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Plantage in der Wohnung: Werner fordert Cannabis auf Rezept

Landgericht Dortmund

Er ist 52 Jahre und seit drei Jahrzehnten drogenabhängig. Vor dem Dortmunder Landgericht droht ihm nun der Gang ins Gefängnis. Der Mann aus Werne fordert aber Cannabis gegen seine Schmerzen.

Werne

, 15.04.2019 / Lesedauer: 2 min

Es war eine Unachtsamkeit, die die Polizei im Juni 2016 auf die Fährte des Angeklagten brachte. Der Mann hatte sich in seiner kleinen Küche einen Topf Nudeln aufgesetzt, als ihn offensichtlich irgendetwas ablenkte. Die Folge: Erst fing der Topf an zu rauchen, dann startete der Feuermelder sein ohrenbetäubendes Piepen - und am Ende standen Feuerwehr und Polizei in der Wohnung und fanden die private Cannabis-Plantage des Werners.

"Mir tut alles weh"

Diese hatte sich der heute 52-Jährige angelegt, weil er angeblich nur noch mit Drogen halbwegs schmerzfrei durch den Tag kommt. "Mir tut alles weh, meine Beine zittern und haben kein Gefühl mehr", sagte er den Richtern. Die in erster Instanz vom Amtsgericht Lünen verhängte neunmonatige Gefängnisstrafe will er unter keinen Umständen akzeptieren. "Ich brauche das Cannabis gegen meine Schmerzen."

Tatsächlich läuft derzeit am Sozialgericht ein Verfahren des Werners, in dem er die Verschreibung von Cannabisprodukten auf Rezept anstrebt. Ein Gutachter soll in diesem Verfahren zu dem Schluss gekommen sein, dass der 52-Jährige ein mehr als geeigneter Kandidat für eine solche Maßnahme wäre. Die Berufungsrichter hätten das Strafverfahren deshalb auch am Montag schon gerne eingestellt und die Gefängnisstrafe wieder einkassiert. Doch die Staatsanwältin stellte sich quer.

Frühere Verurteilung nicht respektiert

Und so muss nun weiterverhandelt werden. Muss man einen offenbar kranken Mann tatsächlich ins Gefängnis schicken, obwohl er wahrscheinlich schon bald ganz offiziell Cannabis verschrieben bekommt und damit aus der Illegalität herausgeholt wird? "Ja", sagt die Staatsanwältin. Denn der Werner habe schließlich schon eine Verurteilung kassiert und danach einfach weitergemacht, als dürfe er sich alles herausnehmen.

Wie die Richter den Fall entscheiden, soll sich in der Woche nach Ostern zeigen.

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