Das war wohl die kürzeste Anreise von der Redaktion der Ruhr Nachrichten zu Fränzers am Markt. Eines steht fest: Bei unserem nächsten Besuch verzichten wir gleich auf Steak und Salat.

Werne

, 10.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein großer Tapas-Fan war ich nie. „Viel zu ölig“ ist das, woran mich vergangene Tapas-Bar-Besuche erinnern. Und dann bei der Hitze – muss doch nicht sein! Einfach nur von „Hitze“ wollte ich am Dienstag auch gar nicht mehr sprechen. Hitzekoller traf es eher.

Ich fühlte mich erdrückt von der permanenten Sonne, von den für meinen Geschmack viel zu hohen Temperaturen, sehnte mich nach etwas Abkühlung, aber bestimmt nicht nach in Öl getränkten Knoblauch-Garnelen. „Dann halt etwas anderes als Tapas, vielleicht ein frischer Salat“, dachte ich während unseres Besuchs. „Ein Fehler“, denke ich seitdem. Aber dazu später mehr.

Wer schon mal in Spanien Urlaub gemacht hat (und das trifft wohl auf die meisten zu), saß zum Mittag- oder Abendessen wahrscheinlich auch schon an irgendeiner Promenade. Viel spannender als das Essen sind dann oft die Leute, die vorbeigehen. Sitzen und ein bisschen gucken – das habe ich am Dienstagabend auch gemacht, als wir uns an einem kleinen Tisch in der Marktgasse direkt neben Friseur Quante niederließen. Das nette Fleckchen in der Innenstadt ist von spanischer Promenade weit entfernt, was zu „kieken“ gab’s trotzdem – und ein laues Lüftchen, was mich die Hitze des Tages zumindest ein wenig vergessen ließ.

Neben uns am Tisch – ich nenne sie: die Damen vom Lesekreis. Sie packten ihre Bücher aus und philosophierten über den Inhalt. Eine nette kleine Runde! Zwischendurch watschelte ein hechelnder Mops vorbei („Ist auch nicht dein Wetter, was?“). Wir sahen Paare auf ihrem Abendspaziergang und lauschten dem Wasserspiel, das vom Marktplatz in einer fast schon beruhigenden Monotonie um die Ecke plätscherte. Herrlich! Zeit fürs Essen:

Das Essen bei Fränzers:

Kannte ich bis dato nicht. Und auch meine Begleitung hatte sich zu Sim-Jü nur mal ein Bierchen in der urigen Schänke gegönnt. Wir bestellten 200 Gramm Rumpsteak mit Pommes und einen gemischten Salatteller mit Gambas und Honig-Senf-Vinaigrette. Die Dritte im Bunde entschied sich für zwei Tapas-Gerichte: „Pollo al curry“ und „Pollo al chilindron“ – Hähnchenbrustfiletstücke in Curry-Kokos-Honig-Mango-Sauce und in Tomaten-Serrano-Sauce. Dazu für alle Datteln im Speckmantel.

Fränzers: In Erinnerung bleiben die Datteln im Speckmantel

Das Rumpsteak – an diesem Abend leider ohne die Süßkartoffelpommes. Oben rechts die leckeren Datteln im Speckmantel. © Vanessa Trinkwald

Über das Steak ließ sich an diesem Abend streiten: Meine Begleitung wollte es medium – „und für mich war es auch medium“, sagte sie. Meine andere Begleitung empfand es als „fast schon zu durch“. Hier gehen die Geschmäcker auseinander. Rosa war es innen noch und für mich absolut in Ordnung. Das Stück Kräuterbutter ist bei diesem Gericht leider nicht inklusive und kostet extra. Die Pommes „waren halt Pommes“. Sie hätten etwas salziger und knuspriger sein können.

Gerne hätten wir die Süßkartoffelpommes probiert, die an diesem Abend aber leider nicht mehr zu haben waren. Ein kleiner Hinweis wäre direkt bei der Bestellung schön gewesen und nicht (wie an diesem Abend) erst 20 Minuten danach.

Der Salat war gut: frisch und knackig, die gebratenen Gambas on Top nicht labbrig, sondern schön bissfest. Bei der Honig-Senf-Vinaigrette dominierte der Honig, sie war für meinen Geschmack etwas zu süß. Optisch sah der Teller toll aus, nur auf das kleine Stück Styropor, das sich zwischen den Salatblättern versteckt hatte, hätte ich verzichten können. Ist aber auch kein Drama.

Fränzers: In Erinnerung bleiben die Datteln im Speckmantel

Der gemischte Salatteller mit gebratenen Gambas ist ein Hingucker. © Vanessa Trinkwald

Absolutes Highlight – und da waren wir uns alle einig – waren an diesem Abend die Tapas. Die acht Datteln im Speckmantel („Woanders bekommt man vier, höchstens mal fünf“) waren extrem lecker: die Speck-Hülle schön kross, die Datteln innen noch bissfest. Kein bisschen zäh und bissfest waren hingegen die Hähnchenbruststücke. Sie ließen sich gut schneiden, waren schön saftig und zart. Viel besser noch als das Fleisch waren die Saucen. Welche am Ende besser schmeckte (Curry oder Tomate), wollten wir nicht entscheiden. Beide waren würzig, sehr lecker und (vor allem) kein bisschen ölig.

Am Nebentisch hatte sich derweil ein Paar niedergelassen, das nach seiner Abendradtour noch schnell einen Happen essen wollte. Auch die Beiden bestellten unter anderem die Datteln im Speckmantel: „Toll, richtige Entscheidung“, hätte ich gerne gerufen, wollte uns die peinliche Situation aber ersparen. Und wahrscheinlich kannten sie die süß-salzigen Häppchen längst. Nächstes Mal gibt es für mich definitiv keinen Salat. Nächstes Mal bitte nur Tapas!

Fränzers: In Erinnerung bleiben die Datteln im Speckmantel

Geschmacklich ein Highlight waren an diesem Abend die beiden Tapas-Gerichte: „Pollo al curry“ und „Pollo al chilindron“. © Vanessa Trinkwald

Die Getränke:

Die Getränkekarte in Fränzers Schänke ist umfangreich. Es gibt alkoholfreie Getränke (darunter nicht nur Cola/Fanta/Sprite, sondern auch Säfte und Schorlen), offene Weine, Sekt, Spirituosen, Longdrinks, Kaffee und Tee.

Ein Glas Cola (0,2 Liter) kostet 2,20 Euro, ein Krombacher Pils (0,2) 1,70 Euro. Wer sich nach Spanien sehnt, kann die hausgemachte Sangria (0,25 Liter für 4,50 Euro oder die Ein-Liter-Karaffe für 15,90 Euro) probieren.

Ein Latte macchiato kostet 2,70 Euro. Er war meiner Begleitung ein wenig zu stark.

Die Preise:

Sind in Ordnung. 200 Gramm Rumpsteak kosten 17,90 Euro, wobei die Beilagen (3,90 Euro) und die Kräuterbutter (1,50 Euro) extra bezahlt werden müssen. Die Tapas bewegen sich zwischen 3,50 und 7,90 Euro. Der Tapasteller mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten, Datteln im Speckmantel, Oliven und Serranoschinken kostet 11,90 Euro. Dazu wird Ciabattabrot und Knoblauchmayonnaise gereicht.

Der gemischte Salat kostet ohne Topping 7 Euro, für die Gambas kommen noch einmal 8 Euro drauf. 15 Euro für einen zwar leckeren, aber auch nicht außergewöhnlichen Salat sind meiner Meinung nach etwas happig.

Die Burger-Gerichte liegen zwischen 10,90 und 14,90 Euro (hier inklusive Pommes), die Schnitzelgerichte bei 13,50 Euro.

Die Atmosphäre:

War für einen Sommerabend wie gemacht. Zwar schaut man in der Marktgasse vor die Hauswand, der Durchgangsverkehr aber sorgt – wie eingangs beschrieben – für die nötige Abwechslung (auch wenn es dort natürlich nicht so belebt ist, wie auf dem Marktplatz; kann auch ganz angenehm sein). Der gemütlich rustikale Innenbereich blieb an diesem warmen Abend – wen wundert’s da? – leer, ist aber genau das Richtige für die kälteren Tagen. Die Tische kommen ohne viel Schnickschnack aus, zu viel Deko muss auch nicht sein. Absoluter Hingucker ist der rote Stier im Hauptspeiseraum.

Der Service:

Die junge Dame, die uns bediente, war sehr freundlich. Wir haben nicht zu lange auf unser Essen warten müssen, einen kleinen Hinweis auf die nicht vorhandenen Süßkartoffelpommes hätten wir uns aber direkt bei der Bestellung gewünscht. Kartenzahlung ist möglich.

Kinderfreundlichkeit:

Kindergerichte gibt es auf der Karte nicht, werden auf Wunsch aber serviert, sagt Inhaber Marcus Kocha.

Barrierefreiheit:

Ist zum größten Teil gegeben. Rollstuhlfahrer erreichen die Tapas-Bar am besten über den Eingang Bonenstraße. Die Damen-Toiletten sind nur über eine Treppe zu erreichen.

Mein Fazit:

Fränzers Schänke ist die nette Lokalität für zwischendurch. Wer abends noch mal mit dem Rad los ist oder zu Fuß durch die Innenstadt schlendert, hat schnell Platz genommen. Und da muss es nicht immer das große Schnitzelgericht sein. Ein paar leckere Tapas-Happen sind das, was die Schänke ausmacht. Sie können den lauen Sommerabend perfekt abrunden. Wir kommen wieder: auf ein kühles Bierchen und die Datteln im Speckmantel – gerne auch ein paar mehr!

Anfahrt/Parken:

Am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bei der guten Innenstadtlage gibt es Parkplätze natürlich nicht vor der Tür; die nächsten sind am Kino, Konrad-Adenauer- oder Kurt-Schumacher-Platz.

Was sagt das Netz?

78 Google-Bewertungen ergeben 4,2 von 5 Sternen.

Bei Tripadvisor sind neun Bewertungen gelistet mit der Durchschnittsnote 3,5 von 5 („Nr. 10 von 23 Restaurants in Werne“).

Restaurant-Infos:

Fränzers: Schänke, Tapas, Restaurant; Markt 14, Tel. (02389) 30 31. Öffnungszeiten: montags 16 bis 22.30 Uhr; dienstags, mittwochs und donnerstags 9 bis 14 Uhr (auch Frühstückskarte) und 16 bis 22.30 Uhr; freitags 16 bis 0.30 Uhr; samstags 9 bis 14 und 16 bis 0.30 Uhr; sonntags geschlossen. Hier geht’s zur Homepage.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check: Die Tapas-Bar Fränzers

09.08.2018
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Der Eingangsbereich.© Vanessa Trinkwald
Inhaber ist seit Oktober 2016 Marcus Kocha (48).© Vanessa Trinkwald
Fränzers – die Tapas-Bar am Markt 14.© Vanessa Trinkwald
An warmen Tagen sitzen die Gäste gerne draußen. In der kleinen Gasse ist es dann nicht ganz so trubelig wie auf dem Marktplatz.© Vanessa Trinkwald
Der überdachte Außenbereich bietet Schutz vor Regen.© Vanessa Trinkwald
Die handgeschriebenen Tafeln sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.© Vanessa Trinkwald
Die Tische kommen ohne viel Schnickschnack aus.© Vanessa Trinkwald
Tischreservierungen sind möglich.© Vanessa Trinkwald
Außergewöhnliche Details sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.© Vanessa Trinkwald
Die handgeschriebenen Tafeln sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.© Vanessa Trinkwald
Absoluter Hingucker ist der rote Stier im Hauptspeiseraum.© Vanessa Trinkwald
Der gemütlich rustikale Innenbereich.© Vanessa Trinkwald
Absoluter Hingucker ist der rote Stier im Hauptspeiseraum.© Vanessa Trinkwald
Absoluter Hingucker ist der rote Stier im Hauptspeiseraum.© Vanessa Trinkwald
Details sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.© Vanessa Trinkwald
Der Thekenbereich im "Düsseldorfer Altstadt-Stil", wie Inhaber Marcus Kocha sagt.© Vanessa Trinkwald
Im Thekenbereich.© Vanessa Trinkwald
Details sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.© Vanessa Trinkwald
Der Thekenbereich im "Düsseldorfer Altstadt-Stil", wie Inhaber Marcus Kocha sagt.© Vanessa Trinkwald

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Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben unsere Eindrücke. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin.
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