Das Haus Havers ist ein Lokal mit Tradition. Entsprechend traditionell ist die Atmosphäre. Auf dem Teller darf der Gast daher wenig Überraschendes erwarten. Aber das Traditionelle ist gut.

Werne

, 06.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Haus Havers, 1876 von Hermann Havers gegründet, ist ein typisches Tagungs- und Versammlungs-Lokal. Klassentreffen, Vereinsversammlungen, Kegelclubs – sie alle fühlen sich in dem Lokal am westlichen Rande von Werne zu Hause.

Den einzelnen Gast heißt ein übersichtlicher Gastraum mit großem Tresen willkommen. Das Traditionshaus, eingeklemmt zwischen Varnhöveler und Selmer Landstraße, ist im Gaststätten-Stil der 1990er-Jahre eingerichtet. Hell und freundlich, etwas in die Jahre gekommen, aber durchaus charmant. Mein Journalisten-Kollege Daniel Claeßen und ich haben uns sofort wohl gefühlt.

Wie immer kamen wir unangemeldet, zu Havers an einem Dienstagabend. Die großen hinteren Saal-Bereiche waren unbeleuchtet. Vorne im Gastraum saß lediglich ein Doppelkopf-Quartett. Woher die zahlreichen Autos auf den beiden Parkplätzen herrührten, stellte sich etwas später heraus. Eine Kegeltruppe bezahlte nämlich ihre Deckel.

Da es bereits 19.30 Uhr war und kaum Gäste im Haus Havers waren, fragten wir die nette Bedienung, ob wir überhaupt noch etwas zu essen bekommen könnten. „Selbstverständlich“, antwortete sie und überließ uns die Wahl des Tisches. Sie machte auch keinerlei Einschränkungen bezüglich der Speisenkarte. Also, auf geht‘s.

Das Essen

Vorspeisen hält die eher kleine Karte nicht bereit. Dafür vier traditionelle Suppen-Arten plus eine Brokkolicremesuppe. Kollege Claeßen entscheidet sich für die Frische Hühnersuppe mit Eierstich, ich mich für die Tomatencremesuppe.

Haus Havers: Wo die 142-jährige Tradition auf dem Teller zu spüren ist

Die selbst gemachte Hühnersuppe überzeugte. © Jörg Heckenkamp

Nach passender Wartezeit serviert unsere Bedienung die Suppen. „Oh, heiß“, sagt der Kollege. „Sehr heiß“, sage ich. Aber auch sehr lecker. Beide. Besonders die Hühnersuppe verwöhnt mit kräftigem Geschmack und guter Einlage.

Meine Tomatensuppe mundet ebenfalls ausgezeichnet. Auf den zerlaufenen Sahneklecks hätte ich verzichten können. Lenkt nur von der aromatischen Tomatensuppe ab. Denn die glänzt mit Zwiebel- und Tomatenstücken sowie kleinen Nudeln als Einlage. Köstlich. Beide Tassen serviert die Küche mit geröstetem Toastbrot. „Kann ich drauf verzichten“, merke ich etwas ungehalten an. „Besser als labberiges Weißbrot“, meint Claeßen und fragt: „Kann ich deine Scheibe haben?“

Haus Havers: Wo die 142-jährige Tradition auf dem Teller zu spüren ist

Unter der - überflüssigen - Sahnehaube verbirgt sich eine köstliche Tomatensuppe. © Jörg Heckenkamp

Für den kleinen Hunger (und den kleinen Geldbeutel) hält die Karte zwei Bockwurst-Gerichte bereit. Ideal etwa für Kartenspieler-Runden. Die Münsterländer Hausmannskost hat mich nicht so angesprochen. Ich frage mich, was Hawaii-Toast, gebackener Camembert und ein Krabbencocktail mit dem Münsterland zu tun haben.

Mein Begleiter entscheidet sich nach kurzer Überlegung für die Schweine-Medaillons mit Cognacpfeffersauce und Pfifferlingen (13,80 Euro). Meine Wahl fällt aus der traditionellen Schnitzelkarte auf das Schnitzel „Gärtnerin“ mit geschmorten Champignons und Spiegelei (9,20 Euro). Der Tausch der Beilage (Bratkartoffeln statt Kroketten) ist kein Problem.

Haus Havers: Wo die 142-jährige Tradition auf dem Teller zu spüren ist

Das zweite Hauptgericht war ebenfalls gut: Medaillons in Cognacpfeffersauce mit Pfifferlingen für 13,80 Euro. © Jörg Heckenkamp

Auch hier passt die Wartezeit bis zum Servieren. Insbesondere die Portion Schweinemedaillons fällt üppig aus. Was meinen Tischnachbarn nicht daran hindert, alles inklusive des letzten Pfifferlings zu verputzen. Zwischendurch lässt er lobende Worte über die „aromatischen Pfifferlinge“ und das „zarte Fleisch“ fallen. Die gebundene Soße findet geschmacklich seine Zustimmung, die Konsistenz haut ihn nicht vom Hocker.

Haus Havers: Wo die 142-jährige Tradition auf dem Teller zu spüren ist

Das Schnitzel "Gärtnerin" mit geschmorten Champignons und Spiegelei geht für 9,20 Euro völlig in Ordnung. Bratkartoffeln statt Kroketten zu bekommen, war kein Problem. © Jörg Heckenkamp

Bei mir ist alles ok. Es ragt nicht meilenweit heraus, aber ist, insbesondere in Relation zum Preis von unter zehn Euro, sein Geld wert. Die Champignons verbreiten noch guten Eigengeschmack, das Schnitzel ist zart und mit passender Panade umhüllt. Auch diese Portion inklusive der hervorragenden Bratkartoffeln ist nicht sparsam zu nennen. Wirt Christian Havers (53) verrät später: „Die selbst gemachten Schnitzel sind meine Spezialität.“ Er paniert und brät sie selbst in der großen Schnitzelpfanne.

Die Getränke

Ebenso übersichtlich wie die Speisen- stellt sich die Getränkekarte da. Es stehen vier offene Weine auf der Karte und fünf Biersorten, inklusive Malzbier. Cola, Wasser, Säfte und etliche heiße Getränke sind obligatorisch.

Die Preise

Preis-Wert. Das Haus Havers punktet mit einer traditionellen, soliden Küche bar jeglicher Gourmet-Experimente. Und das zu passenden Preisen. Die Suppen rangieren zwischen 3,50 und 3,80 Euro. Kaum ein Schnitzel oder Krüstchen durchbricht die 10-Euro-Grenze, Steaks sind für gut 15 Euro zu haben.

Die Getränkepreise sind günstig zu nennen. Ein 0.25 l-Veltins schlägt mit 1,90 Euro zu Buche, die Cola 0,2 l mit 1,70 Euro, die 0,2 l-Weine mit 3,80 Euro.

Haus Havers: Wo die 142-jährige Tradition auf dem Teller zu spüren ist

Christian Havers demonstriert, wie er mit mobilen Wandelementen die Raumgröße verändern kann. © Jörg Heckenkamp

Die Atmosphäre

Das Haus Havers ist ein gediegenes, traditionsreiches Lokal, in dem sich wohl eher die ältere Generation wohlfühlt. Während der Gastraum zwar älteren Datums, aber hell und freundlich wirkt, schreckt der lange Gang zu den schönen weiteren Räumen und den Toiletten mit seinem dunklen Holz ab. Die Gesellschaftsräume sind angenehm und in vielfältiger Weise durch mobile Zwischenwände gestaltbar.

Der Service

Wir waren mit der freundlichen Bedienung rundum zufrieden. Sie fragte schnell nach, als ein Glas leer war und war fix und nett. Allerdings waren wir, neben der Doppelkopf-Runde, die einzigen Gäste.

Kinderfreundlichkeit

Spielmöglichkeiten, auch im Sommerbetrieb des Biergartens, sind nicht vorhanden. Kinder- beziehungsweise Seniorenportionen sind von fast allen Gerichten auf Anfrage zu reduzierten Preisen zu bekommen.

Barrierefreiheit

Menschen mit Handicap können über zwei Wege ins Haus Havers gelangen. Der Hintereingang ist ebenerdig, der Haupteingang verfügt über eine leicht ansteigende Rampe. Der Weg vom Gastraum zur Toilette ist lang.

Anfahrt/Parken

Die Gastronomie liegt am westlichen Rand der Ortsbebauung von Werne und ist leicht zu finden. Parkplätze sind genügend vorhanden, außer, wenn große Gesellschaften vor Ort sind.

Was sagt das Netz über das Haus Havers?

Bei Google finden sich 39 Rezensionen, die zusammen 4,4 von 5 Sternen vergeben. Oft loben die Gäste die Schnitzel, den guten Service und das ausgewogene Preis-Leistungs-Verhältnis.

Mein Fazit

Wer Lust auf ein gutes, ehrliches Stück Fleisch ohne viel Firlefanz hat, ist hier richtig. Ebenso alle Arten von Gesellschaften. Die Raumgröße ist variabel gestaltbar bis gut 120 Personen.

Restaurant-Infos

Haus Havers, Selmer Landstraße 85, 59368 Werne, Tel. (02389) 21218, info@haus-havers.de

Täglich ab 16.30 Uhr, Sa. und So. zusätzlich 11 bis 13.30 Uhr, mittwochs Ruhetag

www.haus-havers.de

Die bisherigen Restaurant-Checks in Werne.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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