Erst nach acht Festnahmen beruhigte sich langsam die Lage

Schlägereien in Werne an Rosenmontag

Bis 17 Uhr herrschen Friede, Freude, Sonnenschein rund um den Rosenmontagszug. Dann eskaliert plötzlich die Gewalt. Es kommt zu Schlägereien, die die Sicherheitskräfte nur schwer beilegen können.

Werne

, 13.02.2018, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Direkt nach der Prügelei am Rathaus: Im Vordergrund halten Polizeibeamte einen mutmaßlichen Schläger fest, links hinten am Boden hockt ein vermeintliches Opfer.

Direkt nach der Prügelei am Rathaus: Im Vordergrund halten Polizeibeamte einen mutmaßlichen Schläger fest, links hinten am Boden hockt ein vermeintliches Opfer. © Jörg Heckenkamp

Wir hatten Mühe, das unter Kontrolle zu bringen.“ – Die Aussage eines Polizeibeamten gegenüber den Ruhr Nachrichten spricht Bände. „Das war der Wahnsinn, so hatten wir uns das nicht im Traum vorgestellt“, sagt Andrea Beier, Koordinatorin des 27-köpfigen DRK-Einsatzteams. Sie sei nur froh, dass man das eigentlich unwahrscheinliche Szenario von zahlreichen Karnevals-Verletzten an den beiden Samstagen zuvor gut eingeübt habe. „So waren die Abläufe gut eingespielt“, sagt Beier.

Ordnungsamt, Polizei und Sicherheitsdienst waren zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen mit rund 105 Leuten aktiv.

Ordnungsamt, Polizei und Sicherheitsdienst waren zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen mit rund 105 Leuten aktiv. © Jörg Heckenkamp

Was die Gewalt letztlich ausgelöst hat, lässt sich einen Tag danach nicht befriedigend klären. Sicherlich hat es mit dem starken Alkoholkonsum vieler Jugendlichen zu tun. Möglicherweise waren einige junge Leute bewusst auf Krawall aus. Warum die Situation aber eskalierte, sodass die Polizei sogar einen Zug (etwa 30 Leute) einer Hundertschaft nachorderte, bleibt im Dunkeln.

Nach den Schlägereien an Rosenmontag zieht die Kreispolizeibehörde Unna im Vergleich zum Vorjahr eine ernüchternde Bilanz: Insgesamt acht Menschen sind nach Angaben von Polizeisprecherin Vera Howanietz in Gewahrsam genommen worden – junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren, „die an diesem Abend mehrfach und an mehreren Stellen in der Innenstadt aufgefallen waren. Als wir die aus dem Verkehr gezogen hatten, beruhigte sich die Lage“, sagte Howanietz am Dienstagmorgen auf Anfrage. Die Acht kamen im Laufe des Montagabends und des Dienstagmorgens alle auf freien Fuß.

„Gemeinsam haben wir es in den Griff bekommen“

Bis 22 Uhr zogen sich die Einsätze hin. „Gemeinsam haben wir das schließlich in den Griff bekommen“, resümiert Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens auf RN-Anfrage. Ihrer Einschätzung nach ging die Gewalt von jungen Erwachsenen auf dem Marktplatz aus: „Die konnten nicht miteinander.“

Aus der Schlägerei am Alten Rathaus gegen 18 Uhr entwickelten sich weitere Scharmützel. Mertens beobachtete einen Solidaritätseffekt bei anderen Karnevalisten: „Das steckte die an.“ Sie ist am Tag danach noch entsetzt darüber, wie aggressiv und beleidigend „vor allem junge Frauen“ agiert hätten. Konsequenz des Ordnungsamtes: Es ordnete gegen 18.30 Uhr das Ende des Bühnenprogrammes auf dem Markt und die Schließung der dortigen Bierstände an. Eigentlich wäre das Programm bis 20 Uhr gelaufen.

Nach der Schlägerei gegen 18 Uhr am Rathaus umringen Polizisten einen mutmaßlichen Schläger.

Nach der Schlägerei gegen 18 Uhr am Rathaus umringen Polizisten einen mutmaßlichen Schläger. © Jörg Heckenkamp

Daraufhin verlagerte sich die Gewalt zum Kirchplatz, zum Busbahnhof oder auch Richtung Straße Bült. Insgesamt 40 Kräfte von Ordnungsamt und Sicherheitsdienst BAK sowie rund 65 Polizeibeamte stellten dann bis gegen 22 Uhr wieder Ruhe und Ordnung her.

Nun ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz. Eine der acht festgenommenen Personen soll einen Teleskopschlagstock bei sich gehabt haben.

Quarzsand-Handschuhe für die Schlägerei

Ein anderer hatte wohl Quarzsandhandschuhe dabei. Die haben eine schlagkraftverstärkende Wirkung und werden häufig in der Hooligan- und radikalen Szene verwendet. Wer damit losgeht, gerät nicht zufällig in gewaltsame Auseinandersetzungen. Bei Veranstaltungen, die dem Versammlungsgesetz wie einem Karnevalsumzug unterliegen, sind sie verboten.

Bei den Krawallmachern handelt es sich um sieben Deutsche und einen Rumänen. Fünf von ihnen kommen aus Bergkamen, der Rest aus Werne und Selm.

Kommentar von Jörg Heckenkamp
  • Es ist schon seltsam – wenige Tage vor Rosenmontag führen wir hier eine Diskussion über ein mögliches Alkohol-(Verkaufs)Verbot. Und als wenn sie diesen Gedanken Hohn sprechen wollen, betrinken sich Jugendliche und junge Erwachsene in diesem Jahr besonders heftig.
  • Noch bevor der Zug überhaupt gestartet war, torkelten massiv alkoholisierte junge Narren durch die Innenstadt.
  • Die Schlägereien nach dem friedlich verlaufenden Zug führt die Polizei größtenteils auf den starken Alkoholkonsum zurück. Gut 60 Prozent der vielen Behandelten, schätzt Andrea Beier vom DRK, standen unter wahrnehmbarem Alkohol-Einfluss.
  • Also doch den Sprit verbieten? Ich bleibe dabei: Das würde nicht viel bringen. Besser sind Aufklärung und gutes Vorbild der Eltern-Generation. An Letzterem mangelte es auch dieses Jahr erheblich.
  • Was sich aber in Sachen Alkohol ändern muss, sind die unerträglichen Ansagen des DJ’s auf dem Marktplatz. Etwa jede halbe Stunde schrie er der Menge zu: „Ohne Alkohol ist auch keine Lösung“. Passend streute er ins Musikprogramm reine Sauflieder ein.
  • Die Interessengemeinschaft Werner Karneval als Organisator muss das künftig untersagen.
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