Der Rettungsdienst ist auch an Weihnachten immer einsatzbereit

Vom Kaffee zum Einsatz

Ständig in Bereitschaft für den nächsten Einsatz, während die Familie feiert: Das ist das Los der Mitarbeiter des Rettungsdienstes Werne über Weihnachten und andere Festtage. Da ist ein gutes Betriebsklima wichtig.

Werne

, 27.12.2017, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Rettungsdienst ist auch an Weihnachten immer einsatzbereit

Die blaue Beleuchtung im Rettungswagen soll hier nicht für festliche Stimmung sorgen: Sie dient der Beruhigung von Patienten. © Jan Hüttemann

Dass man Weihnachten mit der Familie feiert, ist für die meisten selbstverständlich. Als genauso selbstverständlich nimmt man an, dass man im Notfall den Rettungsdienst rufen kann. Wie es aber tatsächlich an den Festtagen dort abläuft und wie die Retter damit umgehen – das wollten wir wissen und haben nachgesehen.

Erster Weihnachtstag in der Dienststelle am Konrad-Adenauer-Platz. Ganz gemütlich schenken sich die Retter einen Kaffee ein. Gerade ist „einsatzfreie Zeit“ – es ist also kein Kollege gerade im Einsatz. Doch die Ruhe trügt. Der Funkmelder geht und schon sitzen die Retter innerhalb von einer Minute komplett vorbereitet im Einsatzfahrzeug und fahren los.

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Rettungsdienst an Weihnachten

Ein Besuch des Rettungsdienstes Werne über Weihnachten.
27.12.2017
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Mittlerweile muss der Fahrer das Navi gar nicht mehr bedienen. Über das Telefonnetz überträgt die Leitstelle das Einsatzziel direkt auf das Gerät.© Jan Hüttemann
Insgesamt 20 bis 25 Kilogramm "Gepäck" trägt jeder Retter beim Einsatz mit sich - da muss man fit sein.© Jan Hüttemann
Während des Einsatzes führen die Retter ein ausführliches Protokoll.© Jan Hüttemann
In der Schleuse schlüpfen die Retter in ihre Dienstkleidung.© Jan Hüttemann
Das "Traumalicht" soll für Beruhigung während des Transports sorgen.© Jan Hüttemann
Schon nach etwa 60 Sekunden, nachdem der Notruf auf den Funkmeldern eingegangen ist, kann der Rettungswagen fertig ausgerüstet ausrücken.© Jan Hüttemann
Am Faxgerät gibt es die Einsatzdetails noch einmal in Papierform.© Jan Hüttemann
Routineaufgaben für die einsatzfreie Zeit: Die Fahrzeugpflege gehört mit dazu.© Jan Hüttemann
Vor Schichtbeginn gilt es, die technischen Geräte auf ihre Funktionen zu überprüfen, wie hier zum Beispiel EKD, Defibrillator oder auch die Absaugpumpe.© Jan Hüttemann

Ein Krankentransport steht an. So gelassen, wie sie damit umgehen, vermutet man fast, dass das gar nicht so wild sei. „Falsch gedacht – man weiß nie, was einen im Einsatz erwartet, praktisch eine Wundertüte“, erklärt Rettungsassistent Manfred Scholz. „Kann schon mal vorkommen, dass wir auf einmal reanimieren müssen.“

Und was wäre, wenn jetzt kein Einsatz laufen würde? „Dann erledigen wir die ganzen Aufgaben, die sonst noch anfallen.“ Das bedeutet: Medikamente bestellen und einlagern, die Fahrzeuge einsatzbereit machen, medizinische Geräte auf ihre Funktionen prüfen: „Allein für Fahrzeugkontrolle und -pflege vergehen gut und gerne anderthalb Stunden“, so Rettungsdienstleiter Hartmut Kröger.

Der Rettungsdienst ist auch an Weihnachten immer einsatzbereit

Schon 60 Sekunden nach dem Notruf kann der Rettungswagen fertig ausgerüstet ausrücken. © Jan Hüttemann

„Bei der ganzen Routine vergisst man in dem Job teilweise sogar, welchen Wochentag man hat“, erklärt Scholz und lacht, „wenn die Arbeit da ist, ist sie da“.

Ob da Weihnachten wohl eine Ausnahme ist? Die Dekoration in der Dienststelle scheint das zu bestätigen. Wäre man dann nicht lieber bei der Familie? „Wer hier mitmacht, weiß vorher, worauf er oder sie sich einlässt. Weihnachten geht ja drei Tage, da findet man Zeit – die sollte man dann aber nutzen und genießen“, sagt Jill von Seth – die Kollegen nicken zustimmend.

Keine hängenden Köpfe an den Feiertagen

Hängende Köpfe sieht man an den Festagen in der Werner Rettungsdienststelle nicht, ganz im Gegenteil. „Da hat’s sogar mal ‘ne Beschwerde gegeben, dass wir gut gelaunt zu einem Einsatz gefahren sind“, so Scholz, „Aber Weinen bringt auch nichts“.

Trotzdem gibt es einige Ärgernisse, mit denen die Rettungsassistenten zu kämpfen haben – schlecht sichtbare Hausnummern zum Beispiel und Gaffer. „Hausbesitzer sollten darauf achten, dass man die Nummern von der Straße aus sieht, das kann sonst Zeit und Leben kosten.“

Bei den Gaffern müssten die Retter zudem mehr denn je die Privatsphäre der Patienten schützen. „Wir achten schon darauf, aber es wird schwieriger“, erläutert Scholz. Einmal hätte sogar ein Fremder „halb im Einsatzfahrzeug“ gestanden mit den Worten: „Ich wollte nur sehen, ob das ein Mann oder eine Frau ist.“

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