"Ein Werner Schatz" - Alte Dokumente restauriert

Amtsbücher für das Stadtarchiv

Sie sind „das letzte große Problemfeld“, sagt Archivarin Susanne Maetzke. Kulturdezernent Alexander Ruhe spricht von einem „besonderen Schatz in Werne“. Gemeint sind die Amtsbücher der Stadt Werne, die in den vergangenen 20 Jahren kostenaufwendig aufbereitet werden mussten – und nun endlich öffentlich zugänglich sind.

WERNE

, 21.01.2017, 06:23 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Amtsbücher – das klingt nicht nur staubig, das waren sie auch“, erzählt Susanne Maetzke im Stadtarchiv. Doch das Archivmaterial, das ab sofort für jedermann einsehbar ist, war nicht nur verstaubt, sondern auch verschimmelt – „kontaminiert würde man heute fast sagen“, sagt Maetzke.

Auf dem Dachboden des Alten Rathauses wurden die Archivalien gefunden. Wie lange sie dort lagen, ließe sich heute gar nicht mehr feststellen, sagt Maetzke. Fakt ist: Es war ein Batzen, den man da fand. Zwei Jahrzehnte lang wurden die Bestände kostenaufwendig restauriert – circa 500 Euro pro 70 Seiten, wenn man es herunterrechnet. 

Steuerlisten sind für Wernes Geschichte interessant

Ein Teil des Geldes stammt aus dem Haushaltsbudget, das dem Stadtarchiv jährlich zur Verfügung steht, mit 30 Prozent bezuschusste der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das groß angelegte Projekt. Den Schwerpunkt bilden Steuerlisten: Nahezu vollständig ist laut Maetzke die Überlieferung der Klassensteuer von 1821 bis 1892. Die Gewerbesteuerlisten von 1838 bis 1892 seien vor allem für die wirtschaftliche Geschichte Wernes interessant. 

Für die Erforschung des Stadtbildes sei man nun einen ganzen Schritt weiter: Welche Menschen haben im 19. Jahrhundert in Werne gelebt? Wie viele Personen in einem Haushalt? Wie viele Mägde und Knechte? Und: Wie viele vermögende Leute gab es in der Stadt? „Mit diesem Material legen wir die Grundsteine für Nachfragen“, sagt die Archivarin, die seit 1993 bei der Stadt Werne arbeitet.

Bürger können sich in den Amtsbüchern informieren

Sie stellt aber auch klar: „Wir machen hier keine Familienforschung.“ In den Amtsbüchern können sich interessierte Bürger zwar informieren, jedem Hinweis auf Vorfahren nachzugehen, sei für Susanne Maetzke und den technischen Mitarbeiter Lothar Teuteberg zeitlich aber unmöglich. 200 Amtsbücher kamen in den vergangenen zwei Jahren dazu, „insgesamt haben wir jetzt 500“, sagt Maetzke. Wer Ahnenforschung betreiben wolle, könne sich zum Beispiel an einen gewerblichen Familienforscher wenden. 

Amtsbücher Online
Online finden Interessierte ein Inhaltsverzeichnis mit einzelnen Themenblöcken und dem jeweiligen Zeitraum. Bürger können eine Bestellliste ausfüllen und die einzelnen Bücher dann im Stadtarchiv in Werne einsehen. Rückfragen bei Susanne Maetzke unter Tel. (02389) 71538. Hier sind die Amtsbücher bestellbar:

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