Denkmalschutz in Werne: Diese Geschichten stecken hinter den Fachwerkhäusern

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Historisches Rathaus und Kloster dürfte jeder kennen, der Werne einmal besucht hat. Doch auch die alten Fachwerkhäuser rund um die Kirche stehen unter Denkmalschutz und sind für Experten etwas Besonderes.

Werne

, 10.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jedes historische Gebäude in Werne hat seinen eigenen Charme - und jedes ist anders. Das mache den Denkmalschutz in Werne vor allem interessant, sagt Petra Göbel von der Stadt Werne. „Man muss immer speziell handeln“, sagt die Fachfrau für Denkmalpflege in der Stadt.

In den Wärmehäuschen wärmten sich die Kirchgänger der damaligen Zeit nicht nur nach dem Gottesdienst wieder auf, die Bauern der Umgebung nutzten die Häuser auch als Speicher.

In den Wärmehäuschen wärmten sich die Kirchgänger der damaligen Zeit nicht nur nach dem Gottesdienst wieder auf, die Bauern der Umgebung nutzten die Häuser auch als Speicher. © Stephanie Tatenhorst

Wärmehäuschen am Kirchhof

Gottesfürchtig waren die Menschen im Mittelalter - und der Kirchgang ging über alles. Doch das riesige Gotteshaus war vor allem eines: kalt. Die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Fachwerkhäuschen gegenüber des Hauptportals der Kirche waren daher ein beliebter Anlaufpunkt nach dem Gottesdienst, um sich darin aufzuwärmen. Doch die kleinen, heute unter Denkmalschutz stehenden Häuser ließen sich nicht nur schnell beheizen, sie dienten den damaligen Bauern der Umgebung auch als Speicherstätten. Geblieben ist bis heute allerdings der Name Wärmehäuschen.

Die geschnitzten Figuren, die das Fachwerk verziehen, sind noch heute ein Hingucker.

Die geschnitzten Figuren, die das Fachwerk verziehen, sind noch heute ein Hingucker. © Stephanie Tatenhorst

Geschnitzte Blattmasken sind Hingucker

Auf der genau gegenüberliegenden Seite, am anderen Ende des Kirchenschiffs, steht ein weiteres Fachwerkhaus, bei dem sich vor allem der Blick auf die Giebelseite lohnt. Wer aus Richtung Rathaus und rechts herum um die St. Christophorus-Kirche läuft, hat die Sehenswürdigkeit im Rücken und sollte daher auf jeden Fall einmal über die Schulter schauen. Und dann genauer hinblicken: Das Fachwerkhaus Nr. 15 stammt aus dem Jahr 1562 - und hat geschnitzte Blattmasken. Diese vergleichsweise großen Skulpturen zieren das Fachwerk und zeigen Gesichter. Diese Form der Ornamente war in der damalige Bauzeit ein typisches Detail der Architektur. Typisch - und namensgebend - ist, dass Haupt- und Barthaare des männlichen Kopfs die Gestalt von Blättern haben, und das Gesicht sich oftmals daraus aus Illusion ergibt.

Das Ensemble an Fachwerkhäusern am Durchgang zum Roggenmarkt.

Das Ensemble an Fachwerkhäusern am Durchgang zum Roggenmarkt. © Stephanie Tatenhorst

Ein verstecktes Kleinod: Fachwerkhaus Nr. 21

Das Fachwerkhaus Nr. 21 zwischen Kirchhof und Roggenmarkt ist von 1447 und gilt als eines der ältesten Kleinfachwerkhäuser Westfalens. Das Wort „Klein“ darf hier auch nicht überlesen werden, denn tatsächlich ist das Haus so winzig, dass es gerne übersehen wird. Doch eingebettet in das Ensemble der einstigen Speicher- und Wärmehäuschen ist es bis heute Teil einer der schönsten Stellen in der Werner Altstadt.

Das Haus Roggenmarkt 8 ist bis heute ein Wohnhaus. Das Wappen des Landes NRW am rechten Außenfachwerk zeigt, dass es unter Denkmalschutz steht.

Das Haus Roggenmarkt 8 ist bis heute ein Wohnhaus. Das Wappen des Landes NRW am rechten Außenfachwerk zeigt, dass es unter Denkmalschutz steht. © Stephanie Tatenhorst

Roggenmarkt 8

Ein weiteres, denkmalgeschütztes Haus findet sich am Roggenmarkt 8. Es ist das Eckhaus direkt an der Straße – und so eine Lage setzt alten Gebäuden dieser Art mitunter gehörig zu. „Früher fuhren dort Kutschen vorbei“, weiß Petra Göbel vom Denkmalamt der Stadt. Heute sind es deutlich schwerere und schnellere Autos, die für ganz andere Erschütterungen sorgen, erklärt die Fachfrau, womit die alten Gebäude - und auch Besitzer - in der heutigen Zeit zu kämpfen haben. Und nicht nur das: „Die Umwelteinflüsse ganz generell setzen den Gebäuden schon zu“, weiß Göbel, dass es immer darum geht, Lösungsansätze für Probleme zu finden, die sich aus veränderten Bedingungen ergeben.

Das Gebäude am Roggenmarkt, das als Wohnhaus genutzt wird, ist aber extrem gut gepflegt und erhalten. Es hat dafür sogar einen Preis bekommen. Unter Denkmalschutz steht es seit März 1985.

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