Elternzeit: Männer tendieren zu kurzen Auszeiten

Zeit für die Familie

Thorsten Hesener hat nach der Geburt seiner zweiten Tochter sein Recht auf Elternzeit in Anspruch genommen. Damit liegt der 36-Jährige voll im Trend: 2015 gab es im Kreis 3752 Elterngeldempfänger. Dabei entscheiden sich Väter aber lieber für kürzere Auszeiten.

KREIS UNNA

, 01.05.2016, 05:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elternzeit: Männer tendieren zu kurzen Auszeiten

Elternzeit liegt im Trend – nicht nur bei Familie Hesener mit Mutter Natalie (36), Vater Thorsten (36) und den Kindern Roja (1 Monat) und Juna (2).

Von wegen zwei Monate frei: Seit der Geburt seiner zweiten Tochter Roja vor fünf Wochen hat Thorsten Hesener Elternzeit. Mehr Freizeit hat der 36-jährige Werner deshalb jedoch nicht: „Eher im Gegenteil.“ Doch auch wenn er seitdem weder beim Training des Werner SC noch bei einem Heimspiel von Borussia Dortmund war, genießt der Krankenkassenbetriebswirt seine Elternzeit: „Jetzt kann ich mich zum Beispiel deutlich mehr um unsere erste Tochter Juna kümmern.“

Entlastung ist wichtig

Das war vor der Geburt von Roja anders: „Ich bin morgens früh zur Arbeit und habe sie tagsüber nicht gesehen.“ Und abends habe die mittlerweile Zweijährige dann auch nicht mit ihm spielen wollen: „Nach dem Motto: Wenn du tagsüber schon nicht da bist, müssen wir abends auch nichts zusammen machen.“

Mittlerweile sind die beiden wieder ein Herz und eine Seele, pendeln zwischen Straßenteppich im Wohnzimmer und Spielplätzen. Doch mehr Zeit für Juna war nicht die einzige Motivation, die beiden „Partnermonate“ Elternzeit zu nehmen: „Es geht natürlich auch darum, meine Frau zu entlasten.“

Zeit als Familie

Das funktioniert vor allem im Alltag: „Zur Not kann ich jetzt meine beiden Großen zum Einkaufen schicken“, sagt Natalie Hesener (36) mit einem Grinsen. Mehr Freizeit habe sie durch die geballte Elternkraft zu Hause auch nicht: „Ich glaube, ich könnte mehr haben, wenn ich es wollte.“ Aber Zeit als Familie zu verbringen ist eben auch schön. Dass Thorsten Hesener in Elternzeit gehen würde, stand für ihn von vornherein fest: „Beim ersten Kind hatten wir das noch gar nicht auf dem Schirm, da hatte ich mir einfach vier Wochen Urlaub genommen.“

Bei Kind Nummer zwei machte er von seinem Recht Gebrauch. „Elternzeit ist ja im Gesetz verankert.“ Allerdings haben auch die Heseners vorher auf die Finanzen geschaut: „Da meine Frau bis zwei Monate nach der Geburt noch volles Gehalt kriegt, ist das kein Problem.“

„Ist selbstverständlich“

Natürlich habe auch er davon gehört, dass nicht jeder Arbeitgeber seine Fachkräfte gern für einige Wochen ersetzen will. „Bei einem Handwerksbetrieb mit nur drei Angestellten könnte ich das auch sehr gut verstehen.“ In seinem Fall habe es jedoch keine Probleme gegeben – wie auch bei anderen Vätern in seinem Freundeskreis. „Da ist es mittlerweile selbstverständlich, dass man sich zumindest die zwei Monate nimmt.“

Thorsten Hesener ist bei Weitem nicht der einzige Vater im Kreis Unna, der Elternzeit in Anspruch nimmt. Mit seinen beiden Partnermonaten liegt er sogar voll im Trend: Deutlich weniger Väter nehmen ein ganzes Jahr Auszeit vom Job.

Der Kreis Unna hat dazu die Zahlen aus dem Jahr 2015 vorgelegt. In dieser Zeit hätten 2923 Frauen und 802 Männer einen Antrag auf Elterngeld und damit auf Elternzeit gestellt. Jedoch haben gerade mal 48 Männer zwölf Elternmonate beantragt. „Die Mehrheit der Männer“, berichtet Sandra Waßen, Fachbereichsleiterin Familie und Jugend des Kreises, „kehrt bereits nach den zwei Partnermonaten wieder an den Arbeitsplatz zurück.“

Elternzeit im Kreis in Zahlen

Konkret sei das im vergangenen Jahr bei 643 Männern der Fall gewesen. Mit insgesamt 3725 Empfängern ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr (3885) leicht gesunken. 2013 lag diese Zahl nach Auskunft des Kreises noch deutlich niedriger, nämlich bei 3332 Empfängern.

Mit 864 Bescheiden wurden 2015 die meisten Elterngeldanträge in Lünen bewilligt, gefolgt von Unna mit 590, Bergkamen mit 428, Schwerte mit 427 und Kamen mit 374. In Werne gab es 287 neue Bewilligungen, in Selm 240, in Bönen 181, in Holzwickede 164 und in Fröndenberg/Ruhr 152.

Das Elterngeld, das bis zu 14 Monate nach der Geburt des Kindes gewährt wird, beträgt grundsätzlich zwischen 65 und 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt. Es werden jedoch mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro gezahlt.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage (Suchbegriff: „Elterngeld“) und bei der Elterngeldstelle des Kreises, Hansastraße 4, in Unna. Die zuständigen Mitarbeiter sind zu erreichen unter Tel. (02303) 27 -2958 bis -32 58, oder per E-Mail an elterngeld@kreis-unna.de.

 

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