Schon wieder Ärger um die Eurobahn: Wann hört die Seuche auf der RB50 endlich auf?

rnKlare Kante

Der Eurobahn-Ärger endet nicht: Kaum läuft es auf der RB50 zwischen Dortmund und Münster rund, folgt die nächste Hiobsbotschaft. Die neuen Fahrzeuge müssen in die Werkstatt. Unfassbar.

Werne, Lünen, Dortmund, Cappenberg

, 31.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Wecker klingelt. Und heute mal wieder lieber eine Stunde früher. Vorsichtshalber. Man weiß ja nie, was einem als Pendler heute so erwartet. Zu spät zur Arbeit oder zum Termin zu kommen – das will doch keiner. Doch wer täglich auf die Bahn angewiesen ist, ist leidgeprüft.

Starke Nerven müssen die Kunden auf der Strecke zwischen Dortmund und Münster schon lange zeigen. Zugausfälle, Verspätungen, ein Schienenersatzverkehr, der gar nicht kommt, überfüllte Waggons und defekte Toiletten oder Heizungen – die Negativ-Schlagzeilen über die Eurobahn-Linie RB50 wollten im Herbst 2018 einfach nicht abreißen.

Im Dezember 2018 hagelte es eine Abmahnung vom zuständigen Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Bis April 2019 hat Keolis als Betreiber der Eurobahn Zeit, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Eine große Anteilnahme erfuhr Joshua Tolksdorf mit seiner Online-Petition unter dem Namen „Die Eurobahn muss zuverlässiger werden“. Innerhalb kürzester Zeit hatten mehr als 1300 Pendler das Schreiben des 16-jährigen Schülers aus Werne-Stockum unterzeichnet. Er spricht vielen Pendlern aus der Seele.

Ein Fünkchen Hoffnung

Im Januar dann endlich ein Fünkchen Hoffnung am dunklen Himmel. Läuft wieder auf der RB50. Das liegt vor allem daran, dass der Fernverkehr aufgrund von Bauarbeiten und den damit verbundenen Geschwindigkeitsbegrenzungen umgeleitet wird. Nun kann die Eurobahn die eingleisige Strecke allein nutzen. Das gilt – Stand jetzt – bis Juni 2019.

„Dass der Fernverkehr umgeleitet wird, ist für die Eurobahn gut. Von mir aus kann der Fernverkehr noch länger umgeleitet werden. Wir haben jetzt eine Pünktlichkeit von 96 bis 98 Prozent“, verkündete Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin von Eurobahn-Betreiber Keolis.

96 bis 98 Prozent? Pünktlich? Auf der RB50? Das ist ja zum Augenreiben. Das ist ja wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Herzlichen Glückwunsch! Das gibt es doch gar nicht – werden sich viele Pendler gedacht haben. Auch Joshua Tolksdorf ist begeistert. „Im Moment läuft es echt super. Wenn es so bleibt, kann ich mich nicht beklagen“, sagte der 16-Jährige.

Alles tutti. So kann es weitergehen. Endlich Licht am Ende des Tunnels? Von wegen, sagt eine andere Pendlerin. Sie berichtet von eiskalten Momenten in der neuen Bahn (Heizung ist ausgefallen) und am Bahnsteig (der Zug kommt mit Verspätung). An anderen Tagen endete der aus Münster kommende Zug schon in Lünen. Bei Keolis nachgefragt, berichtet Sprecherin Nicole Pizzuti von „gefährlichen Ereignissen“ jüngst auf der Strecke.

„Gefährliche Ereignisse“

Ein Wildunfall und ein Polizeieinsatz sorgten in dieser Woche für Verzögerungen. Eine 30-minütige Verspätung am Mittwoch, 30. Januar, geht aber auf jeden Fall auf die eigene Kappe, wie Pizzuti einräumt. Da hätte erst ein Fahrzeug, was falsch abgestellt wurde, noch bereit gestellt werden müssen.

Insgesamt sei man dennoch gut und mit wenig Verspätung auf der Strecke unterwegs, so die Sprecherin weiter. Alle dargestellten Probleme sind mit der neuen Fahrzeugflotte des Typs Flirt 3, die eigentlich alles besser machen sollte, entstanden. Doch ausgerechnet diese Flotte nahm Keolis nun aus dem Verkehr.

Eine Schraube locker

„Mit sofortiger Wirkung müssen die Fahrzeuge des Typs Flirt 3 für den weiteren Betrieb gesperrt werden“, heißt die Hiobsbotschaft von Keolis am Dienstag, 29. Januar. Na, herzlichen Glückwunsch!

Die nigelnagelneuen Fahrzeuge mit dem schicken Namen sind kaputt. Zwei Fahrzeuge haben eine Schraube locker. Kabel sind angeschmort. Einen Brand will niemand riskieren. Deshalb ruft Keolis alle neuen Fahrzeuge in die Werkstatt.

Erst vor sieben Wochen wurden sie von hier aus auf die Schiene gebracht und erstmals in Betrieb genommen. „So etwas dürfte eigentlich gar nicht sein. Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Die Fahrzeuge werden vor der Inbetriebnahme und alle sechs Wochen turnusgemäß gewartet“, erklärt Pizzuti spürbar angenervt.

Schon wieder Ärger um die Eurobahn: Wann hört die Seuche auf der RB50 endlich auf?

Erst seit Mitte Dezember im Einsatz und schon wieder in der Werkstatt: die Fahrzeuge des Typs Flirt 3. Laut Keolis verfügen die Fahrzeuge über 110 Plätze mehr als das Vorgängermodelll - wenn sie denn fahren. © Peter Fiedler (A)

Nun untersuchen Techniker des Herstellers Stadler alle 13 Fahrzeuge der Flotte. Laut Pizzuti geht es primär um das Kabel-Problem. Es ist nicht das erste Mal, dass der Typ Flirt 3 kurz nach der Inbetriebnahme in die Werkstatt muss.

Fünf Tage seien die Fahrzeuge auf dem Teutoburger Wald-Netz im Einsatz gewesen, da mussten sie aufgrund einer Störung am ECTS-System (nötig für den Übergang ins niederländische Bahnnetz) zur Reparatur. Das ist nun ein Jahr her.

Bevor die Fahrzeugflotte zwischen Dortmund und Münster im Dezember 2018 den Betrieb aufnahm, wurde sie hier getestet. „Es lief alles reibungslos“, sagt Pizzuti. Kurz nach der Inbetriebnahme sieht das nun ganz anders aus.

Der Ärger geht weiter

Keolis muss auf der Linie RB50 umplanen. Schon wieder. „Unsere Performance war gut und jetzt das. Es ist wie ein Fluch“, sagt Sprecherin Nicole Pizzuti. Freud und Leid liegen manchmal so eng beieinander.

Für die Pendler heißt das im Klartext: wieder enger zusammenrücken. Die Eurobahn kann auf der RB50 zurzeit nur mit einem verminderten Platzangebot, sprich mit jeweils nur einem Waggon, fahren. Das sei aktuell die einzige Einschränkung, heißt es seitens Keolis.

Und eine Besserung soll es ab Sonntag, 3. Februar, geben. Dann sollen alle Fahrzeuge des Typs Flirt 3, darunter fünf auf der Strecke zwischen Dortmund und Münster, wieder auf der Schiene sein.

Aufatmen werden dann auch die Pendler auf der Linie RB61, die zwischen Bielefeld und dem niederländischen Hengelo fährt. Hier musste Betreiber Keolis nach dem jüngsten Zugausfall der Flirt3-Fahrzeuge einen Schienenersatzverkehr einrichten.

Das ist für die Linie RB50 zwischen Dortmund und Münster nicht geplant. Nicole Pizzuti drückt sich in diesen Zeiten bewusst sehr vorsichtig aus: „Das ist eine so sensible Technik. Es können immer mal wieder Fahrzeuge ausfallen. Zugausfälle kann man also nie ausschließen.“ Nicole Pizzuti hofft, dass sich die Situation auf der RB50 in der kommenden Woche wieder beruhigt.

Aller Ärger landet bei Keolis

Keolis als Betreiber der Eurobahn sind dabei teilweise auch die Hände gebunden. Für das Dilemma mit den neuen Fahrzeuge, die nach kurzer Zeit schon wieder in die Werkstatt müssen, ist der Hersteller Stadler, nicht der Bahnbetreiber Keolis verantwortlich.

Die Strafgelder, die Keolis an den Zweckverband NWL zahlen muss, holt sich das Unternehmen vom Hersteller wieder. „Wir werden Stadler in Regress nehmen. Aber erst müssen wir selbst dafür aufkommen“, sagt Pizzuti.

Die Beschwerden, und das waren sehr viele in der jüngsten Vergangenheit, landen unterdessen weiter bei Keolis und auf dem Schreibtisch von Nicole Pizzuti. Die Keolis-Unternehmenssprecherin muss so starke Nerven zeigen wie die Pendler.

Ihren Job will ich auch nicht haben. Als ich unser Telefonat zu den aktuellen Zugausfällen beende, wäre mir doch fast rausgerutscht: „Bis bald. Auf Wiederhören!“

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