Eichenblatt-Analyse gescheitert

WERNE War Angelika Roßdeutscher am Tag ihrer Ermordung in der Nähe des Borker Klärwerks? Gab es einen weiteren fremden Mann, wie die Verteidigung des Angeklagten behauptet oder sagte der Angeklagte in seinem ursprünglichen Geständnis die Wahrheit? Der Prozess um den Mord vor 16 Jahren geht weiter:

von Von Martin von Braunschweig

, 30.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eichenblatt-Analyse gescheitert

Angelika Roßdeutscher

Keine Chance: Die Biologen des Landeskriminalamts (LKA) haben es nicht geschafft, mit Hilfe von Eichenblatt-DNS neue Erkenntnisse für die Aufklärung des Mordfalls "Roßdeutscher" bereitzustellen. "Die Analyse ist gescheitert", teilte Wolfgang Meyer, der Vorsitzende des Dortmunder Schwurgerichts, gestern im Prozess mit.

Damit bleibt weiter unklar, ob die im Februar 1991 getötete Wernerin Angelika Roßdeutscher am Tag vor ihrem Verschwinden mit einem fremden Mann im Auto am Klärwerk in Bork gewesen ist. Diese Behauptung hatte der Verteidiger des Angeklagten mit der beantragten DNS-Analyse untermauern und damit einen weiteren potenziellen Täter ins Spiel bringen wollen.

Es bleiben nur Vermutungen

Die Biologen des LKA sollten Blatt-Fragmente, die im Februar 1991 am Auto der Getöteten sichergestellt worden waren, mit Blättern aus der Umgebung des Klärwerks vergleichen. Hemmstoffe in den alten Blatt-Teilen verhinderten jedoch die biologischen Reaktionen.

Was bleibt, sind also weiter nur Vermutungen. Über 16 Jahre nach dem mutmaßlichen Mord stützt sich die Anklage in erster Linie auf ein Geständnis, das der Angeklagte (38) nach seiner Festnahme im vergangenen Sommer zuerst abgelegt, später aber vehement widerrufen hat.

Darüber hinaus wurden DNS-Spuren des 38-Jährigen im Auto der Getöteten sichergestellt - allerdings keine am späteren Fundort der Leiche in einem Waldstück in Fröndenberg-Ostbüren. Da ein Waldarbeiter den toten Körper Angelika Roßdeutschers erst ein Jahr nach dem Verschwinden fand, waren sämtliche Tatspuren verwittert, verschwunden und verweht. Mit seinem Verteidiger Andreas Kost versucht der Angeklagte nun alles, um Zweifel an seiner Schuld zu säen.

Ein Versuch: Untersuchung der Fichtennadeln

Möglicherweise wird das Gericht nun außerdem noch den DNS-Vergleich von Fichtennadeln, die im Fußraum von Roßdeutschers Auto gefunden worden waren, mit solchen vom Leichen-Fundort in Auftrag geben.

LKA-Biologin Dr. Ulrike Schlesinger sagt zwar: "Ich glaube nicht, dass das zu Ergebnissen führt." Aber die Richter wollen sich unter keinen Umständen nachsagen lassen, sie hätten nicht alles getan.

Der Prozess wird am 8. August fortgesetzt.

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