Feuerwehr in Werne: Zahl der Einsätze steigt weiter an

Einsatzbilanz

Die Zahl der Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr in Werne ist 2020 erneut gestiegen. Das liegt unter anderem an einem veränderten Verhalten der Bürger, für das es seitens der Politik Kritik gab.

Werne

, 17.03.2021, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr in Werne am 9. November an der Capeller Straße: Die Zahl der Einsätze ist auch 2020 gestiegen.

Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr in Werne am 9. November an der Capeller Straße: Die Zahl der Einsätze ist auch 2020 gestiegen. © Feuerwehr Werne

Die Zahl der Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr in Werne steigt weiter an. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 444 - und damit fast 100 mehr als noch im Jahr 2017. Eine ganz schöne Hausnummer für eine Freiwillige Feuerwehr, wie Wehrführer Thomas Temmann bei der Vorstellung des Jahresberichts im Ausschuss für Soziales, öffentliche Ordnung, Integration und Inklusion betonte. So hoch, dass man allmählich „über hauptamtliche Kräfte nachdenken muss“. Zumindest wenn der Trend anhält.

Denn trotz aktuell 150 aktiver Mitglieder ist das Pensum nicht einfach zu stemmen. Schließlich handelt es sich um ehrenamtliche Kräfte. Die mussten in 2020 vor allem technische Hilfe leisten. 158 Mal wurden die Kameraden zu Einsätzen alarmiert, bei denen technische Hilfe ohne Menschenrettung gefordert war (zum Beispiel bei Sturmschäden), 72 Mal zu solchen mit Menschenrettung - etwa bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen. 99 Mal rückten die Kameraden zu Brandschutz-Einsätzen aus. In 12 Fällen mussten dabei Menschen gerettet werden. 50 Mal kam es 2020 zu einem Fehlalarm.

Ein Wohnmobilbrand auf dem Solebadparkplatz sorgte im Oktober 2020 für Aufsehen. Eine Person wurde dabei schwer verletzt.

Ein Wohnmobilbrand auf dem Solebadparkplatz sorgte im Oktober 2020 für Aufsehen. Eine Person wurde dabei schwer verletzt. © Feuerwehr Werne

Kuriose Einsätze und verändertes Meldeverhalten

Mitverantwortlich für die gestiegene Zahl der Gesamteinsätze scheint auch das Meldeverhalten der Bürger zu sein. Denn obwohl man die Retter bekanntlich lieber einmal zu häufig als zu wenig alarmieren sollte, greift manch einer wohl durchaus zu früh zum Telefon. Beispiel gefällig? Ein kurioser Einsatz an der Horster Straße. Das Meldestichwort lautete „Wasser läuft auf die Straße, vermutlich Standrohr abgerissen“. Die Feuerwehr rückte aus - und stellte vor Ort fest, dass der Grund für die „ausströmenden Wassermassen“ ein geplatzter Gartenschlauch war. Das Problem habe der Einsatzleiter dann gelöst, indem er den Wasserhahn zugedreht habe, so Temmann.

Ein ähnliches Szenario ereignete sich im August, als die Kameraden zu einer brennenden Grabstelle auf dem Friedhof am Südring gerufen wurden. Letztlich ließ sich der Brand mit einer Gießkanne löschen. „Wenn ich höre, dass man für so etwas die Feuerwehr ruft, stellen sich mir die Nackenhaare auf“, kommentierte der Ausschussvorsitzende Peter Roemer das.

Tierrettung erforderlich: Diese Eule befreite die Feuerwehr aus einer misslichen Lage. Das Tier hatte sich in einer Leitung verfangen.

Tierrettung erforderlich: Diese Eule befreite die Feuerwehr aus einer misslichen Lage. Das Tier hatte sich in einer Leitung verfangen. © Feuerwehr Werne

Alarmierend wirkte im Jahresbericht der Werner Feuerwehr zunächst auch der Blick auf den „Erreichungsgrad“. Der Wert bezieht sich auf die Schutzzielbestimmung im Zuge des Brandschutzbedarfsplans und umfasst mehrere Aspekte. Es geht letztlich darum, in welcher Zeit (Hilfsfrist) die Feuerwehr mit wie vielen Einsatzkräften und Gerät (Funktionsstärke) in wie viel Prozent der Fälle (Zielerreichungsgrad) am Einsatzort eintreffen soll.

Im Jahr 2020 lag der Erreichungsgrad in Werne bei lediglich 56 Prozent. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 85 Prozent. Das entspricht den Vorgaben, die Rat und Verwaltung festgelegt haben. Der Rückgang in 2020 hängt laut Temmann aber vor allem damit zusammen, dass im Zuge der Corona-Pandemie besondere Regeln auch für die Feuerwehr gelten. So können etwa Fahrzeuge nicht mehr voll besetzt werden, da die Einsatzkräfte einen größeren Abstand zueinander halten müssen. Demzufolge müsse man mit mehreren Fahrzeugen ausrücken und es dauere länger, bis die Kameraden in der gewünschten Mannstärke am Einsatzort eintreffen, so Temmann.

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