhaber mit dem Coronavirus. „Es wurde immer wahrer und wahrer. Dann fing es mit dem Desinfektionsmittel und dem Toilettenpapier an.“

„Es gibt keine Engpässe“

Normalerweise beliefert der Einzelhändler Schulen, OGS und Kitas in Werne mit Obst, Gemüse und Fleisch. Dieser Geschäftszweig, der rund 15 Prozent des Umsatzes des Ladens ausmacht, fällt nun weg. Auf die Frage nach der aktuellen Stimmungslage sagt Overmann: „Gut ist anders.“ Auch wenn nun vermehrt der Durchschnittseinkäufer in den Laden käme.

Um auf die Einbußen zu reagieren, beliefert der Lebensmittelhändler Kunden nun auch zu Hause. Wer die Bestellung nicht im Laden aufgeben kann, der kann sich auch telefonisch unter (02389) 3285 melden. Die Mitarbeiter packen die gewünschten Waren dann morgens zusammen und liefern sie an die Kunden.

Overmann-Mitarbeiter Yaser Aslaner packt eine Kiste für den Versand.

Overmann-Mitarbeiter Yaser Aslaner packt eine Kiste für den Versand. © Sylva Witzig

Overmann, der zur Edeka-Gruppe gehört, betont: „Es gibt keine Engpässe. Man muss sich nicht in die Läden stürzen.“ Und sagt mit Blick auf die sich ausweitenden Schutzmaßnahmen der Landesregierung: „Wir können froh sein, dass wir die Bude noch auflassen können. Ich denke mal, die Gastro wird auch ihre letzten paar Tage haben. Wir werden in Richtung Geisterstadt gehen.“

Clemens Overmann hat einen Aushang in seinem Schaufenster befestigt: Overmann liefert seine Waren auch.

Clemens Overmann hat einen Aushang in seinem Schaufenster befestigt: Overmann liefert seine Waren auch. © Sylva Witzig

Er ist den Menschen im Gesundheitswesen, bei der Polizei und der Feuerwehr dankbar für ihre Arbeit. Und auch den Kassierern im Einzelhandel, die täglich Kundenkontakt haben: „Wir müssen uns damit gedanklich auseinandersetzen. Es ist ja alles nicht ungefährlich“, sagt Overmann. Und drei Meter Abstand zu den Kunden sei eben auch nicht möglich.

Herrenmode per Anruf nach Hause geliefert

Georg Schlomberg, Leiter des Rewe-Marktes Symalla am Konrad-Adenauer-Platz äußert sich zur aktuellen Lage kurz: „Die Leute kaufen alles, Toilettenpapier, Mehl. Wir tun unser Bestes.“ An den Kassen gebe es Desinfektionsmittel. Mit dem Tragen von Masken werde das Team aber nicht beginnen. „Das ist nur Panikmacherei“, so Schlomberg. Einen Lieferservice bietet der Rewe-Markt nicht an, man stehe aber in Kontakt zu dem Team von „Alle gemeinsam, keiner einsam“, das einen Einkaufsservice für Risikogruppen in Werne anbietet.

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„Uns beschäftigt eher das Risiko, dass wir unseren Laden zumachen müssen“, sagt Christoph Schmersträter, Inhaber des gleichnamigen Herren-Geschäfts an der Bonenstraße mit Blick auf die Maßnahmen der Landesregierung. Um auf die Verunsicherungen durch das Coronavirus zu reagieren, bietet der Herrenausstatter neben dem regulären Geschäft vor Ort seit Montag einen Lieferservice für seine Kunden an.

Herrenausstatter Christoph Schmersträter bietet seit Montag offiziell einen Lieferdienst an. Für Altenheime gab es diesen Service schon länger.

Herrenausstatter Christoph Schmersträter bietet seit Montag offiziell einen Lieferdienst an. Für Altenheime gab es diesen Service schon länger. © Sylva Witzig

Per Telefon unter (02389) 40 312 60 oder 0177 9298701 können Kunden Kleidungswünsche samt Konfektionsgröße aufgeben. Ein Mitarbeiter des Geschäftes kommt dann mit einer Auswahl an Kleidungsstücken zum Kunden nach Hause. Gerade für ältere Menschen, die am gefährdetsten seien, sei das eine Lösung, so Schmersträter: „Wir müssen jetzt mal schauen, wie das angenommen wird.“

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