Ex-Bürgermeister hörte damals im Radio vom Fall der Mauer

Wiedervereinigung

WERNE "Der spinnt doch, wie kann man so einen Quatsch von sich geben." Viel zu phantastisch, um wahr zu sein, klang das, was Willi Lülf da hörte. Im Autoradio, auf einer Dienstreise für die Bergbau-Tochter Montana, deren Geschäftsführer Lülf war. "Die Mauer sollte gefallen sein, unvorstellbar!"

von Von Rudolf Zicke

, 06.11.2009, 07:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei der Rede von Bürgermeister Willi Lülf war auch dessen Amtskollege Jean Delobel aus Wernes französischer Partnerstadt Bailleul ein aufmerksamer Zuhörer.

Bei der Rede von Bürgermeister Willi Lülf war auch dessen Amtskollege Jean Delobel aus Wernes französischer Partnerstadt Bailleul ein aufmerksamer Zuhörer.

Dass in der DDR etwas "im Busch" war, hatte Lülf bei einer Stippvisite in Wernes polnischer Partnerstadt Walcz schon gespürt. Dort war erstmals eine Schülergruppe aus der Lippestadt zu Gast.

Dass in der DDR etwas "im Busch" war, hatte Lülf bei einer Stippvisite in Wernes polnischer Partnerstadt Walcz schon gespürt. Dort war erstmals eine Schülergruppe aus der Lippestadt zu Gast.

"Es war eine gewisse Spannung da, es hieß sogar, die DDR macht mobil. Deshalb wurde überlegt, wie die Gruppe am sichersten nach Hause kommt. Die Fahrt mit dem Bus durch die DDR erschien zu gefährlich."

Auch wenn Willi Lülf seine Freude über die Grenzöffnung nach dem 9. November kaum beschreiben kann - eine gute Portion Verunsicherung schwang in jenen Tagen mit: "Ich hatte richtig Angst, dass noch etwas passieren könnte, plötzlich Panzer rollen. Und wie sich die Russen verhalten würden, wusste man ja auch nicht."Kyritz wurde Partnerstadt

Willi Lülf wusste noch mehr nicht: Für ihn war die Mauer gefallen, die Grenze war offen, es gab kein Reiseverbot mehr. "Dass der Mauerfall gleichzeitig das Ende der DDR bedeuten würde, das habe ich zu dem Zeitpunkt nicht geahnt."

In seiner anpackenden Art unternahm Willi Lülf in der Folgezeit gemeinsam mit vielen Weggefährten alles, um Kontakte zur Noch-DDR zu knüpfen, die Menschen einander näher zu bringen.

"Irgend jemand brachte die Idee einer Städtepartnerschaft auf, und am Neujahrsmorgen 1990 wussten wir schon, welche Stadt es sein sollte", erinnert sich der Altbürgermeister. Die Wahl fiel auf Kyritz, weil Lülfs Parteifreund Werner Tembaak gerade Gäste aus der brandenburgischen Stadt mit den knatternden Mühlen zu Besuch hatte. Feier zur Wiedervereinigung auf dem Marktplatz

Zu den schönsten Erinnerungen an jene Zeit gehört für Willi Lülf die "Nacht der Wiedervereinigung", die in Werne vom 2. auf den 3. Oktober 1990 auf dem Marktplatz gefeiert wurde. "Die Stadt war mit Menschen gefüllt, sogar Bailleuls Bürgermeister Jean Delobel war gekommen und hatte sich dafür extra seine Schärpe umgelegt." Und - natürlich - waren auch Gäste aus Kyritz dabei.

Mit Reden, Glockengeläut und Nationalhymne, vor allem aber mit Musik, Kabarett und unbeschreiblicher Fröhlichkeit feierten die Menschen, Hunderte Kerzen schwenkend, die Wiedervereinigung. "Ein Traum ist in diesem Land, in dieser Stadt in Erfüllung gegangen", sagt Bürgermeister Willi Lülf damals. Und dies gilt für ihn heute noch.

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