Firmen aus Werne reagieren mit Kurzarbeit und Kündigungen auf Corona-Krise

rnWirtschaft in Corona-Krise

Kaum Aufträge und sinkende Umsätze: Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft in Werne hart. Die Firmen reagieren unterschiedlich auf die prekäre Lage. Auch Kündigungen und Kurzarbeit gehören dazu.

Werne

, 25.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Corona-Krise spiegelt sich auch in der Wirtschaft in Werne wieder. Einige Betriebe verzeichnen weniger Aufträge und sinkende Umsatzzahlen. Ganz unterschiedlich reagieren die Verantwortlichen in den Firmen mit der speziellen Situation. Einige haben Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter angemeldet, um sie vor Kündigungen zu schützen, wie eine stichprobenartige Umfrage unter den Unternehmen in Werne zeigt.

Alle Mitarbeiter der Firma Hörmann befinden sich aktuell und bis auf Weiteres in Kurzarbeit, wie Dr. Matthias Grauer, Werksleiter der Hörmann KG Werne, erklärt. Inwiefern die Corona-Krise Einfluss auf die Auftragslage beim Türen- und Tore-Hersteller ist, wollte Grauer nicht kommentieren. Nur so viel: „Normalerweise arbeiten wir an fünf Produktionstagen in zwei Schichten. Aktuell läuft unsere Produktion an vier Tagen mit nur einer Schicht.“

Weniger Mitarbeiter in den Produktionsschichten bei Hörmann

Außerdem gibt es strenge Hygienevorschriften. So können die Mitarbeiter das Gebäude nur über einen Eingang betreten und über einen Ausgang verlassen. Am Eingang befindet sich eine Desinfektionsstation, damit vor Arbeitsantritt die Hände desinfiziert werden können.

„Die Anzahl der Mitarbeiter in den Produktionsschichten ist verringert worden. Unsere internen Meetings führen wir nur mit dem vorgegebenen Mindestabstand durch. Aus gegebenem Anlass begrüßen wir momentan keine externen Besucher bei uns“, erklärt Grauer weiter.

Keine Meetings und gemeinsame Pausen bei Klingele

Termine mit Geschäftspartnern und Kunden finden aktuell auch nicht bei der Firma Klingele statt, erklärt Personalleiterin Claudia Vieter. Darüber hinaus verzichten die Mitarbeiter auf persönliche Schichtübergaben, Meetings und gemeinsame Pausen. Termine finden per Telefon- oder Videokonferenz statt. Besuche von Kollegen in anderen Abteilungen werden vermieden. Unterlagen tauschen die Mitarbeiter digital aus.

Unvermeidbare Termine mit maximal drei Personen finden mit einem Sicherheitsabstand statt. Die Mitarbeiter sind angehalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und zu desinfizieren, Handschuhe zu tragen. Entgegen der sonstigen Vorgaben ziehen sich die Arbeitnehmer nicht vor Ort um und nutzen nicht die Waschmöglichkeiten und Duschen.

Einige Mitarbeiter der Administration seien zudem im Homeoffice tätig, erklärt Vieter. Angestellte, die zur Risikogruppe gehören, werden gegebenenfalls freigestellt.

Auftragslage unverändert gut

„Die Mitarbeiter werden zeitnah und umfassend über notwendige Maßnahmen und Auswirkungen von der Geschäfts- bzw. Werkleitung über Aushänge oder in persönlichen Gesprächen informiert. Die ruhige und besonnene Vorgehensweise der Verantwortlichen überträgt sich auf die Mitarbeiter“, sagt Claudia Vieter.

Aktuell sei die Auftragslage aufgrund der Kundenstruktur (Lebensmittelbranche, Hygieneartikel, Onlineversandhandel) unverändert gut. Bisher habe man bei Klingele keine personellen Auswirkungen aufgrund der Corona-Krise zu verzeichnen oder Kurzarbeit angemeldet, so die Personalleiterin weiter.

Nach Kündigungen nun Kurzarbeit bei AB Elektronik?

Die Firma Böcker Maschinenwerke wollte sich zur aktuellen Situation nicht äußern. Auch die Verantwortlichen von AB Elektronik möchten keine Auskunft geben, teilt Sandra Groß, Head of Marketing Communications, mit. Erst vor einem halben Jahr hatte die Geschäftsleitung des Automobilzulieferers angekündigt, jede dritte Stelle am Standort in Werne zu streichen.

Hintergrund sei die Entwicklung in der Autoindustrie und dem damit verbundenen prognostizierten Zuwachs an Aufträgen. Die Auftragslage würde nicht ausreichen, um mit der aktuellen Kostenstruktur künftig wieder profitabel agieren zu können, hieß es im Oktober in der Mitteilung von AB Elektronik.

Hohe Umsatzeinbußen bei B&G Getränke

Auch die Veranstaltungsbranche und damit viele Zulieferer trifft die Corona-Krise. Der Werner Getränkefachhändler B&G Getränke hat derzeit hohe Umsatzeinbußen zu beklagen. Schließlich macht die Belieferung von gastronomischen Betrieben die Haupteinnahmequelle für das Unternehmen aus, wie Geschäftsführer Frank Bispinghoff erklärt.

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Zudem werden derzeit alle Veranstaltungen - ob privat oder geschäftlich - abgesagt. Auch hier werden keine Getränke abgenommen. In gut einem Monat macht dies etwa einen Umsatzverlust von mindestens 500.000 Euro aus, wie Bispinghoff überschlägt. „Das ist ein Umsatz, der über das gesamte Jahr fehlen wird, weil wir ihn nicht wieder nachholen können“, so der 43-Jährige.

Kurzarbeit für einen Teil der Belegschaft

Um dies zu kompensieren und keine Kündigungen aussprechen zu müssen, blieb den Verantwortlichen laut Bispinghoff „kein anderes Mittel“, als Kurzarbeit anzumelden. Sie gilt seit dem 16. März und zunächst bis auf Weiteres. Das betrifft die Hälfte der insgesamt 40 Vollzeitbeschäftigen.

Die Mitarbeiter sind wochenweise im Wechsel in Kurzarbeit. „Wir versuchen, das Ganze so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Die Mitarbeiter haben sich damit einverstanden erklärt“, sagt Bispinghoff und weiter: „Wir gehen gemeinsam mit den Mitarbeitern durch diese Krise und wir werden es schaffen.“

Kurzarbeit im Solebad, Kündigungen in der Nachtschicht

Auch im Solebad mussten die Verantwortlichen einen Teil der 30-köpfigen Belegschaft in Kurzarbeit schicken, wie Badleiter Jürgen Thöne berichtet. Die Einschränkung gilt seit April. Wann das Bad wieder eröffnet werden kann, ist ungewiss und damit auch die Dauer der Kurzarbeit für die Mitarbeiter.

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In der einzigen Diskothek in Werne, der „Nachtschicht“, musste Betreiber Markus Buchwald allen zwölf Minijobbern sogar kündigen. „Da führt leider kein Weg dran vorbei. Dort, wo kein Umsatz ist, kann auch nichts bezahlt werden“, so Buchwald. Der einzige festangestellte Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt. Ob er künftig weiter in der Disko arbeiten kann, ist ungewiss. Denn die Zukunft der Nachtschicht ist alles andere als gesichert.

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„Rumpfmannschaft“ beim Taxi-Unternehmen

Auch die Anbieter von Funk-Mietwagen mussten reagieren. Bei Wiewel etwa arbeitet nur eine „Rumpfmannschaft“, wie Stephan Wiewel erklärt. Alle 18 festangestellten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, Schichten wurden zusammen gelegt. „Manchmal sind sie nur für zwei Stunden im Einsatz. Die Mitarbeiter zeigen sich sehr hilfsbereit. Da kann man nur ein Lob aussprechen“, so Wiewel.

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Das gilt auch für die 38 Minijobber, die sich laut Wiewel „solidarisch zeigen und freiwillig zurückstecken“. „Wenn unser Team nicht so mitziehen würde, dann hätten wir ganz andere Probleme“, erklärt Stephan Wiewel.

Beim Taxi-Unternehmen Feldmann arbeiten die 14 Aushilfsfahrer auf Minijob-Basis im Wechsel, wie Inhaberin Ursula Feldmann erzählt. Sie teilen sich auf die sechs Fahrzeuge auf.

Keine Zahlen zu aktueller Kurzarbeit in Werne

Wie viele Unternehmen in Werne Kurzarbeit angemeldet haben, ist unklar. Die zuständige Arbeitsagentur Hagen zeichnet die Meldungen nicht lokal auf. Die zuletzt bekannte Zahl der geprüften Anzeigen auf Kurzarbeit aus dem Bezirk Hamm (Stadt Hamm und Kreis Unna) von Ende März war 2100, teilt Pressesprecher Ulrich Brauer mit.

Die Dauer der möglichen Kurzarbeit (und den Umfang und die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer) zeigt jedes Unternehmen außerdem individuell nach eigener Einschätzung der voraussichtlichen Auftragslage an. Die Höchstdauer ist aktuell ein Jahr, so Brauer weiter.

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