Die Stadt spricht von zu langen Wartezeiten in puncto Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung in der vergangenen „Saison“. Nun meldet sich ein Schädlingsbekämpfer, der Kapazitäten frei gehabt hätte.

Werne, Nordkirchen

, 19.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schädlingsbekämpfer Patrick Sonnenburg (39) aus Nordkirchen ist im Zwist mit der Stadt Werne: Er hätte in den vergangenen Jahren Kapazitäten zur Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung gehabt - wurde aber nach eigener Aussage nicht einmal gefragt.

Die Stadt bevorzuge laut Sonnenburg einen anderen Schädlingsbekämpfer und spricht von „überlasteten Dienstleistern“ und langen Wartezeiten. Die Stadt möchte nun die EPS-Bekämpfung selber angehen, um schneller reagieren zu können. Das geht Sonnenburg gegen den Strich.

Keine Reaktion auf Sonnenburgs Angebote

„In den letzten drei Jahren habe ich der Stadt Werne mehrmals meine Hilfe im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner angeboten. Doch auf meine Mails wurde nicht einmal geantwortet“, berichtet Sonnenburg. „Im vergangenen Jahr kam die Stadt dann doch in einem Fall auf mich zu, der den anderen Dienstleistern zu kompliziert war“, schildert er die Situation.

Es ging um einen Bereich im Münsterfort, der nicht mit der Arbeitsbühne zugänglich war. „Da war ich erst einmal patzig und antwortete auch nicht. Warum bin ich nur für die Dinge gut genug, die sonst keiner machen will?“ Letztendlich konnten sich beide Parteien doch auf eine Zusammenarbeit in diesem Fall einigen.

„Eichenprozessionsspinner gibt es schon, seit ich den Beruf ausübe, also seit mindestens 15 Jahren. Richtig zum Problem geworden sind sie erst jetzt. Hat man früher nach befallenen Bäumen gesucht, fragt man nun eher nach Bäumen, die nicht betroffen sind“, sagt der Experte. Deshalb sei es klar, dass in der Saison viel zu tun sei und die großen Firmen in der Umgebung viel zu tun hätten.

Benachteiligt fühlt sich Sonnenburg nach wie vor: „Die Stadt Werne ist mit ihrer Stammfirma schon seit 30 Jahren verheiratet. Da ist es total schwer, dazwischen zu kommen.“ Sonnenburg beschäftige in der Saison bis zu 20 Mitarbeiter und habe 6 Hebebühnen für den Einsatz auf dem Hof stehen. Innerhalb von 24 Stunden könne man reagieren - doch die Stadt schult nun lieber ihr eigenes Personal und setzt neue Methoden zur Bekämpfung ein.

„Ich finde es schön, dass man auch nach Alternativen sucht. Aber zum Teil sind die vorgestellten Methoden widersprüchlich“, so Sonnenburg. „Einerseits hängt man Nistkästen auf, andererseits spritzt man prophylaktisch Gifte. Man spritzt den Meisen dann ihre Nahrung weg“, sagt der Schädlingsbekämpfer, der beispielsweise auch für die Stadt Selm tätig ist.

„Die Raupe läuft dem Baum nicht zu“

Von Raupenfallen, die die Stadt plant, hält der Schädlingsbekämpfer nichts: „Ich könnte meinen Kunden diese teils kostspieligen Fallen nicht ruhigen Gewissens verkaufen, weil ich nicht sicher sein kann, dass es funktioniert.“

Seine Meinung begründet er wie folgt: „Die Raupe läuft dem Baum nicht zu. Sie sitzt oben im Baum, knabbert sich an den Blättern langsam herunter und sucht sich irgendwo am Baum einen Platz für ihr Nest. Natürlich kann so eine Raupe dabei auch mal in eine Falle hineingeraten - aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie genau dort vorbeikommt, ist nicht so hoch.“

Hitzebehandlung nur an kleinen Bäumen

Ähnlich wenig überzeugt ist der Experte von den von der Stadt geplanten Heißschaumgeräten. Über einen langen Stab werden die Tiere mit Hitze getötet. Das klappt zuverlässig, da das Eiweiß in den Raupen zerstört wird.

Aber: „An kleinen Bäumen mag das funktionieren. Wenn ich jedoch eine alte Eiche um die 20 Meter habe, dann frage ich mich, wer kräftemäßig eine 20-Meter-Lanze an diesen Baum halten kann. Und dann fallen einem die heißen, toten Tiere entgegen.“ Sonnenburg bleibt für die kommende Saison bei den altbewährten Methoden: Prävention durch selektive Gifte und Entfernen durch Absaugen.

Stadt reagiert auf Vorwürfe

Zu den Vorwürfen seitens Sonnenburg, er sei benachteiligt worden, hat sich die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion so geäußert: „Für externe Leistungen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) haben wir in den vergangenen zwei Jahren Preisanfragen von mindestens drei regional tätigen Firmen durchgeführt. Eine öffentliche Ausschreibung/Vergabe gab es nicht, da sie im Rahmen der zu erwartenden Kosten vergaberechtlich nicht nötig war - das wird erst ab einem Wert von 100.000 Euro nötig“, erklärt Adrian Kersting, Abteilungsleiter des Fachbereiches Straßen und Verkehr.

Bei einer Preisanfrage würden Firmen direkt angeschrieben und ihnen die Möglichkeit gegeben, die vorgegebenen Positionen mit ihren Preisen zu ergänzen. „Das Ergebnis war, dass infolge dieser Anfrage zwei Firmen mit sowohl bis dato angefallenen aber auch sehr spontanen Einsätzen zur Entfernung der EPS-Nester beauftragt wurden. Es sind neben dieser Angebotsanfrage konkret keine weiteren (freiwilligen) Angebote eingegangen“, so Kersting weiter.

Firmen, die für die genannten Arbeiten selbstständig vorstellig geworden sind, seien – soweit es nötig wurde – zusätzlich beauftragt worden. „Das heißt: Nein, es stimmt nicht, dass eine Firma bei der Vergabe von Aufträgen nicht bedacht und deren Anfragen nicht beantwortet wurden.“

Auch in Zukunft sei geplant, eine Preisanfrage durchzuführen, wenn „die prioritären Bereiche (Schulen, Kindergärten, Haltestellen des ÖPNV, öffentliche Grünflächen mit besonderer Bedeutung, etc.)“ noch massiver als bisher vom EPS befallen seien und von den eigenen Mitarbeitern nicht gänzlich abgearbeitet werden könnten „oder es zur Beseitigung der EPS-Nester technische Besonderheiten erfordert, die von den eigenen Mitarbeitern (ausgerüstet mit dem Spezialsauger und einem Hubsteiger) nicht durchgeführt werden können.“

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