Friseure wollen nach Corona zunächst strikt mit Terminen arbeiten

rnFriseure in Werne

Friseure dürfen seit 23. März nicht mehr arbeiten. Zu nahe war der Kontakt zu Kunden. Diese Kundennähe lässt drei Werner Friseure mit gemischten Gefühlen auf den Neustart ab 4. Mai blicken.

Werne

, 16.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Friseure durften in der Corona-Krise ihre Betriebe etwas länger geöffnet haben als andere. Doch am Montag, 23. März 2020, war auch für sie Schluss. Friseurmeisterin Jutta Jockenhövel (54) empfand das einerseits als „Paukenschlag“. Andererseits war sie froh, dass nun die Ansteckungsgefahr vorbei war: „Wir arbeiten nun einmal ganz nah am Kunden“, sagt sie im Redaktionsgespräch mit ihrer Kollegin Jennifer Schmidt (35) und dem Kollegen Willi Kleinschnittger (65).

Jutta Jockenhövel stellte zu Beginn der Krise fest, dass manche Kunden den Ernst der Lage noch gar nicht erkannt hatten. „Die verabschiedeten sich mit den Worten ‚Dann bis nächste Woche‘. Die dachten wohl, wir wären immun.“ Jennifer Schmidt ergänzt: „In der letzten Woche haben wir schon unsere Tätigkeiten zurückgefahren. Sachen wir Bartschneiden oder Augenbrauen-Färben haben wir gar nicht mehr angeboten.“

Jennifer Schmidt (35) wünscht sich einen abgestuften, geregelten Wiedereinstieg.

Jennifer Schmidt (35) wünscht sich einen abgestuften, geregelten Wiedereinstieg. © Jörg Heckenkamp

Willi Kleinschnittger findet das richtig, obwohl es ihm an den Verdienst geht, „Unverständnis, dass wir nicht zu den Ersten gehörten, die dichtmachen mussten. Wir haben doch schließlich direkten Kundenkontakt.“ Sicherlich würde er gerne arbeiten und Geld verdienen, „aber man muss doch auch an den Schutz der Kunden und für sich selbst denken“. Geld sei nicht alles, so der 65-Jährige, „die Gesundheit ist wichtiger“.

Im Moment lebten sie alle von Kurzarbeitergeld oder den Coronahilfen. Jennifer Schmidt: „Wir verkaufen noch einige Produkte, die wir auch nach Hause liefern.“ Mehr an Umsatz sei nicht zu machen. Zu den Kunden nach Hause zu kommen und zu schneiden, wie es etliche Werner nachgefragt hätten, „ist nun einmal auch verboten.“

Willi Kleinschnittger (65) baut auf die Treue seiner Stammkunden.

Willi Kleinschnittger (65) baut auf die Treue seiner Stammkunden. © Jörg Heckenkamp

Und wie sieht die Zukunft aus? Alle drei Friseurmeister wünschen sich einen schrittweisen Übergang in die Wiedereröffnung, der voraussichtlich ab 4. Mai 2020 möglich ist. „Es darf auf keinen Fall heißen, ‚zack, morgen dürft ihr wieder voll ran‘. Das muss abgestuft gehen“, sagt Jutta Jockenhövel. Sie, Jennifer Schmidt und Willi Kleinschnittger werden nach dem Neustart die ersten Wochen ausschließlich auf Termin arbeiten.

Man wolle dadurch die Kundenströme lenken und die Kontaktmöglichkeiten einschränken. Jutta Jockenhövel: „Wir werden über den Tag verteilt voraussichtlich in zwei Schichten arbeiten“. Sie werde nur jeden zweiten Stuhl besetzen, damit genügend Abstand zwischen den Kunden/Mitarbeitern herrsche. „Man muss uns sagen, wie das funktionieren soll, wie wir langsam einsteigen können“, fordert Jennifer Schmidt. Dazu müsse es Vorschriften geben.

Jutta Jockenhövel (54) bereitet ihren Salon schon jetzt für den Wiedereinstieg nach Corona vor.

Jutta Jockenhövel (54) bereitet ihren Salon schon jetzt für den Wiedereinstieg nach Corona vor. © Jörg Heckenkamp

Und was werden die Kunden zu solchen Einschränkungen sagen? „Da hat, glaube ich, jeder Verständnis, wenn er aus Schutzgründen mal ein oder zwei Tage auf seinen Termin beim Friseur warten muss“, meint Willi Kleinschnittger. Jennifer Schmidt vermutet, dass das alles „eine Sache der Kommunikation ist, man muss es den Kunden vernünftig beibringen“.

Genau das mache sie jetzt schon, sagt Jutta Jockenhövel. Auch momentan, da der Salon schon länger geschlossen hat, „rufen immer noch Kunden an. Ich rufe sie alle zurück und rede mit ihnen“. Schließlich habe sie jetzt Zeit dafür und es sei ihr wichtig, „mit den Kunden in Kontakt zu bleiben“.

Jetzt, da keine Friseure zur Verfügung stünden, wüssten die Menschen auf einmal, was sie an ihren Haarschneidern hätten. „Der Stellenwert unseres Berufes, der vorher sehr gering war, hat sich doch spürbar verbessert“, sagt Jutta Jockenhövel.

Immerhin eine positive Auswirkung der Corona-Pandemie.

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