DLRG-Übung: Schafe retten und Deiche ausbauen

Mit Fotostrecke und Video

So sicher wie zurzeit ist es selten auf den Gewässern in und um Werne herum: Seit Mittwochabend campieren 300 Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hier. Die Wasserretter üben bis Sonntag den Ernstfall: Wie die Helfer Schafe retten und Deiche stützen zeigen wir in Videos.

Werne

, 15.05.2015 / Lesedauer: 3 min

Am Mittwoch um 17.05 Uhr schellte  bei Lucia Impekoven (47) aus Haltern, bei Pia Vielsen (18) aus Hamm, bei Reinhold Artmeier  (54) aus Ibbenbüren und all den anderen aktiven Wasserrettern aus den Bezirksregierungen Arnsberg, Münster und Detmold das Telefon:  Alarm.

„Unsere Leute wussten wohl, dass es eine Übung geben würde, aber nicht genau wann und wo“, so Pressesprecher Folke Hellmig (56). Einmal im Jahr gelte es, Großeinsätze zu simulieren. Nur so lasse sich die Leistung im Ernstfall – wie etwa zuletzt beim Elbe-Hochwasser – abrufen.

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Die große Rettungsübung der DLRG

So sicher wie zurzeit ist es selten auf den Gewässern in und um Werne herum: Seit Mittwochabend campieren 300 aktive Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Westfalen auf dem Gelände des städtischen Anne-Frank-Gymnasiums. Die ehrenamtlichen Wasserretter üben bis Sonntag den Ernstfall: Deiche sichern, Menschen und Tiere retten, Verletzte versorgen. Wir schauen ihnen dabei über die Schulter.
15.05.2015
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Wasserrettung wird in Werne und Umgebung an diesem Wochenende großgeschrieben.© Foto: Sylvia vom Hofe
Eigentlich sollte die Übung in Kamen stattfinden. Doch dort standen kurzfristig keine Duschen für die Retter zur Verfügung. "Wir haben uns dann an Werne gewandt", so Einsatzleiter Rumpenhorst. Dort habe der DLRG-Landesverband 2010 und 2013 schon die Jugendveranstaltungen erfolgreich durchgeführt. "Hier bekamen wir ganz schnell wieder eine Zusage."© Foto: Sylvia vom Hofe
Dieses Versorgungsfahrzeug sorgt für die Logistik am Einsatzort mit Strom.
Dieser Gleiter gilt unter den Wasserrettern als ideales Rettungsboot für die hiesigen Breiten. An der Nordsee kann es aber wegen der Wellen nicht zum Einsatz kommen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Einsatzleiter Kai Rumpenhorst aus Minden (2. v. r.) begrüßt zusammen mit der Anne Feldmann aus Haltern am See, Präsidentin der DLRG Westfalen, die Teilnehmer der Übung. Rumpenhorst ist IT-Service-Manager eines Möbelherstellers, wenn er nicht als Lebensretter aktiv ist, und Feldmann ist schon Rentnerin. Ebenfalls ehrenamtlich aktiv ist Ulrich Höltmann aus Werne (Mitte) - allerdings nicht bei der DLRG, sondern als stellvertretender Bürgermeister von Werne.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wer genau hinschaut, findet Hinweise auf die Übungen der DLRG, die - bis auf wenige Ausnahmen - unter Ausschluss der Ööffentlichkeit stattfinden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der 17 Meter hohe Deich am Kohlehafen des Gersteinwerks in Stockum - der höchste Flussdeich in Europa - war eine erste Übungsstation am Donnerstag.© Foto: Sylvia vom Hofe
Unterhalb des Gersteinwerks haben sich am Donnerstag Rettungskräfte versammelt - zum Glück aber nur für eine Übung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Mit Blaulicht ging es am Donn erstag zu den ersten Einsätzen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Alle Fahrzeuge und Boote sind durch Spenden finanziert. Auf rund zwölf Millionen Euro beläuft sich das Material, das alleinbdie DLRG Westfalen nutzt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die weiß-roten Einsatzfahrzeuge der DLRG sind zurzeit oft rund um Werne zu sehen.
Pia Vielsen aus Hamm ist erst 18, fährt aber schon ein ganzes Gespann: Einsatzfahrzeug plus Anhänger mit Boot. Das habe sie ausgiebig geübt, sagt die junge Frau, die schhon ausgebildete Sanitäterin ist. Abiturientin will sie nächstes Jahr sein und danach Studentin der Sonderpädagogik.© Foto: Sylvia vom Hofe
Auch Schlauchboote kommen zum Einsatz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Aaron Pfizner (23) aus Hamm leitet die Einsatzgruppe dieses Versorgungsfahrzeugs: "fast nur Frauen."© Foto: Sylvia vom Hofe
Reinhold Artmeier aus Ibbenbüren weiß genau, wie er mit dem Rettungsboot Karl-Heinz die Wellen bricht. Allerdings kann Karl-Heinz nur 400 Kilo bewegen - neuere Boote sind das leistungsfähiger.© Foto: Sylvia vom Hofe
Karl-Heinz heißt dieses wenige Rettungsboot: mit 14 Jahren schon ein altes Schätzchen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Unterschiedliche Bootstypen parken auf dem Schulhof.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zwei, die sich durch die DLRG als Leiterin eines Schwimmkurses und als Teilnehmerin kennengelernt haben, und jetzt Freundinnen sind: Lucia Impekoven (47, r.) und Pia Pennekamp (21) aus Haltern.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Hochwasserboot Hans: besonders bewährt bei der Rettung von Mensch und Tier in Üerschwemmungsgebieten.© Foto: Sylvia vom Hofe
300 Wasserretter haben am Mittwochabend ihr Lager auf dem Gelände des Anne-Frank-Gymnasiums aufgeschlagen.© Foto: Sylvia vom Hofe
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Fünf der insgesamt 19 Wasserrettungszüge des Landes NRW sind seit Mittwochabend in Werne versammelt. Rotweiße Fahrzeuge mit dem gelben DLRG-Schriftzug parken eng an eng auf dem Schulhof.  Fast an jedem hängt ein Anhänger mitsamt Boot.

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„Hans ist das Hochwasserboot, das sich an der Elbe besonders bewährt hat“, stellte Hellmig am Donnerstag bei einem ersten Rundgang über das Gelände vor: stabil, leicht aufs Wasser zu schieben und mit Platz für zehn Personen. „Karl-Heinz“ sei dagegen wendiger und schneller, biete aber nicht so viel Platz. 

Alles mit Spenden finanziert

Ob Einsatzfahrzeuge, Boote oder auch Tauchgerät: „Das gesamte Material, das wir verwenden, muss durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert werden“, sagte Einsatzleiter Kai Rumpenhorst (37) aus Minden am Donnerstagmittag auf Nachfrage. Allein für die DLRG Westfalen seien das zwölf Millionen Euro.  Die DLRG sei eben  eine anerkannte Hilfsorganisation, die beim Bedarfsfall mit Blaulicht und Martinshorn ausrücke.

Damit gleiche sie etwa der Freiwilligen Feuerwehr, „aber wir sind nicht gleichgestellt. Unser gesamtes Material müssen wir selbst kaufen“. Aufwandsentschädigungen gäbe es ebenfalls nicht.  Immerhin: Zu der laufenden Übung in Werne, die etwa 50 000 Euro kostet, bekommen die Lebensretter einen „deutlichen Zuschuss“ des Landes NRW, wie Rumpenhorst ergänzt. 

"Lebenswichtiger Dienst"

„Sie leisten einen lebenswichtigen Dienst, oft unter Einsatz ihres Lebens“, sagte am Mittwochmittag Ulrich Höltmann, stellvertretender Bürgermeister aus Werne. Die Lippestadt freue sich, die Wasserretter unterstützen zu können durch das Bereitstellen des Schulgeländes. 

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Die Deichübung der DLRG

Viele verschiedene Szenarien gehen die mehr als 300 Einsatzkräfte der DLRG bei ihrer Großübung durch. Dazu gehört auch eine Deichbruchübung: Wie im Ernstfall proben die Ehrenamtlichen, was zu tun wäre, wenn ein Deich den Wassermassen etwa bei Hochwasser nicht mehr standhalten würde.
15.05.2015
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Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Politiker und Vertreter der Bezirksregierungen haben sich die Großübung angesehen.© Foto: Kevin Kindel
Kai Rumpenhorst führt Politiker und Vertreter der Bezirksregierungen durch die Einsatzzentrale Anne-Frank-Gymnasium.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Michael Vogel betreut als Übungssteuerer die Stationen. Sein größter Realeinsatz war beim Elbe-Hochwasser 2002.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Am Gersteinwerk haben die Helfer die Reparatur des Deiches geprobt.© Foto: Kevin Kindel
Die DLRG Westfalen hat einen Deichbruch am Kanal nahe des Gersteinwerkes simuliert.© Foto: Kevin Kindel
Die DLRG Westfalen hat einen Deichbruch am Kanal nahe des Gersteinwerkes simuliert.© Foto: Kevin Kindel
Die DLRG Westfalen hat einen Deichbruch am Kanal nahe des Gersteinwerkes simuliert.© Foto: Kevin Kindel
Schlagworte DLRG, Werne

Nach der Begrüßung gingen die Mitglieder der einzelnen Trupps – ob Logistiker, die Strom, Heizung und Licht zum Einsatzort bringen, Taucher , Bootsführer oder andere - zu ihren Fahrzeugen und stiegen ein. Während sie gespannt  im strahlenden Sonnenschein auf ihren Einsatzbefehl warteten, wusste Folke Hellmig schon Bescheid: Eine Gruppe werde zum Ternscher See nach Selm fahren, eine andere zum Schiffshebewerk nach Henrichenburg.

Auch Schafe werden gerettet

Am Gersteinwerk in Stockum werde an Europas höchstem Flussdeich – „der ist 17 Meter hoch, das weiß  kaum jemand“ – Deichsicherung im Hochwasserfall  geübt, und etwas weiter auf dem Mitteldeich zwischen Datteln-Hamm-Kanal und Lippe „ein Massenanfall von Verletzten“ simuliert.

Bei den ersten Übungen am Donnerstag blieb die Öffentlichkeit außen vor – wie auch im Ernstfall. Am Freitag stellt die DLRG einzelne Übungen bei einem geführten Rundgang der Presse vor – darunter auch die Rettung von 20 Schafen. „Viele unserer Kollegen haben keine Verbindung zur Landwirtschaft und wissen daher nicht, wie sie die Tiere anfassen müssen. Das üben wir.“

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