Entlassungen: AB Elektronik schickt 225 Mitarbeiter für ein Jahr in Transfergesellschaft

WERNE Der Werner Automobilzulieferer AB Elektronik entlässt im April 225 Mitarbeiter, fast ein Drittel der Belegschaft. Auf einer Betriebsversammlung wurden die Mitarbeiter am Dienstag darüber informiert. Lesen Sie hier ein Protokoll des bewegenden Tages.

von Ruhr Nachrichten

, 17.03.2009, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aus Gewerkschaftskreisen hieß es am Morgen, dass sich die angekündigten 225 Entlassungen auf Vollzeitstellen beziehen würden. Da viele Mitarbeiter Teilzeitstellen haben, könnten also womöglich mehr Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Im Geschäftsbericht des britischen Mutterkonzerns tt electronics war von 225 Mitarbeitern die Rede, die im April entlassen werden sollen. Fast ein Drittel der Belegschaft. Wir halten Sie hier über die Entwicklung auf dem Laufenden.

Umsatzrückgang von 35 Prozent und Überkapazitäten, die nicht länger verkraftbar waren, haben zur Entlassung von 225 Mitarbeitern geführt. Diese Gründe für die Massenentlassung nannte AB-Elektronik-Geschäftsführer Thomas Rinschede auf einer Pressekonferenz. Und weiter: „Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit war es notwendig, die Kapazitäten des Unternehmens anzupassen.“ Die Entscheidung hätten Geschäftsleitung und Betriebsrat kooperativ gefällt, macht Rinschede deutlich. Betriebsrats-Chef Hermann Preußer empfiehlt den gekündigten Mitarbeitern, sich für ein Jahr in der Transfergesellschaft weiterqualifizieren zu lassen. Die meisten ehemaligen Kollegen bekämen dann mehr Geld als während ihrer Zeit als Kurzarbeiter. Die englische Muttergesellschaft unterstützt nach Angaben von Rinschede die Maßnahmen in Werne mit über fünf Millionen Euro und setze sich weiter für den Standort Werne ein.

 IG Metall-Sekretär Karl-Heinz Neumann empfiehlt den Entlassenen, in diese Transfergesellschaft zu gehen. Sie wurde für solche Zwecke bereits im Jahr 2002 in Meschede vom Unternehmenverband des Regierungsbezirks Arnsberg, der IG-Metall und der öffentlichen Hand gegründet. In diesem einem Jahr in der Transfergesellschaft würden die Arbeitnehmer weiter qualifiziert und wenn möglich, an Firmen vermittelt. „Die Chancen dafür stehen gut“, so der Gewerkschaftssekretär. In diesem einen Jahr werde das Arbeitslosengeld von AB Elektronik um 20 Prozent aufgestockt, so dass die ehemaligen Mitarbeiter dann zwischen 80 und 87 Prozent ihres ehelmaligen Gehalts erhielten. Es wurden Altersgruppen gebildet, berichtet Neumann, aus denen dann die Mitarbeiter entlassen wurden. So soll die Altersstruktur der Firma ausgeglichen bleiben. Auf der Betriebsversamlung habe die Geschäftsführung eine Arbeitsplatz- und Bestandsgarantie bis zum Jahr 2013 ausgesprochen, berichtet Neumann weiter.   

Erste Befürchtungen, dass mehr als 225 Mitarbeiter von AB Elektronik ihre Stelle verlieren könnten, scheinen sich glücklicherweise nicht zu bestätigen. Inzwischen geht IG-Metallgewerkschaftsvorsitzender Karl-Heinz Neumann fest davon aus, dass es bei 225 Entlassungen bleibe. Die betroffenen Mitarbeiter werden zunächst für ein Jahr in einer Transfergesellschaft weiterarbeiten.

  "225 Mitarbeiter der AB Elektronik werden für ein Jahr in eine Transfergesellschaft gehen und dort ein Jahr weiterqualifiziert." So die erste Information des Vorsitzenden der IG Metall, Karl-Heinz Neumann, nach Ende der Betriebsversammlung. Die Transfergesellschaft sei eine gemeinsame Gründung von IG Metall, Unternehmerverband und öffentlicher Hand. Vorteile seien: AB Elektronik werde entlastet, die 225 betroffenen Mitarbeiter würden weiter 80 Prozent ihres bisheringen Lohnes erhalten. "Es musste reagiert werden", sagte Gewerkschaftsvorsitzender Neumann ganz deutlich. Mercedes-Benz fertige die E-Klasse und gehe dennoch in Kurzarbeit. So etwas habe es noch nie gegeben. Als Automobilzulieferer habe dies auch Auswirkungen auf AB Elektronik. AB wolle sich daher in der Zukunft neu ausrichten. "Weg vom Auto, hin zur Windkraft". Die Produktion solle in Richtung Sensorik für Windkraftanlagen laufen.  Zurzeit laufen noch Einzelgespräche mit den betroffenen Mitarbeitern. Einzelne verließen das Betriebsgelände mit bedrückten Gesichtern und waren zu persönlichen Stellungnahmen nicht bereit.  

Pressesprecherin Sandra Groß ist die Anspannung anzusehen. „Das ist das erste Mal, dass wir solche Maßnahmen ergreifen müssen. Die meisten Mitarbeiter sind seit mehr als zehn Jahren in der Firma beschäftigt, man kennt sich untereinander.“ Im Anschluss an die Betriebsversammlung werde es Einzelgespräche geben, sie bittet die Presse um größtmögliche Diskretion, wenn die Menschen dann die Firma verließen.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Betriebsversammlung kommen die Mitarbeiter, Köpfe zwischen den Schultern, Hände tief in den Taschen vergraben. „Das ist der Weg zu unserer Beerdigung“, sagt einer. Nur wenige wollen mit der Presse überhaupt sprechen. „Wir sind einfach nur fertig“, sagt eine Frau, die beiden anderen, die sie begleiten, nicken stumm und gehen die 300 Meter Straße. 35 Jahre war Stjepan Salic bei AB Elektronik dabei, er ist Vorruheständler. „Ich komme, weil es mich interessiert, es ist ja fast wie mit einander verheiratet sein.“ Sein Sohn arbeitet hier, seine Frau war einmal dabei.   

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