Dr. Wolfgang Ruhnau ist 90 Jahre alt geworden

Arzt aus Werne

Dr. Wolfgang Ruhnau aus Werne ist ein erfahrener Arzt. Und ein guter dazu, wie seine vielen Patienten sagen. In einem Fall hat er sich aber nachdrücklich geirrt - seinem eigenen. "Eigentlich", sagt er mit einem Lächeln, "müsste ich längst tot sein". Ist er aber zum Glück nicht. Am Sonntag hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert.

WERNE

, 01.08.2016, 06:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Wolfgang Ruhnau wurde nun 90 Jahre alt. Zahlreiche Werner hat er behandelt - einigen sogar auf die Welt geholfen.

Dr. Wolfgang Ruhnau wurde nun 90 Jahre alt. Zahlreiche Werner hat er behandelt - einigen sogar auf die Welt geholfen.

Seine überstandenen Krankheiten aufzählen? Damit möchte Ruhnau sich und andere nicht aufhalten. Dafür sind die Lebenszeit viel zu kostbar und der Terminkalender zu voll: Golf spielen in Nordkirchen, Reisen machen, die drei Söhne und sechs Enkel besuchen, lesen. „Nein, Langeweile haben wir nicht“, sagt Ruhnau und nickt seiner Ehefrau zu.

Mit Medizin beschäftigt er sich kaum noch – höchstens, wenn die zwei Söhne, die in seine beruflichen Fußstapfen getreten sind, das Thema anreißen. Und, wenn er einen seiner ehemaligen Patienten in der Stadt trifft. Davon gibt es viele. Denn Ruhnau war in Werne nicht nur als praktischer Arzt tätig, sondern auch als Geburtshelfer. Wie vielen Babys er auf die Welt geholfen hat? Er zuckt die Schultern. „Vielen.“

"Jede Menge Hausbesuche - auch nachts"

Wenn er damals bei Hausgeburten half, kannte er in der Regel nicht nur die werdenden Eltern, sondern auch schon deren Eltern und Großeltern, ihre jeweiligen Sorgen und Freuden. Und ihre Wehwehchen. „Anfangs war es ja noch so, dass ich viele Patienten erst traf, wenn sie krank zu Hause lagen“, sagt er. Schließlich seien Autos in den frühen 1960er-Jahren noch nicht selbstverständlich gewesen. „Ich machte jede Menge Hausbesuche - auch nachts.“ Doch dafür musste er sich auskennen.

Das war in Zeiten, als man vom Navi nur träumen konnte, gar nicht so einfach. „Gerade in den Bauerschaften waren die Häuser in der Reihenfolge ihrer Fertigstellung nummeriert“, erinnert er: „Die Nummer 2 stand neben der Nummer 38.“ Damit er bei der Suche nach den Patienten keine wertvolle Zeit verlor, nahm Ruhnau Nachhilfe bei einem befreundeten Funkmietwagen-Unternehmer.

Nie viel Sport gemacht

Ein Mediziner müsse sich eben zeitlebens weiterbilden, sagt Ruhnau und schmunzelt wieder. Vielleicht, meint er, habe ihm dieses immerwährende Dazulernen – ob über neues technisches Gerät oder alternative Behandlungsformen – auch fit gehalten.

Sport ist es zumindest nicht gewesen. „Habe ich nie viel gemacht“, sagt er – gegen den ärztlichen Rat, den er seinen Patienten gab. Insbesondere denen mit Herzproblemen, die er als Mitbegründer der 1987 ins Leben gerufenen und bis heute bestehenden Koronarsportgruppe betreute.

Mittagspause mit der Familie war wichtig

Zeit für Hobbys blieb während der Berufstätigkeit in der 1961 übernommenen Praxis an der Alten Münsterstraße ohnehin wenig. Das machte ihm aber nichts. „Ich war immer sehr zufrieden mit meinem Leben als Arzt“, sagt Dr. Ruhnau.

Aber egal, wie viel gerade zu tun war, auf eines hat er stets Wert gelegt: das gemeinsame Mittagessen mit der Familie. Wenn er mal später aus seiner Praxis herauskam, hätten seine Lieben eben warten müssen.

Zur Person
Wolfgang Ruhnau wurde am 31. Juli 1926 in Bochum geboren. „Eigentlich wohnten wir in Castrop-Rauxel, aber in Bochum war die Geburtsklinik.“
Aufgewachsen ist er in Köln und Troppau.
Nach Münster zog er mit der Mutter 1939 nach dem frühen Tod des Vaters, der mit 48 Jahren starb.
Werne kannte er von frühester Kindheit an, weil dort Verwandte lebten.
Nach dem Studium arbeitete Ruhnau in Krankenhäusern in Werne, Münster und Bad Wiessee am Tegernsee, bevor er 1961 in Werne die Praxis des verstorbenen Dr. Bernsdorf übernahm.
Mit 70 Jahren ist Ruhnau in Ruhestand gegangen. Seine Praxis führen Dr. Hans Piepenbrock und Dr. Christian Ruhnau, einer der drei Söhne, weiter.

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