Das sagen Werner Parteien zu plattdeutschen Ortsschildern

Vorschlag des Heimatvereins

Mit plattdeutschen Zusätzen will der Heimatverein Werne den Ortseingangsschildern einen neuen Charakter verleihen. Eine ganz nette Idee oder schlicht zu teuer? Wir haben heimische Politiker gefragt, was sie davon halten.

Werne

, 28.12.2017, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das sagen Werner Parteien zu plattdeutschen Ortsschildern

Der Heimatverein will den Ortseingangsschildern mit dem plattdeutschen Zusatz einen neuen Charakter verleihen. © Archiv

Lang gefackelt hat der Vorstand des Heimatvereins nicht, nachdem bekannt wurde, dass Ortseingangsschilder mittlerweile plattdeutsche Zusätze tragen dürfen. Der Antrag an den Stadtrat, sich damit zu beschäftigen, ist gestellt.

„Gegen das Verschwinden der Sprache ankämpfen“

Die Motivation für den Heimvatverein ist eindeutig. „Wir setzen uns für den Erhalt der plattdeutschen Sprache ein. Wenn unsere Ortsschilder den plattdeutschen Zusatz tragen, können wir damit eine Gelegenheit nutzen, gegen das Verschwinden der Sprache anzukämpfen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Joseph Funhoff.

Ob der Verein diesen Vorstoß überhaupt forcieren will, das bleibt allerdings abzuwarten. „Wir wollten die Initiative ergreifen und das Thema überhaupt erst einmal ins Rollen bringen. Auf unserer Mitgliederversammlung im Januar werden wir die Sache aber noch einmal ausführlich diskutieren.“

Die Politik reagiert zunächst gelassen

Vertreter von CDU, SPD und Grünen stellten auf Anfrage allesamt klar, dass man sich mit der Anfrage beschäftigen wolle, eine politische Meinungsbildung aber noch nicht geschehen sei.

Lars Hübchen von den Sozialdemokraten erklärt: „Vor vielen Jahren haben wir uns aus Gründen der Identifikation darauf geeinigt, den Zusatz ‚an der Lippe’ in vielen Veröffentlichungen mitzunutzen. Eine offizielle Umbenennung der Stadt wurde aus Kostengründen ausgeschlossen – damit auch bei den Ortsschildern.“ Wie es in diesem Zusammenhang mit plattdeutschen Zusätzen aussehe, müsse die Partei untersuchen.

Eberhard Stroben von den Grünen sagt dazu: „Persönlich finde ich das nett, bräuchte das aber nicht.“

Sympathien findet der Antrag bei CDU-Geschäftsführer Markus Rusche: „Ich könnte mir vorstellen, so etwas umzusetzen, wobei ich hier nur für mich und nicht für die Partei spreche.“

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Plattdeutsch ist ein Teil unserer Kultur, ja. Und wie so oft kann man Kultur schlecht bepreisen. Ich denke allerdings, dass es effizientere Wege gibt, die Sprache zu erhalten – und zwar über lebendige Kulturangebote wie Theaterstücke. Herbern macht das mit seiner Laienspielschar vor. Die Frage, die sich mir stellt, ist die, ob ein Zusatz auf Ortsschildern tatsächlich für ein anderes Bewusstsein sorgt. Stellen wir einmal dagegen, dass die Stadt weiterhin mit großen Leerstandsproblemen kämpft und immer wieder Konzepte zur Belebung der Innenstadt angedacht werden. Wenn also eine Fortführung des wirklich erfolgreichen Straßenfestivals wegen der Kosten zur Disposition steht, sehe ich das Geld in solchen Veranstaltungen besser investiert als in leblosen Schildern. Denn ein Erhalt des Vergangenen nützt uns nicht viel, wenn auf Kosten der Zukunft kaum Leben in unserer Stadt herrscht.

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