Flüchtlings-Notunterkunft in Stockum ab November

Kardinal-von-Galen-Turnhalle und Parkplatz

Eine Notunterkunft des Landes NRW für 200 Flüchtlinge soll im November in Stockum ihren Betrieb aufnehmen. Die Kardinal-von-Galen-Turnhalle am Werthweg und Dreiviertel des Parkplatzes daneben will die Stadt Werne dafür nutzen. Diese Maßnahme sei „dringend erforderlich“, sagte Landrat Michael Makiolla.

STOCKUM

, 08.10.2015, 19:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er sprach am späten Donnerstagnachmittag bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Werner Stadthaus. In Werne leben zurzeit 364 Flüchtlinge verteilt über das ganze Stadtgebiet.  Drei weitere kommen am Freitag, elf am Montag. Die 200 Flüchtlinge, die die neue Landes-Notunterkunft in Stockum beziehen sollen, würden auf die Werner Aufnahmequote angerechnet, so Landrat Michael Makiolla. Das heißt: „Die Stadt muss erst einmal keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen“ – bei einem Zustrom von 20 Menschen pro Woche immerhin zehn Wochen lang nicht.

Makiolla: "Das erste Mal nach ihrer Flucht zur Ruhe kommen"

„Die Menschen, die nach Stockum kommen, sind kurz zuvor erst in Deutschland eingetroffen“, so Makiolla. In den Zelten am Wethweg würden die meisten „das erste Mal nach ihrer Flucht zur Ruhe kommen“. Während ihres „vermutlich zwei- bis dreiwöchigen“ Aufenthalts in Stockum werde ihre Registrierung erfolgen (entweder in Unna-Massen oder vor Ort durch mobile Registrierungsteams), die gesundheitlich Erstuntersuchung und eine Röntgenuntersuchung. „Während dieser Zeit soll auch der Asylantrag gestellt werden“, so Makiolla.

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Er hofft, dass das ebenfalls in Unna-Massen geschehen werden kann. Noch ist das nicht dort möglich, sondern in der Dortmunder Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Ein Ärgernis für den Landrat: „Wir haben in Massen die größte Erstaufnahmeeinrichtung des Landes im größten Bundesland – aber keine BAMF-Außenstelle. Das kann doch nicht sein“, ärgert er sich.

Kein Schul- und Kitabesuch, keine Deutschkurse

Inzwischen habe er aber eine mündliche Zusage, dass auch in Massen vermutlich Mitte November eine Außenstelle eingerichtet wird. „Kurze Wege werden entscheidend dazu beitragen, dass die Asylanträge auch schneller bearbeitet werden können“ – und Menschen ohne Asylgrund auch schneller abgeschoben werden können, wie er ergänzte.

Egal, wie lange die Flüchtlinge genau bleiben: ob nur wenige Tage, oder ein paar Wochen: „Die Kinder werden in Stockum nicht zur Schule oder in die Kita gehen, sie werden auch hier noch keine Deutschkurse besuchen“, so Makiolla. Dennoch würden sie künftig das Straßenbild in Stockum prägen.

Bürgerversammlung in der Woche ab dem 19. Oktober

Und sie werden Hilfe bedürfen: „Wie auch in den anderen Notunterkünften, die wir betreiben, werden wir eine Kleiderkamer benötigen“, so Marco Wilke vom DRK. „Ich bin dankbar, dass wir da bislang immer sehr große Hilfsbereitschaft feststellen dürften. "Darüber wollen wir auch mit den Stockumern sprechen" – während einer Bürgerversammlung in der Woche ab dem 19. Oktober, also nach den Herbstferien. Ein genauer Termin werde noch bekanntgegeben.

Zusammen mit Marco Wilke vom DRK hatte Makiolla erst am Dienstag eine solche Bürgerversammlung geleitet – in Bönen. Dort ist die Notunterkunft für 200 Menschen in einer ehemaligen Schule bereits in Betrieb gegangen. „Ich hatte vom der Regierungspräsidentin am 2. Oktober die Anweisung bekommen, sofort Platz für 400 Flüchtlinge zu schaffen.“ In Absprache mit den Städten sei der Kreis an zwei Stellen fündig geworden: in Bönen und jetzt in Stockum. „Und bin mir sicher, dass ich nicht zum letzten Mal dazu aufgefordert wurde“, so Makiolla.

Für die Sportler soll Ersatz geschaffen werden

Angesichts des anhaltenden Flüchtlingszustroms sei mit weiteren Notunterkünften im Kreis Unna zu rechnen. Immerhin sei der Kreis als letzter im Regierungsbezirk Arnsberg aufgerufen worden, Platz für Flüchtlinge zu schaffen: „Eine Bitte, die aber natürlich einem Befehl gleicht“, so Makiolla.  Ein Nein-Sagen käme aber auch gar nicht in Frage: „Wir müssen alle helfen, um diese Herausforderung zu meistern.“

Der SV Stockum – insbesondere die rund 50 Tischtennissportler – und die Grundschüler sind die hauptsächlichen Nutzer der Halle neben der Vogelstange am Werthweg. „Für sie wird Ersatz beschafft“, kündigte Kordula Mertens an, die bei der Stadt zuständig ist für Fragen der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung.

Wie das aussehen wird, weiß Tobias Zimmer, Vorsitzender der Tischtennisabteilung noch nicht. „Ich habe am Donnerstagmittag lediglich die Information bekommen, dass wir die Halle nicht mehr nutzen können und nach anderen Möglichkeiten suchen müssen“, sagte er auf Anfrage. Eine Aufgabe, von der Zimmer noch nicht weiß, wie er die lösen soll. „Schließlich sind unsere Junioren und Senioren im Meisterschaftsspielbetrieb.“

Sportunterricht für Grundschüler in Bürgermeister-Abels-Halle

Mertens zeigte sich indes während der Pressekonferenz zuversichtlich, für den Vereinssport in anderen Hallen im Stadtgebiet Ausweichmöglichkeiten zu finden. Die Bereitschaft, dabei zu helfen, habe der Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Jürgen Zielonka, ihr gegenüber bereits angekündigt. Der Sportunterricht der Grundschüler wird nach den Ferien in der benachbarten Bürgermeister-Abels-Halle stattfinden.  

Nach Angaben von Marco Wilke vom DRK-Kreisverband werden hinter Sichtschutzwänden und neben Sanitär-Containern auf dem Parkplatz beheizbare, winterfeste Zelte mit Kunststoffwänden aufgebaut: „Platz für die Etagenbetten.“ In der benachbarten Halle seien die Essensausgabe, Speise- und Aufenthaltsbereich sowie Verwaltungsräume  untergebracht.

Offiziell bis März 2016 benötigt

Die Notunterkunft des Landes am Werthweg betreibt der DRK-Kreisverband. „Gerade am Anfang sind wir auf die Unterstützung der DRK-Kollegen vor Ort angewiesen“, so Marco Wilke vom Vorstand. Nach und nach würden dann die Mitarbeiter in der Notunterkunft durch hauptamtliche Kräfte ersetzt. Tagsüber seien sechs bis sieben Mitarbeiter notwendig, abends fünf und ein bis zwei in der Nacht. „Dazu kommt dann noch ein Sicherheitsdienst mit drei, vier Mitarbeitern.“

Offiziell wird die Notunterkunft des Landes mit März 2016 benötigt. Landrat Makiolla wollte aber niemanden etwas vormachen. „Es ist noch nicht vorgekommen, dass eine einmal eingerichtete Unterkunft wieder geschlossen wurde.“ Angesichts der Not der anhaltend vielen Menschen, die vor Krieg und Armut fliehen, könne er sich das auch nicht vorstellen. „Da sind wir alle gefragt, und ich kann die Bürger hier nur um Verständnis und Unterstützung bitten.“

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