Donnerstags in Werne: Das sagt der Veranstalter

Nach Planungschaos

Sieben Mal sollte es in diesem Sommer die Veranstaltung "Donnerstags in Werne" geben. Doch der eigentliche Veranstalter hat sie abgesagt. Und das sehr kurzfristig. Werner Wirte springen in die Bresche, während der Veranstalter gleichzeitig ähnliche Events in Lüdinghausen und Selm organisiert. Warum klappt es dort und in Werne nicht?

WERNE/SELM

, 14.07.2016, 11:22 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie ist ein wichtiger Baustein des Werner Stadtmarketings, um mehr Besucher in die Innenstadt zu locken: die Veranstaltungsreihe "Donnerstags in Werne". Bereits im letzten Jahr ging sie mit vier Terminen an den Start. Jeweils donnerstags gab es ab dem späten Nachmittag Live-Musik, etwas zu essen und trinken. Besucher sollten nach Feierabend zum Verweilen in der Innenstadt eingeladen werden, hieß es. Am besten bis in den späten Abend.

Denn Werne braucht mehr Leben in der City - ganz besonders, da das beliebte Solebad seit April 2015 geschlossen und damit ein wichtiger Anziehungspunkt wegfallen ist. 

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Organisiert hat "Donnerstags in Werne" Wilfried Reckers, ein geborener Werner, der in Lüdinghausen die kleine Veranstaltungsagentur "WREMO" hat. Dort betreibt er auch einen Schlagerkeller und dort gibt es bereits seit einigen Jahren im Sommer "Mittwochs in Lüdinghausen", das Pendant zu "Donnerstags in Werne". Ein erfolgreiches Vorbild mit vielen begeisterten Besuchern und positiver Resonanz auf Facebook und in den Medien. Auch der Wendler war schon da.

Erste Termine ganz kurzfristig abgesagt

In Werne wollte Reckers dieses Jahr auch groß einsteigen. Statt vier waren gleich sieben Termine geplant. Los gehen sollte es am 2. und 9. Juni. Doch Ende Mai hat Reckers die ersten beiden Veranstaltungen abgesagt. Ganz kurzfristig, wenige Tage vor dem ersten Termin. Seine knappe Begründung damals: Er habe parallel zu viel zu tun mit einem Public Viewing zur Europameisterschaft in Lüdinghausen. An den weiteren fünf Terminen wolle er aber festhalten, hieß es. 

Verzichten mussten die die Werner nicht auf die Veranstaltung: Darko Vukovic, ein Wirt aus der Innenstadt, sprang an beiden Terminen ein. Stadtmarketing, Wirte, Lions Club - alle freuten und feierten sich, dass sie kurzfristig Ersatz gefunden haben. Vukovic kündigte gleich vollmundig an: Falls Reckers im kommenden Jahr keine Zeit habe, dann nähmen die Werner Wirte das "selbst in die Hand".

Und genau so wird es wohl kommen: Denn Reckers hat die Veranstaltung in Werne vergangenen Freitag komplett abgesagt. Ohne zunächst viel dazu zu erklären. Auch das Stadtmarketing möchte die ganze Angelegenheit nicht wirklich gerne kommentieren, sagt Sprecherin Carolin Brautlecht. Sie erklärt aber dann doch, dass keine Sachkosten entstanden seien. Dass man die Absage bedauere und überrascht sei. 

Ob es das Marketing komplett unerwartet erwischt hat, bleibt etwas fraglich. Zumindest hat man die Produktion von Flyern und Plakaten laut Brautlecht hinausgezögert. Reckers habe sich in der Zusammenarbeit dieses Jahr "unzuverlässig" gezeigt. Ganz anders als 2015. Da sei alles "hervorragend" gelaufen.

Andere Veranstaltungen steigen

Doch was ist dieses Jahr schief gegangen? Aus dem Geschäft zurückgezogen hat Reckers sich nicht. Im Gegenteil. Neben dem Public Viewing zur EM in Lüdinghausen, organisiert er dort auch wieder "Mittwochs in Lüdinghausen", das jetzt gerade gestartet ist. Zudem soll es an fünf Dienstagen im Sommer "Selm trifft sich" geben. 

Warum Lüdinghausen und Selm, aber Werne nicht? Wilfried Reckers räumt im Gespräch mit uns ein, sich übernommen zu haben. Lüdinghausen hat das Public Viewing größer aufziehen wollen, als er es geplant habe. Mit großer Leinwand, statt kleiner Hütte mit Fernseher. "Ich bin da so reingeschlittert", sagt er. Das Ganze habe sich wie ein Schneeball entwickelt, sei immer größer geworden - und damit seien auch das finanzielle Risiko und der Druck gestiegen. 

Irgendwann habe er gemerkt: "Ich schaffe das nicht mehr alles." Zumindest nicht in der Qualität, die er gerne hätte. Daher habe er in Werne abgesagt. Zunächst die ersten zwei Termine kurz vor der EM. "Das war überhaupt nicht glücklich und kein gutes Verhalten", gibt es zu. Er könne verstehen, wenn das Stadtmarketing verärgert sei. 

Sein Bauchgefühl sagte: Steig aus

Die weiteren fünf Termine wollte er noch wuppen, doch als er dann gesehen habe, wie die Werner Wirte eingesprungen sind, und sich damit gebrüstet hätten, das Festival gerettet zu haben, da habe ihm sein Bauchgefühl gesagt, ganz auszusteigen und sich auf Lüdinghausen und Selm zu konzentrieren.

In Lüdinghausen sei alles eingespielt, Selm liege um die Ecke und sei leichter für ihn zu organisieren als Werne. Und: "In Selm werde ich mit offenen Armen empfangen." In Werne dagegen hätten die Wirte von Anfang an gegen ihn geschossen. Er brauche die Wirte für seine Veranstaltung zwar nicht direkt, aber "wenn man allgemeinen Zuspruch hat, dann ist es leichter", sagt Reckers.

Einer, der sich im vergangenen Jahr sehr aufgeregt hat, ist Andreas Nozar, Betreiber des "Stilvoll" und Vorstandsmitglied des Werner Wirtevereins. Man habe sich vom Stadtmarketing übergangen gefühlt, als es hieß, Reckers will "Donnerstags in Werne" veranstalten. So lautete die Kritik vor einem Jahr. "Ich habe damals meinen Unmut stark bekundet", sagt Nozar heute. Aktuell habe es aber keinen Zoff mit Reckers gegeben. 

Daher sei man schon erstaunt über die kurzfristige Absage für dieses Jahr. "Aber sauer drüber bin ich auch nicht", gibt er zu. Nachdem sein Kollege Vukovic die ersten beiden Veranstaltungen übernommen hat, richtet Nozar die weiteren fünf Termine aus.

Fürs kommende Jahr wollen sich die Wirte mit dem Marketing zusammensetzen und gleich was Eigenes auf die Beine stellen. Nozar: "Jetzt ist es bei den richtigen Leuten."

Auch beim Verein "Wir für Werne" ist man froh, dass "Donnerstags in Werne" nicht ausfallen muss. "Die Veranstaltung wird positiv angenommen", sagt der Vorsitzende Thomas Lohmann. Dass die bisherigen Querelen dem Image der Stadt schaden könnten, glaubt er nicht. "Das ist höchstens ein Reputationsschaden für Herrn Reckers", sagt er. Wenn jemand eine Veranstaltung anbiete und diese dann so kurzfristig wegen Überbelastung absage, müsse man sich überlegen, wie das wohl wirke. "Ich würde mit Herrn Reckers nicht mehr zusammen arbeiten", so sein Fazit.

In Selm hat keiner Sorge

In Selm habe man da aber überhaupt keine Sorge, heißt es unisono beim Stadtmarketing und bei der Werbegemeinschaft Selm. Man kenne Herrn Reckers gut und sei absolut sicher, dass "Selm trifft sich" in diesem Sommer nicht in Gefahr ist.  

In Selm fühle sich auch niemand übergangen, erklärt Jürgen Suer von der Werbegemeinschaft. Anders als in Werne sei nicht Reckers auf die Stadt zugegangen und habe die Veranstaltung angeboten. In Selm habe das Stadtmarketing gemeinsam mit der Werbegemeinschaft bei Reckers angefragt - nachdem zunächst die lokalen Wirte angehört worden seien. Von denen habe es aber niemand stemmen wollen.

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Auch wenn die Stimmung gut zu sein scheint - die erste Veranstaltung von "Selm trifft sich" am Dienstag ist abgesagt worden. Allerdings wegen Regens. Und nur wegen Regens, betonen alle Beteiligten. "Wir wollen, dass der Auftakt top wird", sagt Norbert Zolda vom Stadtmarketing. Regen und Gewitter könne man da nicht brauchen. Der ausgefallene Termin werde nachgeholt. Das sagt auch Wilfried Reckers. Und dass er sich in Werne noch entschuldigen müsse.

Geregnet hat am Dienstagabend wirklich, wenn auch nur kurz. 

Am Donnerstag, 14. Juli, findet die Veranstaltung statt. Los geht's ab 17 Uhr. Alle Infos .

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