Drohne suchte historische Spuren der Burg Beckedorf

Alter Adelssitz

Unsere Spurensuche nach der ehemaligen Burg Beckedorf, die an der Kreuzung Herberner Straße / Im Hanloh in Werne-Horst gestanden hat, geht weiter: Vermessungsingenieur Alexander Zurhorst hat das Gebiet mit einer Drohne überflogen und Fotos geschossen. Wir waren mit der Video-Kamera dabei.

WERNE

, 09.05.2014, 15:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Drohne suchte historische Spuren der Burg Beckedorf

Alexander Zurhorst, Susanne Siminsky und Bernhard Möllenhoff (v. l.) verfolgen, wie der Hexakopter vorsichtig wieder landet. Dackel Anton muss dabei besser auf dem Arm seines Herrchens bleiben. Die Rotoren könnten dem neugierigen Tier gefährlich werden.

Von der Burg Beckedorf, die an der Kreuzung Herberner Straße / Im Hanloh in Werne-Horst gestanden hat, ist nicht mehr viel übrig. Es sind keine Gemälde oder Stiche bekannt, nur ein Katasterblatt von 1821.

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Drohne sucht über Werne nach Burg-Resten

Burg Beckedorf bei Werne prägte über 300 Jahre den Ort. Von ihr ist heute aber nichts mehr zu sehen. Fast nichts, wie sich nun zeigt. Denn ein Vermessungsingenieur hat das Gelände mit einer Drohne überflogen und Luftbilder gemacht.
09.05.2014
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Diplom-Ingenieur Alexander Zurhorst bereitet den Hexaokopter vor. Das Fluggerät mit sechs Motoren ist ausgerüstet mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, die sich per Funk auslösen lässt - in 100 Metern Höhe über dem einstigen Burggrundstück.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Bernhard Möllenhoff (68) kann sich noch an die Lage der Gräfte erinnern. Die Reste der Burganlage befanden sich auf dem Acker neben seinem Hof.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Hier muss sie gestanden haben, die Wasserburg Haus Beckedorf: Heimatforscher Bernhard Wesselmann (l.) im Gespräch mit Landwirt Bernhard Möllenhoff auf dem Grundstück.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
So sah der Grundriss der Burg aus. Bernhard Möllenhoff hat ihn aus der Erinnerung mit dem Finger in den feuchten Ackerboden gezeichnet. Zu sehen sind die Gräften, die Zuwegung und das rechteckige Gebäude. Die Luftaufnahme wird das später bestätigen.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Alexander Zurhorst, Susanne Siminsky und Bernhard Möllenhoff (v. l.) verfolgen, wie der Hexakopter vorsichtig wieder landet. Dackel Anton muss dabei besser auf dem Arm seines Herrchens bleiben. Die Rotoren könnten dem neugierigen Tier gefährlich werden.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Susanne Siminsky verfolgt über den Monitor, welche Aufnahmen die Kamera an Bord des Hexakopters in luftiger Höhe macht.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Der Himmel ist trübe, die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken: Genau das richtige Wetter, um eine Luftaufnahme zu machen.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Heimatforscher Bernhard Wesselmann (r.) freut sich, dass die Aufnahmen vom Burggrundstück so gut gelingen.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Wie gut die Aufnahmen geworden sind, kontrolliert der Geodät (so lautet die korrekte Berufsbezeichnung für den Vermessungsingenieur) Alexander Zurhorst bereits vor Ort.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Aus der Vogelperspektive zeichnen sich ganz deutlich dunkle und helle Flächen ab.© Foto: Alexander Zurhorst
Im Detail: Der äußere und der innere Gräftenring sind zu sehen und der Grundriss des rechteckigen Gebäudes zu erahnen.© Foto: Alexander Zurhorst
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„Ich glaube nicht, dass das was bringt“, ist Bernhard Möllenhoff beim Blick auf die Flugdrohne skeptisch. Er ist der Eigentümer des Ackers, auf dem die Burg gestanden hat. 1965 bei der Flurbereinigung seien die letzten Mauerreste weggekommen: nicht zugeschüttet, sondern abgetragen. „Da ist nichts mehr da“.Im Video: So stieg die Drohne auf „Vielleicht ja doch“, sagt Heimatforscher Wesselmann. Er lässt den Blick wandern: von der Nordbecke, dem Bach, den es schon zu Zeiten der Burgherren gab, bis zur Straße Im Hanloh, wo die Drohne jetzt startklar ist: nichts als brauner Boden – und eine helle Hoffnung: „Dass von oben mehr erkennbar ist.“ Vermessungsingenieur Alexander Zurhorst und seine Kollegin Susanne Siminsky lassen die Drohne 100 Meter in die Höhe steigen, von wo aus sie mit einem Weitwinkelobjektiv Aufnahmen macht.

Nach nicht einmal fünf Minuten ist die Reise ins 16. Jahrhundert beendet. Technik des 21. Jahrhunderts lässt die Fotos von unterwegs Nu auf dem Bildschirm erscheinen: zwei Gräftenringe zeichnen sich ab und mitten darin der rechteckige Grundriss des Hauses. „Das ist ja großartig“, sagt Heimatforscher Bernhard Wesselmann und strahlt. „Das hätte ich nie gedacht“, gesteht Bernhard Möllenhoff.Das Burg-Fieber hat wieder jemanden erfasst Auch Alexander Zurhorst ist zufrieden. Die Ergebnisse seien vielversprechend, sagt er, ohne den Blick vom Monitor zu nehmen. „Hier lohnt sich eine genauere Untersuchung.“ Wie lang waren die Mauern? Wie tief die Gräben? Wesselmann hört lächelnd zu: Das Burg-Fieber hat wieder jemanden erfasst.

Auf unserer interaktiven Karte können Sie sehen, wo die Burg wohl gestanden hat. Sie können den Ausschnitt vergrößern und verkleinern. Wenn Sie ganz nah heranzoomen, können Sie auf den Feldern Flecken erkennen, die auf tiefer liegende Mauern hinweisen könnten.Hier stand wohl einst das Rittergut Beckedorf auf einer größeren Karte anzeigen Zusammen mit Heimatforscher Bernhard Wesselmann haben wir unsere Spurensuche in der Nähe der Herberner Straße in Werne-Horst begonnen. Was wir dabei entdeckt haben, sehen Sie in dieser Fotostrecke:

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Das ist von Burg Beckedorf übrig

Jenseits der Herberner Straße in Richtung Hanloh stand wohl einst der Adelssitz Beckedorf. Wir haben uns dort umgeschaut und überprüft, wie viel von der Burg übrig geblieben ist.
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Hanloh heißt nicht nur dieser Wirtschaftsweg, Hanloh ist auch eine alte Flurbezeichnung, die es bestimmt schon zu Zeiten der Burgherren gegeben hat. Auf dem Grundstück zwischen dem Wirtschaftsweg Im Hanloh und der Herberner Straße soll sich die Burg Beckedorf befunden haben.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
In Orange eingezeichnet auf dem alten Katasterblatt von 1821: die drei Gebäudeteile der Burg und die damalige Zuwegung. In Blau: die Gräfte, also der Burggraben.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Heute erinnert nichts mehr daran, dass auf dem Acker einmal eine Burg stand.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
"Spurlos verschwunden", sagt Bernhard Wesselmann. Der Heimatforscher ist nicht weit von hier aufgewachsen. Er liebt es, vor seinem geistigen Auge die Bilder seiner Kindheit aufsteigen zu lassen: Mauerreste des Adelshauses. Burggräben. Und mächtige Kastanien, unter denen die örtlichen Schützen des Vereins St. Hubertus auf den Vogel zielten, um ihren König zu ermitteln.© Archivfoto: RN
Eine Gräfte gibt es nicht mehr. Anstatt der alten Burggräben finden sich moderne Entwässerungskanäle.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Beckedorf heißt so viel wie Bauerschaft am Bach. Als ältere Begriffe sind dafür auch Bickenthorpe oder Bickedorpe überliefert.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Ein Stein von der alten Burg Beckedorf? Vielleicht. Fest steht für Heimatforscher Bernhard Wesselmann, dass das alte Gemäuer auf diesem Acker stand.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
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Mitmachen: Haben Sie Infos zur alten Burg? Alte Pläne oder Malereien? Oder vielleicht Fotos vom alten Schützenplatz in Wessel, der sich auf dem Grundstück des einstigen Burggeländes befunden hat? Dann melden Sie sich bei uns! Kommen Sie in der Redaktion der Ruhr Nachrichten, Markt 10, in Werne vorbei. Sie brauchen die Bilder nicht bei uns zu lassen, wir können sie scannen. Oder schreiben Sie uns eine Mail an lokalredaktion.werne@mdhl.de.Das sind die wichtigsten Daten zum Rittergut Beckedorf:1193: Erste Erwähnung Beckedorfs. Gemeint ist aber noch nicht die Burg, sondern die kleine Ansiedlung am Bach. Bischof Hermann zu Münster schenkt „einen kleinen und einen großen Zehnten“ aus dem Gut eines Heinrich zu Beckedorf an das Kloster Cappenberg, wie Julius Schwieters in einer Veröffentlichung 1886 festhält. Der Kaplan zu Herbern schrieb Ende des 19. Jahrhunderts mehrere heimatgeschichtliche Bücher und bezieht sich dabei auf historische Quellen. Um 1500: Gert von Hövel zu Stockum baut die Burg Beckedorf. Nachdem er vorübergehend das Lehen zu Stockum – dazu gehören zwei Burganlagen, eine auf der Lippeinsel (Hugenpoth), eine andere etwas weiter auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes  - verloren hatte, weil er und sein Bruder bei der Äbtissin des Klosters Herford in Ungnade gefallen war, brauchte er einen neuen Wohnsitz. Nach dem Umzug nennt er sich Gert von Hövel zu Beckedorf. Nach sieben Jahren Buße in Beckedorf darf Gert wieder zurück nach Stockum, sein Bruder wird nicht begnadigt und bleibt seiner alten Rechte verlustig. 1611: Die Burg verfällt zusehends: ein Spiegelbild der schlechten finanziellen Situation der Eigentümer. Im Staatarchiv ist in einer Akte nachzulesen, dass das Haus „gantz und gar bawfellich, tachlos und sonsten die Graben zugelandet“ sei. Er wird verpfändet. Von dem Erlös sollen die dringend nötigen Arbeiten verrichtet werden. 1640: Das Gut wechselt von den von Hövels über Johann von Hassenkamp an den Freiherrn von Böhmer. Als der letzte Spross der Familie von Hövel in diesem Jahr starb, konnte seine Schwester das Erbe nicht antreten. Ihre Vormünder hatten es versäumt, ihre Interessen rechtzeitig anzumelden. Julius Schwieters schreibt, dass ein Urteil des Reichskammergerichts dem Verkauf vorangegangen sei. 1752: Die Güter werden aufgeteilt. Das Haus Beckedorf fällt an einen Grafen von Ligneville. Über ihn kam es in das Eigentum seines Erben Joseph von Gourci. 1809: David von Schlebrügge kauft das Gut Beckedorf. Das war möglich geworden, nachdem Napoleon 1809 alle Lehen zu freien Gütern erklärt hatte. Der Bürgermeister von Werne und spätere Landrat von Lüdinghausen führte lange seine Amtsgeschäfte von der Burg aus. 1828 verlegte er die Kreisverwaltung nach Lüdinghausen. 1851: Schlebrügge stirbt. Die Burg Beckedorf und die Flächen darum herum kauft vier Jahre später Karl Graf von Merveldt zu Westerwinkel. Im gleichen Jahr lässt er das Gemäuer abbrechen.1965: Durch eine Flurbereinigung werden mehrere Parzellen zusammengelegt, um sie besser bewirtschaften zu können. Somit kommen die letzten Relikte der wechselvollen Wesseler Burggeschichte unter den Pflug. 

 

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