Im Gebrauchshundesportverein lernt Bello fürs Leben - doch der Weg zum Erfolg ist lang

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Dienstags nach der Arbeit versammeln sich große und kleine Hundefreunde an der Horne, um mit ihren Vierbeinern zu trainieren. Am Ende der Stunde gibt es nicht nur für die Hunde ein Leckerli.

Werne

, 16.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An einem Holzbalken sind fünf Hunde angebunden und warten auf ihren Einsatz. Manche von ihnen sind Schutzhunde, andere schnüffeln Fährten. Wer während des Trainings des Gebrauchshundesportvereins den Platz betritt, blickt in viele wachsame Schäferhundaugen.

Der Schwanz am anderen Ende des Hundes wedelt, sobald man sich ihm nähert. Aufgeregt fiepen die Vierbeiner, können es nicht abwarten in Aktion zu treten. Einer nach dem anderen wird von seinen menschlichen Partnern auf die Wiese geführt, um an ihrem Gehorsam zu feilen.

Ein langer Weg bis zum Erfolg

Sitz, Platz, bei Fuß - das kann hier jeder Hund. Ben trainiert mit seiner Besitzerin seit gut zwei Jahren im Verein. Geduldig legt er sich ins Gras und wartet, bis er gerufen wird. Dann stürzt er wie eine Kanonenkugel auf sie zu und setzt sich vor sie, blickt sie mit funkelnden Augen an. Mit voller Konzentration erwartet er das nächste Kommando.

Bis es so gut klappt, ist es ein langer Weg - das Training der Hunde beginnt schon ab der zwölften Lebenswoche, erzählt die Vorsitzende des Vereins, Lydia Schütte-Elsner.

Erst die Begleithundeprüfung, dann wird weitertrainiert

Der erste Schritt ist die Begleithundeprüfung. Dafür muss der Hund sowohl an der Leine als auch frei tipptop hören und sich nicht von vorbeifahrenden Fahrrädern, anderen Hunden oder anderen Reizen ablenken lassen.

Mit der Begleithundeprüfung in der Tasche kann es weitergehen - dann beginnt die Schutzhundausbildung, die Fährtenarbeit oder die Vertiefung des Gehorsams, die Unterordnung.

Im Gebrauchshundesportverein lernt Bello fürs Leben - doch der Weg zum Erfolg ist lang

Malinois Drago liebt den Beißärmel © Sylva Witzig

Jürgen Elsner, Mann der Vorsitzenden, ist der Ausbildungswart im Verein. Seit 30 Jahren widmet er sich schon dem Schutzhundesport. An seinem Hund Drago demonstriert er, wie das funktioniert.

Der Malinois ist mit seinen etwas mehr als zwölf Jahren ein alter Hase im Geschäft - er hat schon in vielen Disziplinen trainiert. Zuerst zieht Elsner sich seinen Schutzanzug an. Die anderen Hunde werden vorsorglich vom Platz gebracht, denn sie machen Randale, sobald sie den Beißärmel sehen. Auch Drago ist ganz aus dem Häuschen und kann es kaum abwarten, dass sein Herrchen den Ärmel hebt. Denn das ist das Signal, dass er zubeißen darf.

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Dem belgischen Schäferhund merkt man sein Alter nicht an - energisch hängt er sich an den Ärmel und lässt erst los, als Elsner es ihm befiehlt. Drago bleibt vor ihm sitzen und bellt aufgeregt. Für ihn ist das Ganze ein Spiel - gewonnen hat er, wenn er mit dem Ärmel davonlaufen darf.

„Man kann den Hund auch direkt nach der Aktion streicheln. Er ist niemals aggressiv dem Menschen gegenüber. Er sieht den Ärmel als Beute, als Spielzeug. Das ist für ihn nichts anderes als ein Ball“, erklärt Elsner.

Kind und Hund in Harmonie

Wie friedfertig Drago ist, sieht man auch im Umgang mit dem Enkel der Elsners. Der knuddelt mit dem Hund und möchte mit ihm trainieren, so wie die Großen. In den Büschen versteckt der kleine Marlon ein Spielzeug. Dann stolpert er zurück, stellt sich neben den Hund und ruft „Such!“ und schon hechtet der alte Drago los, um das Spielzeug zurückzuholen.

Nach dem Training legen sich Hund und Kind auf die Wiese. „Alleine lassen würde ich die beiden aber niemals“, erzählt die Großmutter. „Das würde ich bei keinem Hund. Egal, wie gut er erzogen ist, es kann immer etwas passieren. Es sind ja trotz allem Tiere.“

Besonders liebt Schütte-Elsner an ihrem Drago, dass er unheimlich verschmust ist. „Abends kommt er und legt einem die Pfote aufs Bein und schaut einen so lange an, bis man ihn streichelt.“

Im Gebrauchshundesportverein lernt Bello fürs Leben - doch der Weg zum Erfolg ist lang

Der kleine Marlon ist halb so alt wie sein Hundekumpel Drago © Sylva Witzig

„Unsere Hunde sind alle alltagstauglich“

Die Hunde im Gebrauchshundeverein sind allesamt Familienhunde. „Wir sind offen für den Ottonormalverbraucher. Hier kann jeder vorbeikommen, der Hilfe mit seinem Vierbeiner braucht“, sagt Elsner.

„Es geht uns gar nicht darum, dass unsere Mitglieder an Meisterschaften teilnehmen. Ich freue mich, wenn sich die Leute an uns wenden und mit unserer Hilfe den Hund erziehen, bevor etwas Schlimmes passiert.“

Zwar sind die meisten der aktiven Hunde Schäferhunde, jedoch ist jede Rasse willkommen. „Grundsätzlich kann jede Rasse etwas lernen“, so Elsner. „Es kommt auf den einzelnen Hund an, wie gut das Training klappt.“

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Aktuell trainiert der GHSV Werne immer dienstags, samstags und sonntags. Das Vereinsheim liegt etwas versteckt an der Vinzenzstraße, direkt an der Horne. Zwar gibt es in dem Verein keinen Leistungsdruck, Erfolge verzeichnen die Mitglieder aber trotzdem.

Schütte-Elsner selber hat es mit einem Hund bis zur Deutschen Meisterschaft geschafft. Vor einiger Zeit bot der Verein auch Agility an, doch dafür war die Nachfrage nicht groß genug.

Eine Lärmschutzwand gegen das Gebell

Die Hunde jedoch fordern Spiel, Spaß und Spannung. Damit sich die Nachbarn im Neubaugebiet nicht über das Gebell beschweren, hat die Stadt eine Lärmschutzwand aufgestellt.

Gegen Ende der Trainingsstunde sind die Hunde müde und die Halter hungrig. Schütte-Elsner verschwindet ins Vereinsheim, um Bockwürstchen aufzuwärmen:„Natürlich bekommen die Hunde auch mal ein Leckerli, aber jetzt muss ich erst einmal dafür sorgen, dass die Zweibeiner nicht verhungern.“

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