Die E-Bikes sind an allem schuld! Wer sonst?

rnKommentar Klare Kante

E-Bikes verursachen schwere Unfälle. Sie erschrecken Fußgänger. Ihre Batterien sind Umweltsünder. Ihre Fahrer alt und faul. Und überhaupt sind sie an allem schuld.

Werne

, 05.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich dachte, ich hätte bereits alle Fakten und Fiktionen zum Thema E-Bike gehört. Wie besagte schwere Unfälle oder die nicht gerade hohe Umweltfreundlichkeit der Batterien. Über einen neuen Aspekt war ich dann doch etwas überrascht.

Die neueste Erkenntnis ereilte mich jüngst in der Innenstadt, als mir ein Bekannter zuraunte: „Hör mal, ich hab da für dich was zum Nachdenken. E-Bikes!“ Ich dachte, nun käme die bekannte Klage über die schnellen Zweiräder, die verbotenerweise durch die Fußgängerzone schießen und Fußgänger erschrecken. Stattdessen: „Ich sage nur: Kaufkraft.“

Erkenntnis über E-Bikes kam mit verschwörerischer Stimme

Mit verschwörerischer Stimme legte er mir seine Erkenntnisse nahe: „Was kostet ein E-Bike? 2000 bis 2500 Euro. Ehepaare kaufen zwei, sind 5000 Euro weg. Wo fehlt das Geld, na?“ Ich schaute wohl etwas begriffsstutzig, denn er raunte: „Na, im stationären Einzelhandel natürlich. Online ist momentan nicht die Gefahr für den Einzelhandel, sondern die E-Bikes.“

Verblüffung. Das musste ich erst mal sacken lassen. Der Bekannte nahm meine Sprachlosigkeit zum Anlass, um mir zuzuzwinkern: „Denk mal drüber nach.“ Das tue ich gerade. Und wirklich, seine Logik ist bestechend: Wer zwei E-Bikes für 5000 Euro kauft, dem fehlt das Geld für Kleidung und Taschen, für Schuhe, Lebensmittel oder das Feierabend-Bier. Das E-Bike ist der Tod des Einzelhandels!

Denn E-Bike-Gedanken mal weiterspinnen

Spinnen wir den Gedanken mal weiter. Wer sich ein Auto kauft, schnürt dem Einzelhandel ebenfalls die Luft ab. Ein Auto für 15.000 Euro – wie viel Kleider, Schuhe, Taschen und Feierabendbierchen wären das?

Oder denken wir ganz groß. Eigentumswohnung oder Häuschen angeschafft. 250.000 Euro. Wagenladungen von Schuhen, Sturzbäche von Feierabend-Bierchen bleiben ungekauft.

Die Totengräber des Einzelhandels

Doch was machen die verantwortungslosen Totengräber unseres stationären Einzelhandels? Hocken gemütlich auf der Terrasse ihres Häuschens, fahren mit dem Auto auf die Grüne Wiese zum Einkaufen oder mit dem E-Bike in die Stadt.

Dort trinken sie ein Feierabend-Bierchen, das ihnen der reich gewordene Fahrradhändler spendiert und erschrecken auf dem Heimweg harmlose Passanten, die gerade vom Einkaufen kommen und wenigstens etwas für den heimischen Einzelhandeln tun.

Ich sag’s ja: Die E-Bikes sind an allem schuld. Ist doch wahr.

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