Peter Telgmann machte vor einem Jahr seine Eisdiele „Eis Berger“ auf. Da war er 15 Jahre alt. Seine Familie hilft zwar mit. Aber die Frage bleibt: Wie schafft der Schüler das?

Werne

, 11.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Für Peter Telgmann ging am 27. Juni 2017 ein Lebenstraum in Erfüllung. Da war er 15 Jahre alt. Mit Unterstützung seiner Familie eröffnete er sein eigenes Eiscafé in Stockum an der Werner Straße 142: „Eis Berger“.

Peter hatte das große Glück, dass seine Eltern dieses Haus besitzen, das ehemalige Café mit Konditorei und Bäckerei Berger. Das stand lange leer. Bis Peter kam. „Ich habe schon als kleiner Junge meinem Papa bei der Arbeit über die Schulter geschaut und habe mich sofort für die Eisproduktion begeistert“, sagt er mit strahlenden Augen.

Im Interview erzählt Peter, dass sein Vater Friedrich Telgmann vor neun Jahren zusätzlich zu der Konditorei und dem Café mit der Eisproduktion angefangen habe. Jedoch war es gerade in der Innenstadt ein schwieriges Geschäft, da Werne schon drei Eisdielen hatte. Doch sein Sohn wollte das Eis nicht aufgeben. Deshalb übernahm er vor zweieinhalb Jahren, also mit gerade einmal 13 Jahren, das Eismachen für seinen Vater.

„Mach doch hier in Stockum deine Eisdiele auf!“

Sehr ungewöhnlich für einen Jungen, der noch zur Schule geht. „Ich habe aber schon früh diese Leidenschaft zum Eismachen entwickelt und bin noch immer mit Herz und Seele dabei“, sagt Peter und sitzt dabei ganz selbstbewusst vor der Reporterin. Deshalb habe er das Eismachen auch nicht aufgeben können.

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Gar nicht so leicht für einen 13-jährigen Schüler, sich neben Schule und Freunden derart zu engagieren. Das habe sich bis heute nicht geändert. Die Idee, eine eigene Eisdiele aufzumachen, kam übrigens von seinen Freunden. Sie trafen sich damals abends im leeren Ladenlokal in Stockum. Irgendwann fiel der Satz: „Mach doch hier in Stockum deine eigene Eisdiele auf!“

Dazu motivierten die Freunde ihn bei jedem Treffen. Mit Erfolg. Peter Telgmann nahm sich diese Idee zu Herzen und ging zu seinem Vater. „Lohnt sich das wohl“, fragte er ihn. Der erfahrene Konditormeister war nicht überzeugt. Aber wenn er Spaß daran hätte, stehe er vollkommen hinter seinem Sohn und würde ihn in allem unterstützen.

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Zu Besuch in Telgmanns Eisdiele

Zu Besuch beim „deutschen Eispapst“

Und so kam es dann auch. Die gesamte Familie Telgmann half Peter dabei, sein Eiscafé aufzubauen und ihm zum Beispiel beim Marketing oder bei anderen Fragen zur Seite zu stehen. „Bei meinem Papa lernte ich schon vor drei Jahren das Grundwissen über das Eisherstellen“, erzählt Peter sehr stolz.

Was Verkaufsstrategien angeht, kann er das Wissen seiner Brüder anzapfen. „Ich bin echt froh darüber, dass meine Familie mich so unterstützt und kann mich nicht genug bei ihnen für die Hilfe bedanken“, sagt er mit großer Dankbarkeit in seiner Stimme.

Eisdiele in Stockum: Peter Telgmann (16) macht sein eigenes Eis

Verschiedene Sorten hat Peter Telgmann im Sortiment. © Michelle Kozdon

Um sich mehr Inspiration und ein größeres Wissen über die Eisherstellung anzueignen, war Peter für eine Woche bei Günter Single in Siegburg, den für ihn ernannten „deutschen Eispapst“. Das war noch vor der Eröffnung von „Eis Berger“ im vergangenen Jahr. „Dort habe ich in kurzer Zeit sehr viel gelernt. Zum Beispiel, wie man Eis ohne Zusatzstoffe herstellen kann, wie man mit Zucker und Fruchtzucker arbeitet, wie sich die Zutaten auf die Konsistenz auswirken und noch vieles mehr“, erzählt er uns.

Im Sommer 2017 war Peter mit seinem Bruder Henrik sogar einen Tag in Italien, um sich bei einem führenden Eismaschinenhersteller in Italien die Eisproduktion vor Ort anzuschauen.

Es ist nicht leicht, der junge Unternehmer zu sein

Es ist nicht leicht, das alles unter einen Hut zu bekommen. „Ja, es ist schon manchmal schwer, neben meinem Eiscafé etwas anderes zu unternehmen, vor allen Dingen mit Freunden“, gesteht Peter und man merkt ihm an, dass es ihm nicht immer leicht fällt, der junge Unternehmer zu sein.

Während seine Freunde im Sommer ins Freibad gehen, ist er in seiner Eisdiele und arbeitet von morgens bis abends. „ Ich habe aber auch das große Glück, dass meine Freunde mich in dieser Sache unterstützen und wir uns dann zum Beispiel nach der Arbeit treffen.“

In der Schulzeit war das Eiscafé nur an den Wochenenden von 14 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. In den Sommerferien ist es auch zusätzlich wochentags von 15 bis 19 Uhr offen. Peter arbeitet also in den Ferien, anstatt wie die meisten Jugendlichen in den Urlaub zu fahren. Er steht auch meistens persönlich an der Eistheke. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Kunden zu meinem Eiscafé ein Gesicht zuordnen können“, sagt Peter, als wäre er schon ein richtiger Unternehmer.

Eis herstellen am Morgen – wenn andere noch schlafen

„Morgens stehe ich gerne früh auf“, schildert Peter seinen Tagesablauf. Seine Freunde schlafen da meistens noch. Er macht jeden Tag frisches Eis. Denn für ihn hat die Qualität höchste Priorität – auch, wenn es anders einfacher und nicht so zeitaufwendig wäre. „Mir macht es wirklich Spaß und ich stehe gerne so früh auf, wenn ich durch mein Eis Menschen glücklich machen kann“, sagt er mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

„Ich mache das Eis so, wie man es früher gemacht hat – ohne Emulgatoren, Zusatzstoffe und künstliche Aromen. Mein Eis wird nur aus natürlichen Stoffen hergestellt, darauf lege ich großen Wert“, sagt er bestimmt. Überhaupt ist er während des gesamten Interviews konzentriert und fokussiert.

Auch für Veganer ist etwas dabei

Sein Milcheis werde zum Beispiel noch aus Milch und Sahne hergestellt. Heutzutage würden viele Eisdielen nur noch Milchpulver und Wasser verwenden, um den Zeitaufwand zu reduzieren, sagt Peter. 24 Stunden brauche es, sein natürliches Milcheis zu produzieren.

Auch bei seinem veganen Fruchteis achte er auf Qualität. „Ich verwende nur frisches Obst und achte darauf, wo es herkommt. Die Erdbeeren zum Beispiel bekomme ich direkt vom Hof Schulze Blasum“, erklärt er und hört sich dabei wieder an wie ein richtiger Unternehmer.

„Für mich zählt der ganze Aufwand nicht, für mich zählt das Ergebnis. Mir ist wichtig, dass man sieht und auch vor allem schmeckt, dass ich großen Wert auf Qualität setze“, sagt der 16-Jährige. „Und am meisten freue ich mich darauf, wenn die Leute oder Kinder, die bei mir Eis kaufen, es mit einem Lächeln entgegennehmen und am nächsten Tag wiederkommen – das bestätigt mich in meinem Tun“, sagt er.

Rund 14 verschiedene Eissorten bietet Peter jeden Tag an. Viele davon wechseln täglich. Von Standardsorten wie zum Beispiel Schokoladeneis und Vanilleeis über Salzkaramelleis, Proteineis, Himbeerholundereis, Mangoeis bis hin zu Erdbeer-Balsamico-Eis und in naher Zukunft auch Schinken-Schokoladeneis und neuen weiteren Sorten. „Ich denke mir die Sorten selbst aus und kann oft nicht schlafen, wenn ich eine Idee für eine neue Eissorte habe“, verrät er uns.

Ausbildung zum Konditor in Göttingen

Eine Eisdiele zu leiten, reicht Peter Telgmann noch lange nicht. „Ich möchte in die Fußstapfen meiner Eltern treten und später einmal das Unternehmen meiner Eltern, also auch die Konditorei und das Café in Werne übernehmen“, verrät er uns seinen größten Traum.

Um seinem Traum näher zu kommen, hat er sich in fast ganz Deutschland für eine dreijährige Ausbildung zum Konditor beworben. Zusagen hat er von allen bekommen. Entschieden hat er sich ganz bewusst für die Ausbildungsstätte „Cron & Lanz“ in Göttingen. Am 1. September geht‘s los. Eis Berger soll dann irgendwie weiterlaufen. „Ich wollte in eine Konditorei, wo man noch richtig Handwerkliches lernt – ohne Maschinen, so wie damals“, sagt er.

In Göttingen könne er genau das lernen. Ein weiterer Pluspunkt sei die Entfernung zu seiner Heimatstadt Werne. Er muss nur rund 220 Kilometer fahren, um wieder bei seiner Familie zu sein. Peter Telgmann ist 16 Jahre alt und ein engagierter Jungunternehmer. Aber auch ein Familienmensch.

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