Feuerwerk "Lippe in Flammen" füllte die Straßen

Evenkamp-Serie

Zwei Tage Sportfest beim VfL Werne und dann das Abschlussfeuerwerk "Lippe in Flammen" am Fischerhof. Von nah und fern reisten die Menschen dorthin an. „Die geschmückten Kanu-Boote fuhren auf der Lippe entlang“, erinnert sich Konni Müller (57). Eine Folge unserer Serie über den Evenkamp in Werne.

EVENKAMP

, 02.09.2016, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieses Bild stammt von 1950. Die Sportler werden beim Umzug durch die Zechenkolonie (im Bild Georgsmarienstraße) von den Spielmannszügen begleitet.

Dieses Bild stammt von 1950. Die Sportler werden beim Umzug durch die Zechenkolonie (im Bild Georgsmarienstraße) von den Spielmannszügen begleitet.

Auf den Booten waren Lampions gespannt, an den Uferzonen brannten Fackeln. Menschenmassen säumten das Ufer und die Fischerhofbrücke. Die Kanuten fuhren bis zur Schlagt und wieder zurück. „Es war ein Riesenfest“, erzählt die Evenkämperin Konni Müller. Sie hat das einst traditionelle Sportfest des VfL in Kindertagen noch miterlebt.

Das Feuerwerk war der Abschluss einer zweitägigen Veranstaltung mit Fußball- und Feldhandball-Turnieren, Darbietungen der Turnerriegen und Kinderbelustigungen. Zum krönenden Abschluss zogen die Sportler durch die Straße. „Wir Mädchen trugen eine grüne Schärpe über dem Kleid“, erinnert sie an die Vereinsfarben Grün-Weiß. Spielmannszüge begleiteten den Umzug durch die Kolonie.

Von Kind an in der Kolonie

Ihr Vater Herbert fuhr mit Pferd und Kutsche mit. Er dürfte noch vielen Evenkämpern bekannt sein, vermutet seine Tochter. „Nicht nur wegen seines geselligen Gemüts“, sagt sie schmunzelnd. „Mein Vater brachte den Bergleuten die Deputat-Kohle vorbei.“

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Evenkamp-Serie: Erinnerungen an "Lippe in Flammen"

Höhepunkt des zweitägigen Sportfestes des VfL Werne war das Abschlussfeuerwerk. Von nah und fern reisten die Menschen an, um "Lippe in Flammen" am Fischerhof zu sehen. Zuvor zogen die Sportabteilungen und Spielmannszüge durch die Straßen.
02.09.2016
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Nach dem Straßenumzug wurde an der Lippe ein Feuerwerk gezündet.© Foto: Familienalbum Müller
Konni Müller blättert im Familienalbum.© Foto: Helga Felgenträger
Nachts arbeitete ihr Vater Herbert Müller (l.) in der Zeche und tagsüber brachte er den Bergleuten ihr Kohle-Deputat.© Foto: Familienalbum Müller
Ihr Bruder Peter Müller vor den "Bergen", wie die Kohlehalde im heutigen Beckingsbusch genannt wurden.© Foto: Familienalbum Konny Müller
Die Damen-Riege des VfL Werne bei einer Vorführung.© Foto: Familienalbum Pieper
Die VfL-Fußballer ziehen durch die Lippestraße.© Foto: Familienalbum Pieper
Wilhelm Pieper, der Großvater von Claudia Pieper, beim Organisieren eines VfL-Festes. Die Straßen werden für den Straßenumzug "Lippe in Flammen" gekränzt.© Foto: Familienalbum Pieper
Beim Straßenumzug durch die Kolonie: Theo Kirner, späterer Ehrenvorsitzender des VfL Werne und Stadtverbandes.© Foto: Familienalbum Müller
Mit Schärpe und Fähnchen in den Vereinsfarben Grün-Weiß marschierten die Kinder durch die Zechenkolonie (im Bild Knappenstraße). Von links: Fritz Schäper, Sonja Henning, ihr Onkel Fritz Müller, Peter Dennstedt (mit Ball) und Konni Müller.© Foto: Familienalbum Müller
Die Spielmannszüge begleitete die Sportler bei ihrem Straßenumzug.© Foto: Familienalbum Müller
In den Vereinsfarben Grün-Weiß nehmen die Kinder (v. r. Konni Müller, Peter Dennstedt mit Ball und Sonja Henning) am Straßenumzug durch die Lippestraße teil. Links im Bild Fritz Schäper. Im Hintergrund die Barbaraschule. Der Beckingsbusch ist noch unbebaut.© Foto: Familienalbum Müller
Die Alt-Herren des VfL marschieren durch die Lippestraße. Im Hintergrund die Barbaraschule.© Foto: Familienalbum Müller
Viele Evenkämper fuhren mit der Kutsche mit. Im Bild ihr Vater Herbert Müller (vorne) und Walter Strate.© Foto: Familienalbum Müller
Vorne in der Mitte marschiert der einstige VfL-Vorsitzende Theo Kirner: Er war von 1959 bis 1971 Vorsitzender.© Foto: Familienalbum Müller
Dieses Bild stammt von 1950. Die Sportler werden beim Umzug durch die Zechenkolonie (im Bild Georgsmarienstraße) von den Spielmannszügen begleitet.© Foto: Familienalbum Müller
Dieses Bild stammt von 1950. Die Sportler werden beim Umzug durch die Zechenkolonie (im Bild Georgsmarienstraße) von den Spielmannszügen begleitet.© Foto: Familienalbum Müller
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Nachts arbeitete er im Bergwerk und tagsüber fuhr er mit dem Kohlewagen umher. Konni Müller lebt von Kind an in der Zechenkolonie: Zuerst an der Lippestraße, später im Elternhaus an der Barbarastraße (Beckingsbusch) und heute wohnt sie in einem Zechenhaus mit Lippe-Blick, das sie gemeinsam mit ihrem Mann umgebaut hat.

Verein spielte bei Arbeitern wichtige Rolle

Ihr Nachbar Karl-Heinz Haße (85) war Mitorganisator des großen Sportfestes. „Ein paar Tage vorher gingen wir durch die Straße und baten die Leute, ihre Häuser zu schmücken“, erzählt er. Birkenbäume stellten die Nachbarn am Gartenzaun auf.

„Fast alle Anlieger waren auf den Beinen“, schwärmt der ehemalige Fußballer und Bergmann von der einstigen Tradition. Der Arbeiterverein spielte im Evenkamp eine wichtige Rolle. „Jeder Zweite war im Verein“, sagt er und war damals Trainer der Mädchen-Riege.

Revival um 50-Jährigen 1977

Die jungen Sportlerinnen warb er noch selbst an, indem er von Haus zu Haus ging und die Werbetrommel rührte. „Die meisten gingen damals zum TV Werne“, erinnert er sich. Aber die mussten nun zum Turnen nicht mehr so weit bis in die Stadt gehen.

Die Sportveranstaltung mit Feuerwerk wurde Mitte der 60er-Jahre eingestellt. Nur zum 50-Jährigen flammte das Ereignis im Jahre 1977 offensichtlich nochmal auf, wie es in der alten Jubiläums-Broschüre des VfL Werne 27 nachzulesen ist.

Zur Person
Geboren ist Konni Müller am 14. August 1959.
Aufgewachsen ist sie an der Lippestraße 57, ab 1964 wohnte sie in der Barbarastraße (Beckingsbusch) und heute in einem umgebauten Zechenhaus.
Zur Schule ging die Diplom-Pädagogin in die Barbaraschule, Realschule und Anne-Frank-Gymnasium.

 

 

 

Erinnerungen gesucht

Es gibt kaum einen Stadtteil in Werne, in dem die Menschen mit so viel Herzblut über alte Zeiten sprechen. Die Evenkämper waren stolz auf ihren Bezirk. Wir möchten die alten Zeiten wieder aufleben lassen und freuen uns, wenn Sie uns Ihre Geschichte erzählen und uns alte Fotos zur Verfügung stellen: Wer erinnert sich noch an „Lippe in Flammen“?

Schreiben Sie eine E-Mail an Helga.Felgentraeger@mdhl.de oder rufen Sie uns an unter Tel. (02389) 98 29 10.

Die Evenkamp-Serie
Die Kolonie im Evenkamp: Als der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (Osnabrück) 1911 die Zechensiedlung baute, nahm die Bevölkerung in der alten Bauerschaft explosionsartig zu. Aufgrund der Einwanderungswelle der Bergarbeiter entwickelte sich eine Infrastruktur – um die die jetzigen Evenkämper die früheren Bewohner heute noch beneiden.

Mit dem jüngsten Abriss der 100 Jahre alten Weihbachschule an der Stockumer Straße ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die Geschichte der einstigen Kolonie zurück und stellen in loser Reihenfolge Zeitzeugen der Bergarbeitersiedlung vor.

 

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