Heilig-Geist-Hospital in Werne: Hier gab es Platz für Alte, Arme und Kranke

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Das Thema Gesundheit ist in Corona-Zeiten noch ein bisschen mehr in den Fokus gerückt. Doch wie stand es um die Pflege von Kranken, Alten und Armen eigentlich früher? Darum geht’s diesmal in unserer Kolumne „Heidewitzka“.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 30.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einen Platz für arme, alte und kranke alleinstehende Menschen – den wollten die Stadtväter von Werne im 15. Jahrhundert schaffen. Nachdem Werne alle Rechte einer mittelalterlichen Stadt, wie zum Beispiel das Marktrecht, das Befestigungsrecht und auch die niedere Gerichtsbarkeit erhalten hatte und die Einwohnerzahl weiter gestiegen war, rückte die Fürsorge für die Einwohner Wernes stärker ins Blickfeld.

Eine entsprechende Einrichtung für Bürger, die sich nicht selber helfen konnten, sollte wie in vielen anderen mittelalterlichen Städten geschaffen werden. Eine Urkunde bestätigt, dass es bereits im Jahre 1451 eine solche „Anstalt“, wie zum Beispiel in Münster, Warendorf, Dülmen und Beckum, auch in Werne gab.

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Heidewitzka - Folge 34: Das Heilig-Geist-Hospital

Eines der größten Heilig-Geist-Hospitäler im Deutschen Reich gab es in der Hansestadt Lübeck, das noch heute existiert. Im Jahre 1451 heißt es in der Archivalie, dass Gert von Hövel und seine Frau Elisabeth „den provisoren des Seken (Siechen) und des heilig Geisthauses aus ihrer Mühle in Stockum zwei Mudde Roggen“ verkauften.

Kurz darauf erwarben Rat und Bürgerschaft von Werne ein Grundstück in der Nähe des Kirchhofes und errichteten dort ein Haus mit kleiner Kapelle, das wie in den anderen Städten auch Heilig-Geist-Hospital genannt wurde.

Pflegende Angehörige fielen der Pest zum Opfer

Normalerweise wurden die Alten und Kranken in der Familie gepflegt und betreut, aber in Zeiten von Epidemien wie der Pest oder Cholera konnte es vorkommen, dass eine ganze Familie ausgelöscht wurde und nur noch ein Mitglied übrig blieb, das ansonsten keinerlei Unterstützung erhielt – in diesem Falle half unentgeltlich das städtische Gemeinwesen durch die Unterbringung im Heilig-Geist-Hospital.

Dem Propst von Cappenberg, gleichzeitig auch Pfarrer in Werne, war es auch zu verdanken, dass im Jahre 1468 die Stiftung der Vikarie „Beatae Mariae Magdalenae“ beurkundet wurde, so dass nun auch ein Geistlicher die Bewohner des Hospitals betreuen konnte. Zahlreiche weitere Schenkungen und Stiftungen für das Heilig-Geist-Hospital sind in den folgenden zwei Jahrhunderten urkundlich erwähnt.

Eine Tafel am ehemaligen Standort erinnert heute an das Hospital und die Kapelle.

Eine Tafel am ehemaligen Standort erinnert heute an das Hospital und die Kapelle. © Felix Püschner

Zu Ende des 16. Jahrhunderts wurde auch eine sogenannte Fremdenkammer, in anderen Orten auch Gastkammer genannt, erwähnt, die für bedürftige Fremde, zum Beispiel Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela in Nordspanien, kurzfristig zur Verfügung gestellt werden konnte, da diese oft kein Geld für eine Herberge hatten. Eine Pilgerreise nach Compostela, dem drittwichtigsten Pilgerort nach Jerusalem und Rom, konnte oft länger als ein Jahr dauern – eine der Pilgerrouten führte auch durch das kleine Lippestädtchen Werne.

Im Jahre 1659, als die ersten drei Kapuziner in Werne eintrafen und noch kein Kloster oder Kirche zur Verfügung standen, bezogen diese als Wohnung zunächst ein Haus in der Bonenstraße und feierten bis 1680, als die Klosterkirche fertig gestellt worden war, ihre Gottesdienste in der Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals.

Ein Krankenhaus gegenüber Bücher Beckmann

Dieses Armen- und Krankenhaus zu Werne an der Ecke der heutigen Magdalenenstraße, früher Heilig-Geist-Straße, und Kleine Burgstraße war bis Anfang des 19. Jahrhunderts seiner ursprünglichen Bestimmung, bedürftigen, alten und kranken Bürgern einen gesicherten und einigermaßen angenehmen Lebensabend zu geben, gerecht geworden.

Wohl und Wehe hingen allerdings auch oft von der guten oder schlechten Amtsführung der zwei Provisoren ab, die der jeweilige Bürgermeister jährlich nach seiner Ratswahl neu ernannte oder für ein weiteres Jahr bestätigte. Ihrer Amtsführung war es dann zu verdanken, wenn das Hospital über ausreichende Mittel für Reparaturen und für geeignete Ausstattung des Gebäudes oder auch für die Kapelle im Inneren und Äußeren verfügte. Oft mussten Anwärter auf einen Platz im Hospital, man könnte es auch Altenheim nennen, mehrere Jahre warten, da oft nicht ausreichend Kammern zur Verfügung standen.

Mehr als Skizzen - wie es einmal ausgesehen haben könnte - sind heute vom ehemaligen Hospital nicht mehr übrig. Es diente auch als Gasthaus für Pilger. Die Kapuziner hingegen nutzten die Kapelle für Gottesdienste.

Mehr als Skizzen - wie es einmal ausgesehen haben könnte - sind heute vom ehemaligen Hospital nicht mehr übrig. Es diente auch als Gasthaus für Pilger. Die Kapuziner hingegen nutzten die Kapelle für Gottesdienste. © Felix Püschner

Im Domhof entstand Wernes erstes offizielles Krankenhaus

Von 1800 bis 1810 sind als letzte Armenprovisoren Alexander Zengeler und Anton Hillebrand im Amt gewesen. Als das Oberstift Münster, dem Werne ein Jahrtausend zugehörig war, im Jahre 1803 aufgelöst wurde und Werne dann nach 1815 zu Preußen kam, ordnete man das Armen- und Krankenwesen wenige Jahrzehnte später gänzlich neu und das Heilig-Geist-Hospital wurde geschlossen.

Im Jahre 1858 konnte im alten „Domhof“ das erste offizielle Krankenhaus in Werne eröffnet werden. 1907 schließlich war das ehemalige Heilig-Geist-Hospital so baufällig, dass es abgerissen wurde und an dieser Stelle in fast den gleichen Baumaßen das heute noch existierende Haus entstand.

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