Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

rnFreilichtbühne

„Shrek – Das Musical“ ist ein besonderes Stück für die Freilichtbühne. Noch nie mussten sich die Beteiligten an so viele Regeln halten. Was das bedeutet, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

Werne

, 08.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 5 min

Die Freilichtbühne ist eine Familienbühne. Mutter, Vater und Kinder spielen hier nicht selten gemeinsam in einem Theaterstück mit. Die jüngsten Darsteller werden von der Mutter einfach auf den Arm genommen und spielen ein Kind der Magd, schnuppern schon früh erste Theaterluft. Dass sie in einigen Jahren hier selbst auf der Bühne stehen, vielleicht sogar eine Hauptrolle einnehmen, ist nicht unwahrscheinlich.

Strikte Regeln und Absprachen sind nötig

Schon früh lernen sie hier Disziplin und Teamarbeit. Denn kein Theaterstück könnte funktionieren, wenn sich nicht alle Beteiligten an die Regeln und Absprachen halten würden. Das gilt vor allem für das aktuelle Stück „Shrek – Das Musical“, das die Freilichtbühne noch bis zum 18. August zeigt. Kein anderes Stück zuvor war so streng geregelt wie „Shrek“. So will es der Urheber des Animationsfilms „Dreamworks Film“. Auf dessen Grundlage ist das Theaterstück konzipiert.

Ob Kostüme, Make-up, Musik, Geräusche oder Kulisse – es gibt in allen Bereichen klare Vorgaben. „In diesem Maße hatten wir das noch nicht. Es ist einfach eine andere Vorgehensweise, es ist nicht komplizierter. Aber jedes Stück hat auch seine eigene Herausforderung“, sagt Sabine Ibrahim, eine der beiden Regisseurinnen von Shrek.

Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

Schon die Jüngsten sind bei dem Stück „Shrek“ dabei. © Andrea Wellerdiek

Platz für Improvisation bleibt aber. Das ist auch gut so. Denn wenn es doch einmal hakt bei einem Text, soll die Szene problemlos weiterlaufen. Das gelingt vor allem, wenn die Protagonisten eingespielt sind. „Das klappt bei uns sehr gut“, sagt Heiko Steinweg über seinen Partner Thormen Erhardt, der den Esel spielt. „Wir können uns aufeinander verlassen.“

Etwa 100 Personen wirken mit

Der Zusammenhalt ist auch beim Blick hinter die Kulissen spürbar. Schon viele Aufgaben müssen erledigt werden, bevor der erste Vorhang fällt. Am Tag der Aufführung treffen sich alle Beteiligten um 10 Uhr an der Freilichtbühne. Dann wird aufgeräumt und aufgebaut. Die Verantwortlichen des Fördervereins sorgen für Getränke und das Essen für die Zuschauer. Sie bereiten die Buden für den Besucheransturm in der Spielpause vor.

Andere säubern die Sitzbänke auf der Tribüne, andere sperren den Parkplatz ab. Jeder hier kennt seine Aufgabe. Etwa 100 Personen wirken insgesamt mit. Die 63 Darsteller, die bei „Shrek – Das Musical“ auf der Bühne stehen werden, bereiten sich derweil auf ihren Auftritt vor. Nach einem gemeinsamen Mittagessen gehen die einen noch einmal ihren Text durch, während die ganz kleinen Schauspieler in ihrer Spielecke gar keine Anspannung zeigen. Einige sind schon in ihre Kostüme geschlüpft. Ina Bispinghoff hat fast alle der Kostüme selbst genäht.

Kostüme sind nahezu perfekt

Dabei musste sich die Heilpädagogin streng an die Vorgaben des Urhebers halten. Nachdem ein Kostüm fertiggestellt wurde, schickte sie es an die Verantwortlichen. „Es kam ein Lob zurück. Die Kostüme seien nahezu perfekt – fast zu perfekt. Sie seien sehr nah am Original dran haben sie gesagt“, erzählt Bispinghoff. Am schwierigsten sei es gewesen, das passende Material zu finden. Auf Märkten und im Internet wurde die Hobbyschneiderin fündig.

Seit Herbst ist sie dabei, die Kostüme zu nähen. Messen, Anprobe und Abändern gehören genauso zu ihren Aufgaben. Sie kam durch ihre achtjährige Tochter, die in der dritten Saison als Darstellerin mitwirkt, zur Freilichtbühne. Erst fing es mit kleinen Abänderungen an, bis schließlich mehr daraus wurde. „Wenn ich alle auf der Bühne in den Kostümen sehe, dann freue ich mich sehr“, sagt Ina Bispinghoff, die nun viel Freizeit in das Nähen der Kostüme steckt.

Die ganze Familie ist dabei

Ob Oger, Drache, Prinzessin Fiona oder Hexe: „Jeder Darsteller ist für seine eigenen Requisiten zuständig“, erklärt Maximilian Falkenberg, der schon seit 13 Jahren hier tätig ist und sich nun um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Auch er hat seine Mutter zur Freilichtbühne gebracht. Sie verkauft Waffeln in der Spielpause. Alle Einnahmen, die der Förderverein durch den Verkauf macht, fließen in die Arbeit der Freilichtbühne. Eine Geschichte, die viele hier erzählten könnten.

Auch Heiko Steinweg ist durch seine Tochter Hannah zur Freilichtbühne Werne gekommen. „Sie hatte den Impuls vor acht Jahren“, sagt der Familienvater. Ein Jahr nachdem seine Tochter in dem Stück „Die kleine Hexe“ mitwirkte, hat es auch Heiko Steinweg gepackt. Im Stück „Das Dschungelbuch“ verkörperte er einen Affen. Mittlerweile sind auch die jüngere Tochter Ella als Darstellerin und seine Ehefrau als Hilfe an der Verpflegungsstation mit dabei. Heiko Steinweg nahm immer größere Rollen ein. Mit dem Oger „Shrek“ ist der 48-Jährige erstmals in die Hauptrolle geschlüpft.

35 Minuten dauert die Verwandlung

Dafür ist heute ganz viel Farbe nötig. Und Geduld. Etwa 35 Minuten dauert die Verwandlung. Heiko Steinweg lässt sich abseits der anderen Darsteller von Marvin Müller schminken. „Ich merke, dass es mir guttut, vorher etwas Ruhe zu haben“, sagt er. Die würde er im Schminkzimmer nicht bekommen.

Da sei zu viel los, sagt er. Was er damit meint, zeigt sich beim Besuch des Zimmers. Kurz vor der Aufführung herrscht hier kreatives Chaos. Vier Prinzessinnen sitzen vor dem Spiegel. Bei der einen rutscht die Perücke mit den roten Haaren noch etwas, die andere wird geschminkt, während die größte Prinzessin Fiona in sich gekehrt ist und sich auf ihre Rolle konzentriert.

Hinter den Prinzessinnen stehen mehrere Mädchen, die schon geschminkt sind und in ihren Kostümen stecken, um eine kleine Hexe herum. Alle zupfen an ihren Haaren bis wenig später ganz viele Locken auf ihrem Kopf zu sehen sind.

Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

Wuselig: Im Schminkzimmer ist vor der Aufführung viel los. © Andrea Wellerdiek

Dann stimmt ein Darsteller ein Lied an, immer mehr Mädchen und Jungen singen mit. Alle stellen sich prompt in einem Kreis auf, üben ihre Choreografie zwischen Stühlen, auf denen ihre Alltagskleidung liegt und Kleiderständern, auf denen Kostüme für die Bühne hängen. Die Zeit drängt. Noch ein Make-up-Tupfer hier, noch ein Blick in den Spiegel da und dann gehen alle raus aus dem Zimmer, nach unten zum gewohnten Treffpunkt hinter der Bühne.

Das Lampenfieber ist jetzt spürbar. Lampenfieber ist wichtig, „das schärft die Sinne“, sagen sie hier. Die Regisseurinnen geben nun letzte Anweisungen und verraten, ob alle der 1200 Plätze auf der Zuschauertribüne belegt sind. Am Ende heißt es: „Gut spiel!“ Dann nehmen alle Darsteller ihre Position ein. Dann kann der Vorhang fallen.

Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

Volle Konzentration: Heiko Steinweg kurz vor dem Beginn des Theaterstückes. © Andrea Wellerdiek

Konzentriert steht Heiko Steinweg als Shrek auf seiner Position. Er blickt zu Boden, geht noch einmal in sich. „Ich möchte mich ganz auf meine Rolle konzentrieren und mich in keiner Szene zurücklehnen“, hat er zuvor noch gesagt. Sein hoher Anspruch bringt die nötige Anspannung, bevor er als grüner Oger Shrek auf die Bühne springt. Dann ist er in seinem Element.

Der Werner macht seit 30 Jahren Musik. Angefangen in der Schulband, nahm er später Gesangsunterricht und wirkte sechs Jahre lang in einer Partyband mit. Er bringt viel Routine mit, hat keine Probleme vor Menschen zu sprechen oder zu singen. „Es ist ganz interessant, dass ich mich dabei beobachten kann. Ich bin auf der Bühne total im Flow und kann richtig eintauchen in die Rolle. Ich bekomme Gänsehaut in manchen Situationen oder spüre Wut, wenn ich mit dem Esel streite“, beschreibt Heiko Steinweg.

Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

Scherze hinter der Bühne: Thormen Erhardt (l.) und Heiko Steinweg. © Andrea Wellerdiek

Die Zuschauer klatschen, als es in die Pause geht. Heiko Steinweg genießt es. Und die vielen strahlenden Kinderaugen. „Die Reaktionen des Publikums sind das Schönste. Die Interaktion mit dem Publikum macht es zu etwas Besonderem“, sagt Heiko Steinweg, der im echten Leben Technologieberater bei einem Dienstleistungsunternehmen ist.

Ein Blick hinter die Kulissen von „Shrek“ zeigt, wie professionell die Amateure arbeiten

Eine Pause muss auch mal sein. © Andrea Wellerdiek

Während der knapp zweistündigen Vorstellung passiert einiges hinter den Kulissen. Da zieht sich ein Oger noch schnell um und wird zum Ritter, da flitzen viele Kinder umher, die auf ihren Einsatz warten und da schaut Prinzessin Fiona noch einmal schnell in ihren Text, bevor ihre nächste Szene ansteht. Jede Aufgabe auf und hinter der Bühne sitzt. Alles muss auf die Minute genau stimmen.

Im Dezember mit Proben begonnen

Keine Zeit verlieren dürfen die Darsteller etwa, wenn die Mikrofone zwischen zwei Szenen hinter den Kulissen getauscht werden müssen. Bis alles so perfekt sitzt wie an diesem Nachmittag haben alle Beteiligten viel geübt. Im Herbst haben sie angefangen mit den ersten Lese-, Sprech- und Gesangsproben erzählt Regisseurin Sabine Ibrahim.

Im Dezember begannen die Proben, Ende Februar ging es dann erstmals auf die Freilichtbühne. Insgesamt 60 Außenproben zählt die Regisseurin vor der Premiere zusammen. Für die Darsteller, von denen der älteste 73 Jahre alt ist, ist das Theaterspielen ein schönes Hobby für die ganze Familie. Wie professionell das Amateurtheater aber schon arbeitet, hat ein Blick hinter die Kulissen gezeigt.

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Hinter den Kulissen von "Shrek - Das Musical"

08.08.2018
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Stunden vor dem Beginn der Show machen die Darsteller Atemübungen...© Andrea Wellerdiek
...und Singübungen.© Andrea Wellerdiek
Maximilan Falkenberg (l.) hilft beim Anziehen des Kostüms.© Andrea Wellerdiek
Heiko Steinweg schlüpft in sein Outfit.© Andrea Wellerdiek
Marvin Müller bereitet die Maske für Shrek vor. Erst setzte das Ensemble Latex-Einwegmasken ein. Doch diese bekamen schnell Risse. So wird jetzt alles grün geschminkt.© Andrea Wellerdiek
Zuerst setzt Heiko Steinweg die Maske auf.© Andrea Wellerdiek
Dann kommt ganz viel grüne Theaterschminke zum Einsatz.© Andrea Wellerdiek
Bei der Freilichtbühne werden alle Darsteller geschminkt.© Andrea Wellerdiek
Bei Oger Shrek dauert die Verwandlung etwa 35 Minuten.© Andrea Wellerdiek
In einer Spielzeit wird viel Schminke verbraucht.© Andrea Wellerdiek
Heiko Steinweg hat sich in Oger Shrek verwandelt.© Andrea Wellerdiek
Nicht nur Heiko Steinweg wird zum grünen Oger.© Andrea Wellerdiek
Im Schminkzimmer werden die jungen Darsteller geschminkt.© Andrea Wellerdiek
Bei einer Prinzessin Fiona werden die Haare fixiert.© Andrea Wellerdiek
Viele Utensilien kommen zum Einsatz.© Andrea Wellerdiek
Kurz vor dem Auftritt ist noch keine Anspannung bei Heiko Steinweg zu spüren.© Andrea Wellerdiek
Esel Thormen Erhardt (L.) ist auch schon bereit.© Andrea Wellerdiek
Die Hexe bekommt lockiges Haar.© Andrea Wellerdiek
Nachdem alle Darsteller geschminkt sind, stimmen sie ein Lied an und sich auf die Vorstellung ein.© Andrea Wellerdiek
Die Regisseurinnen wünschen den Darstellern ein gutes Spiel.© Andrea Wellerdiek
Heiko Steinweg ist kurz vor dem Auftritt hochkonzentriert.© Andrea Wellerdiek
Die Prinzessinnen stellen sich für ein Foto zusammen.© Andrea Wellerdiek
Manche Darsteller sind noch ganz entspannt, bevor die Aufführung beginnt.© Andrea Wellerdiek
Alle Darsteller stellen sich auf ihre Position.© Andrea Wellerdiek
Ein Plausch ist auch noch drin.© Andrea Wellerdiek
Jetzt kann es gleich losgehen.© Andrea Wellerdiek
Als Oger kann man nur mit einem Strohhalm trinken.© Andrea Wellerdiek
Viele junge Darsteller sind mit dabei.© Andrea Wellerdiek
Das Mikrofon wird noch einmal angeklebt.© Andrea Wellerdiek
Zwei Rollen: Aus dem Oger wird hinter den Kulissen schnell ein Ritter.© Andrea Wellerdiek
Immer wieder schaut Marvin Müller nach, ob bei den Darstellern alles sitzt.© Andrea Wellerdiek
Manche Kostüme sind sehr aufwändig gestaltet.© Andrea Wellerdiek
Zwischendurch tut eine Abkühlung gut.© Andrea Wellerdiek
Prinzessin Fiona geht hinter der Bühne noch einmal ihren Text durch.© Andrea Wellerdiek

Die zweite Saisonhälfte der Freilichtbühne Werne startet am Samstag, 11. August. So fällt um 16 Uhr der Startschuss für die letzten vier Veranstaltungen von „Shrek - Das Musical“. Die Verantwortlichen der Freilichtbühne bieten am 11. August etwas Besonderes an. So können Besucher nach einer Voranmeldung bei Getränken und Würstchen an verschiedenen vorbereiteten Stationen einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich mit den Darstellern unterhalten. Die Anmeldung ist bis Donnerstag, 9. August, per Mail an info@freilichtbuehne-werne.de mit dem Betreff „Blick hinter die Kulissen“ oder unter Tel. (02389) 532696 möglich. Weitere Vorstellungen von „Shrek – Das Musical“: 12. August, 15. August (jeweils von 16 bis 18 Uhr) und am 18. August von 19.30 bis 21.30 Uhr. Infos und Kartenbestellung bei der Freilichtbühne unter Tel. (02389) 532696 oder per E-Mail unter info@freilichtbuehne-werne.de www.freilichtbuehne-werne.de
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