Fahrspaß mit 41 Jahre altem Opel

Oldtimer

WERNE Drei Tage lang stand ein altes Schätzchen im Regen. "Und doch springt er sofort an". Christof Schmerstraeter (32) löst die Stockbremse seines Opel Rekords 1700 L, Baujahr 1968, und fährt los. Ein völlig anderes Fahrgefühl ist die Fahrt mit einem Oldtimer.

von Von Helga Felgenträger

, 29.05.2009, 12:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was momentan in Bochum bei Opel passiert, beschäftigt ihn. Der Staat muss sich zurückhalten und darf sein Geld nicht verschleudern, lautet seine Einstellung. Schon die Abwrackprämie war ein Flopp. "Hier werden hochwertige Wagen einfach verschrottet", sieht der Verkäufer des Herrenhauses Kroes darin nur eine kurzfristige Lösung. Schmerstraeter fährt die Landstraße entlang. Die Sonne scheint auf die weinroten Ledersitze. Durch die kleinen Aufstellfenster zieht leichter Wind in den Fond. Der Fahrer federt in seinem Sitz - mit Federkern gepolstert - leicht auf und ab, kein lästiger Gurt oder Kopfstütze stören.

"Ich hatte einmal ein Auto mit Sicherheitsgurt", erinnert er sich an seinen Mercedes, Baujahr 1978, den er nach kurzer Zeit wieder verkaufte. Ihm ist noch nie etwas passiert und das Fahrgefühl ohne Gurt ist einfach genial.

136 000 Kilometer

Seit sechs Jahren fährt der Stockumer seine zweitürige Limousine, die er damals in einem Opel-Haus gekauft hatte. Hier stand der Wagen 20 Jahre lang im Schaufenster, abgegeben vom Erstbesitzer und bis zum Kilometerstand 64 000 Scheckheft geprüft. Inzwischen ist er bei 136 000 Kilometer angekommen.

"Die Industrie muss mehr zusammen arbeiten", denkt er wieder über die Opel-Krise nach, bei der in dieser Woche die Entscheidung über die Treuhandgesellschaft und die Finanzhilfe fallen soll. Vor allem in der Forschung und Entwicklung müssen sich die Unternehmen zusammen tun, ist seine Auffassung und führt das Beispiel VW Touareg und Porsche Cayenne an. Beide Karosserien entstehen bei VW im slowakischen Bratislava. Lackiert und vormontiert reist der Cayenne dann per Bahn nach Leipzig, um im Porsche-Werk Motor, Antrieb und Achsen zu erhalten. Die Spitze des Eisberges sei in der Wirtschaftskrise noch nicht erreicht, sieht er dem kommenden Jahr kritisch entgegen.

Einmal kräftig Gas geben Auf der Landstraße wird es eng. Ein Trecker kommt entgegen. Schmerstraeter weicht aus und fährt auf die Wiese. Wenn das mal kein Fehler war? Doch der Oldtimer-Liebhaber kennt seinen Wagen. "Die alten Modelle sind nicht so flach wie die heutigen Fahrzeuge", sagt er und wusste offensichtlich seinen Wagen richtig einzuschätzen. Einmal kräftig Gas geben und der Oldtimer steht wieder auf der Straße.

Zu Hause angekommen, wartet schon ein eisgekühlter Weißwein im Kühlschrank. Auch in seiner im Stil der fünfziger Jahre ausgestattete Wohnung ist er von Raritäten umgeben. "Der alte Opel-Kühlschrank läuft immer noch", erzählt er ganz stolz. Ebenfalls ein Oldtimer. Baujahr 1958.

Treffen : Lange Nacht des Oldtimertreffens: 20. Juni beim Letzten Wolf an der B 54, ab 18 Uhr.

 

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