Diese Werner Kinder suchen die große Bühne

Tanzaufführung in Bergkamen

Die Tanz- und Theatergruppe der Initiative Down-Syndrom des Kreises Unna hat schon „Tarzan“ und „Sister Act“ auf die Bühne gebracht. Ihr nächstes Stück ist eine Liebesgeschichte, inspiriert von „Romeo und Julia“. Es heißt „Ron und Jule – Lasst uns Leben.“ Mit dabei: Jan und Ray aus Werne. Sie lieben und leben das Tanzen.

WERNE

23.09.2016, 05:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Werner Kinder suchen die große Bühne

Links: Jan Stube-Rosendahl (14) zeigt das Plakat, auf dem die Tänzer der Gruppe „All inclusive“ in ihren Kostümen zu sehen sind. Rechts: Ray (7) aus der Tanzgruppe „All inclusive 2“ für jüngere Kinder trägt ein Shirt der Initiative Down-Syndrom.

Jan steht gerne im Rampenlicht. Seit der 14-Jährige sechs Jahre alt ist, hat er eine große Leidenschaft, die seine Mutter das „Haupthobby“ nennt: Tanzen. Meistens tanzt er nachmittags, wenn die Schule vorbei ist – im Wohnzimmer.

Aber eigentlich steht er viel lieber vor Publikum auf der Bühne. Und das kann er in der Tanz- und Theatergruppe "All Inclusive". Die Gruppe hat 2004 mit dem Tanzen begonnen. Theaterspielen kam 2009 dazu. Mit dabei sind Kinder mit Down-Syndrom und anderen Handicaps, aber auch Kinder ohne Handicap.

Die Tanztheateraufführung von „Ron und Jule“ findet am 24. September im Studio-Theater Bergkamen statt. Karten für 6 Euro gibt es unter (02307) 663 747 oder per Mail an ids@ids-unna.de.

Das Wohnzimmer wird zur täglichen Bühne

Für die Auftritte im Wohnzimmer haben seine Eltern ihm Kopfhörer gekauft, „damit wir nicht immer mithören müssen“, sagt Mutter Heike Stube-Rosendahl. Denn die Musik aus „Tarzan“, „Sister Act“ und „König der Löwen“ kennt sie inzwischen dank ihrem Sohn auswendig.

Jan war schon viermal bei dem Musical „König der Löwen“ in Hamburg. „Er ist Musical-Profi: Mit dem Schiff fahren, die Plätze suchen und so weiter“, sagt Heike Stube-Rosendahl. Die Musical-Stars sind Jans Vorbilder. Weil er selbst weiß, wie schön es ist, Applaus zu bekommen, applaudiert er immer besonders laut für sie.

Zweite Gruppe dazu gekommen

Jans Mutter erzählt für ihn, weil Jan keine Lust hat, zu reden. Nach der Schule will er tanzen und mittagessen, sonst nichts: „Kinder mit Down-Syndrom haben einen besonders starken Willen.“

Seit zwei Jahren hat Jans Gruppe, in der Kinder ab zwölf Jahren mittanzen, Verstärkung im Vorprogramm bekommen. Da tanzt jetzt nämlich eine Gruppe kleinerer Kinder. „Klein“ und „groß“ definieren die Eltern und Choreografen flexibel: „Groß ist, wer sich zwei Stunden lang bei den Proben konzentrieren kann“, sagt Heike Stube-Rosendahl.

Ray (7) ist in der Vorgruppe

Ray Tschechne (7) ist eins der Kinder unter 13 Jahren, die sich alle zwei Wochen treffen, um gemeinsam Tänze für die Bühne zu proben. Die Vorgruppe tritt in weißen Judo-Anzügen mit Gürtel auf. Die gemeinsame Kleidung, die gemeinsamen Bewegungen sind für die Kinder Unterstützung: In der Gruppe sieht man kleine Fehler nicht, und die jungen Tänzer können sich aneinander orientieren.

Auch Ray liebt das Tanzen und auch er mag vor allem den Applaus am Ende, genau wie die acht anderen Kinder aus dem Kreis Unna, die in der Gruppe sind.

Tanzen ohne Ende

Die Eltern freuen sich über die Euphorie der Kinder – für die Aufführung sehen sie jedoch ein kleines Problem: „Die Kleinen wollen meistens gar nicht mehr von der Bühne runter. Die bleiben einfach stehen. Aber wir müssen ja danach mit dem Stück weitermachen“, sagt Heike Stube-Rosendahl.

Hier tanzt die Gruppe beim Jubiläum der Initiative Down-Syndrom Kreis Unna ihren Vampirtanz im Jahr 2008:

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