Diese Orte in Werne sind vergessen und verlassen

"Lost places"

Alte Häuser, Fahrzeugwracks oder Höfe, völlig überwuchert - sie stehen einfach so dort, teilweise seit vielen Jahren oder Jahrzehnten, und niemanden schert's. Diese "lost places" sind Türen in die Vergangenheit und oft lohnt ein Blick auf die Geschichten dahinter. Wir erzählen sie und zeigen die Orte in unserer Fotostrecke.

WERNE

, 18.08.2017, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Orte in Werne sind vergessen und verlassen

Nicht nur Gebäude geraten in Vergessenheit: Auch dieser umgebaute Lkw ist schon länger nicht mehr auf der Straße gefahren.

„Hach ja. Is’ schon schade drum.“ Die Nachbarin, die man ohne ihr zu Nahe zu treten durchaus als alte Dame bezeichnen kann, blickt auf die andere Straßenseite und seufzt. „Das war ein schönes Haus. Meine Kinder waren oft drüben zum Schwimmen.“

Ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen. Dass sie früher mal auf der anderen Straßenseite viel Spaß gehabt haben, lässt sich kaum noch erahnen. Denn das Haus, um das es geht, steht leer. Und das schon seit mindestens 15 Jahren, schätzt die Nachbarin. „Da tut sich nichts mehr. Wirklich schade.“

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Lost Places: Diese Orte in Werne sind vergessen

Verlassene Häuser, verfallene Gebäude, alte Gehöfte und Garagen - in Werne gibt es einige dieser "lost places". Wir haben eine Fotostrecke aus diesen Orten zusammengestellt und versuchen, die Geschichten dieser Orte nachzuerzählen.
18.08.2017
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Sie verstecken sich hinter wuchernden Büschen und dichten Hecken: "Lost places", verlorene Orte, die in Vergessenheit geraten sind - so wie dieses Haus in Werne.© Foto: Daniel Claeßen
Die Nachbarn schätzen, dass seit mindestens 15 Jahren niemand mehr hier gewohnt hat.© Foto: Daniel Claeßen
Das Haus wurde Ziel von Einbrechern und Vandalen.© Foto: Daniel Claeßen
Die Besitzer haben das Haus aufgegeben - aber allzu einfach wollen Sie es Eindringlingen auch nicht machen.© Foto: Daniel Claeßen
Doch die finden meisten einen Weg.© Foto: Daniel Claeßen
Hier wurden früher vielleicht mal Pool-Partys gefeiert. Jetzt befinden sich Dreck und eine Autotür im Becken.© Foto: Daniel Claeßen
Auch der Kellereingang ist zugewuchert.© Foto: Daniel Claeßen
Ein im wahrsten Sinne verlorener Ort: Das Haus im Abdinghof fiel einem Brand zum Opfer. Der Garteneingang steht noch, ansonsten ist nur das Kellergeschoss übrig.© Foto: Daniel Claeßen
Was man vom ehemaligen "Ofras"-Restaurant am Autohof nicht gerade behaupten kann.© Foto: Daniel Claeßen
Wernes vermutlich bekanntester und am häufigsten besuchter "Lost place" dient auch als Müllkippe.© Foto: Daniel Claeßen
Innen haben Randalierer und Kupferdiebe ganze Arbeit geleistet.© Foto: Daniel Claeßen
Selbst der Boden ist an vielen Stellen zerstört.© Foto: Daniel Claeßen
Hier gab es mal Essen mit Panoramablick.© Foto: Daniel Claeßen
Vom alten Flair ist nichts mehr übrig geblieben.© Foto: Daniel Claeßen
Sämtliche Leitungen und Kabel sind herausgerissen und ausgeschlachtet worden.© Foto: Daniel Claeßen
Die ehemaligen Dusch- und Sanitärräume.© Foto: Daniel Claeßen
Einige Besucher hatten offensichtlich ihren Spaß. Ob sie die Bodendielen vorher oder danach herausgerissen haben, ist nicht überliefert.© Foto: Daniel Claeßen
Ende 2001 eröffnete die Kette Ofra ihr Pilotprojekt in Werne. Sechs Monate später war schon wieder Schluss - die Kette musste Insolvenz anmelden.© Foto: Daniel Claeßen
Seitdem gab es einige Eigentümerwechsel, ein paar zaghafte neue Ideen - die jedoch alle scheitertenn© Foto: Daniel Claeßen
Das "Ofras" ist nun eine Ruine.© Foto: Daniel Claeßen
Das ehemalige Kinderspielzimmer - hier gab es sogar ein kleines Kino.© Foto: Daniel Claeßen
Im Baugebiet am Stadtsee erinnert ein Teil der Tribüne sowie eine Skulptur daran, dass hier früher mal das Freiherr-vom-Stein.Stadion stand.© Foto: Daniel Claeßen
Keine Chance: Dieses mehr als 200 Jahre alte Bauernhaus fällt in sich zusammen.© Foto: Daniel Claeßen
Der Hof wurde 1798 errichtet.© Foto: Daniel Claeßen
Auch die 1970er-Jahre haben in dem Haus ihre Spuren hinterlassen. Die 2010er-Jahre wird es hingegen nicht überleben.© Foto: Daniel Claeßen
Die alte Haustür. Der Hof steht unter Denkmalschutz, eine Sanierung war den Besitzern jedoch zu teuer.© Foto: Daniel Claeßen
Mittlerweile ist das Betreten des Hauses nicht mehr möglich - Einsturzgefahr.© Foto: Daniel Claeßen
Langsam erbobert das Grün die Fassade.© Foto: Daniel Claeßen
Im Gegensatz zum Freiherr-vom-Stein-Stadion hat das Lippestadion kein Denkmal. Aber auch hier sind Teile der Tribüne und Sitzbanksteine noch im Dickicht zu erkennen.© Foto: Daniel Claeßen
Heute ist das Anfang der 90er-Jahre geschlossene Stadion ein privat genutzter Garagenhof sowie Landschaftsschutzgebiet.© Foto: Daniel Claeßen
Zugewucherte Türen : Von verlorenen Orten geht eine besondere Faszination aus.© Foto: Daniel Claeßen
Nicht nur Gebäude geraten in Vergessenheit: Auch dieser umgebaute Lkw ist schon länger nicht mehr auf der Straße gefahren.© Foto: Daniel Claeßen
Bekannt und beliebt ist die alte Turnhalle auf dem Zechengelände. Doch auch sie steht seit vielen Jahre leer.© Foto: Helga Felgenträger
Der Grund sind Altlasten im Boden des Geländes, die vor allem die Nutzung des Kellers unmöglich machen.© Foto: Helga Felgenträger
Die Halle selbst wird von Besitzer Ludger Schlütermann, Prokurist der benachbarten Firma Ecosoil, in Schuss gehalten. Er hofft, dass das Gebäude irgendwann wieder eine Verwendung findet - möglicherweise als Sitz eines Betriebes.© Foto: Helga Felgenträger
Die Belastungen im Boden sind für die Halle selbst unproblematisch. 2010 war sie sogar Schauplatz einer Krimilesung sowie Tagungsort für das Projekt "Regionale 2016".© Foto: Helga Felgenträger
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Eine Reaktion, die durchaus üblich ist, wenn man Menschen auf „Lost places“ anspricht – verlorene Orte, die keinen Nutzen oder keine Bedeutung mehr haben und einfach in Vergessenheit geraten sind. Wenn sich dann irgendwann doch wieder jemand an sie erinnert und Menschen darauf aufmerksam macht, heißt es schnell: „Ja, das ist wirklich schade.“

Aktiv werden, suchen, graben, Hindernisse überwinden

Auch in Werne gibt es eine ganze Reihe von Orten, die dieses bedauerliche Schicksal teilen. So unterschiedlich ihre Entwicklungen auch waren – unklare Eigentümerverhältnisse, fehlendes Geld, verseuchter Boden oder schlichtweg verlorener Nutzen – sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind Türen in die Vergangenheit, die nicht einfach ihre Geschichte erzählen, sondern die entdeckt und erforscht werden wollen.

Hier hat kein Kurator die Exponate exakt so angeordnet, dass der Besucher nur dem vorgegebenen Erlebnispfad durch die Epochen folgen muss. Wer etwas über den „Lost place“ erfahren will, der muss selbst aktiv werden, suchen, graben – und manchmal auch Hindernisse überwinden, bei denen es kein Netz und keinen doppelten Boden gibt. Und erst recht keinen Notausgang, wenn es mal wirklich brenzlig wird.

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Es ist genau diese Faszination, die Menschen auf der ganzen Welt antreibt, verlorene Orte aufzuspüren und zu erkunden – selbst, wenn sie sich dadurch in Gefahr begeben. Selbst, wenn sie sich am Rand der Legalität bewegen. Selbst, wenn es keine Garantie dafür gibt, dass es sich am Ende überhaupt lohnt.

Aus dieser Faszination ist in den vergangenen Jahren eine ganze Bewegung geworden: „Urban Explorer“ nennen sich die Menschen, die verlassene Gebäude – meistens Industrieruinen, denen der Sprung zum Industriedenkmal verwehrt blieb – mit der Kamera erkunden.

Lost places ersetzen die weißen Flecken auf der Weltkarte

Die „Lost places“ ersetzen demnach die „weißen Flecken“, die mittlerweile von den Weltkarten verschwunden sind – wenn es dort nichts mehr zu erkunden gibt, fängt man eben wieder von vorne an. Blickt man auf die verlorenen Orte in Werne, erscheinen diese Ansätze zwar übertrieben. Unbestritten ist aber, dass auch die weißen Flecken in der Lippestadt eine besondere Faszination ausüben.

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