Herzinfarkt beim Stadtlauf 2016 überwunden: Hansen Diel (72) läuft wieder

rnLaufen nach Herzinfarkt

Hans-Werner Diel (72) ist Ultraläufer, bis er beim Werner Stadtlauf 2016 zusammenbricht. Nur durch couragierte Werner überlebt er. Nun hat Diel seine größte Angst überwunden: Er läuft wieder.

Werne

, 11.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder muss er stoppen, er muss kurz inne halten, die Tränen trocknen lassen. Als Hans-Werner Diel mit seinen Lebensrettern Ende Februar an einem Tisch sitzt, spürt man, wie emotional dieses lang ersehnte Treffen ist. Nur durch das couragierte Eingreifen seiner Ersthelfer, Hildegard Wetter und Dirk Haße, hat Hans-Werner Diel überlebt.

Im Sommer 2016 war der Ultraläufer plötzlich beim Werner Stadtlauf zusammengebrochen und hatte einen Herzinfarkt erlitten. Sofort zur Stelle waren die beiden Werner, um Erste Hilfe zu leisten.

In die Laufschuhe zurückgekämpft

Voller Dankbarkeit und Erleichterung geht Hans-Werner Diel, den alle nur Hansen nennen, an diesem Morgen nach Hause. Gut einen Monat später geht für den 72-Jährigen ein weiterer Wunsch endlich in Erfüllung. Er läuft wieder. „I am back“ - verkündet er Dienstag, 7. April, stolz auf seiner Facebook-Seite.

Er hat sich zurückgekämpft in seine Laufschuhe, die er so lange nicht schnüren konnte, „weil mich irgendetwas im Kopf gebremst hat“, wie er selbst beschreibt. Denn immer blieb die Sorge, dass wieder etwas passieren könnte, wie er Wochen zuvor noch zugibt. „Ich möchte gerne wieder laufen. Aber ich habe Angst davor. Das habe ich noch nicht überwunden. Aber da hilft hoffentlich die Zeit“, sagte Hans-Werner Diel noch Mitte Februar.

Gespräche mit Lebensrettern aus Werne helfen

Kurz darauf hat er nach dem Treffen mit seinen Lebensrettern neuen (Lebens-)Mut gefasst, seine Laufschuhe gebunden und extra ein T-Shirt mit dem Logo „forever young“ seines Arztes des Vertrauens, Dr. Ulrich Strunz, angezogen. Es hat einen Ruck gegeben im Kopf, sagt Diel heute.

„Ich habe mich einfach irgendwann wieder getraut, zu laufen. Walking-Stöcke weg und los. Erst vorsichtig. Jetzt immerhin schon 5 bis 10 Kilometer“, erzählt Hans-Werner Diel. Um diesen ersten Schritt oder besser gesagt die vielen ersten Schritte zu gehen, war auch das Treffen mit seinen Lebensrettern Ende Februar in Werne ausschlaggebend.

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„Ich denke, dass mir die Gespräche mit meinen Rettern geholfen haben könnten, das Lauftrauma endlich zu überwinden. Möglich ist das schon. Denn ich habe danach gemerkt, dass ich immer sicherer wurde“, erzählt Hans-Werner Diel. Das, was für den Ultraläufer selbstverständlich war, kostete ihn lange Überwindung.

Nun möchte er wieder regelmäßig joggen gehen. Für Hans-Werner Diel, der schon mehrere Extremläufe über 100 Kilometer gemacht hat, bedeutet dies konkret: tägliches Joggen.

Bewegendes Treffen: Hans-Werner Diel (72, M.) hat nach Jahren endlich seine Lebensretter gefunden. Auch die Ersthelfer Hildegard Wetter und Dirk Haße sind dankbar, Hans-Werner Diel persönlich kennen zu lernen. Der einstige Extremläufer konnte nach dem Treffen mit seinen Ersthelfern neuen Mut schöpfen.

Bewegendes Treffen Ende Februar: Hans-Werner Diel (72, M.) hat nach Jahren endlich seine Lebensretter gefunden. Auch die Ersthelfer Hildegard Wetter und Dirk Haße sind dankbar, Hans-Werner Diel persönlich kennen zu lernen. Der einstige Extremläufer konnte nach dem Treffen mit seinen Ersthelfern neuen Mut schöpfen. © Andrea Wellerdiek (A)

Joggen trotz einer diagnostizierten Herzschwäche

„Natürlich habe ich noch nicht das Tempo. Und auch vom Walking hin zum Joggen war es eine Umstellung. Es drückt und zwickt noch ein bisschen. Aber es wird immer besser“, berichtet der 72-Jährige, der sich fit fühlt und keine Probleme bei der Wiederaufnahme des Lauftrainings hatte. Natürlich ist auch der Muskelkater bei ihm inklusive.

Aber das Joggen, das er so lange wieder anfangen wollte, tut ihm gut - auch wenn die Ärzte ihm vom langen Joggen abgeraten haben. Schließlich diagnostizierten ihm die Ärzte eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Blick auf seine Startnummer: Beim Werner Stadtlauf 2016 erlitt Hans-Werner Diel plötzlich einen Herzinfarkt. Dank der schnellen Reaktion der Ersthelfer hat der heute 72-Jährige die Attacke überlebt.

Blick auf seine Startnummer: Beim Werner Stadtlauf 2016 erlitt Hans-Werner Diel plötzlich einen Herzinfarkt. Dank der schnellen Reaktion der Ersthelfer hat der heute 72-Jährige die Attacke überlebt. © Andrea Wellerdiek (A)

Laufen als Therapie

Doch für Hansen Diel ist das Laufen Therapie - vor allem für sein seelisches Wohlbefinden. Und deshalb plant er auch schon den nächsten Wettkampf. Er hat sich für den virtuellen Rennsteiglauf angemeldet.

Der traditionelle Crosslauf im Thüringer Wald findet Mitte Mai wegen des Coronavirus nicht statt, sondern virtuell. Alle Teilnehmer müssen bis zum 7. Juni auf eigene Faust ihren Lauf dokumentieren und das Ergebnis an die Veranstalter schicken.

Hans-Werner Diel möchte maximal 20 Kilometer laufen. Ziel des Laufes ist nicht der Wettkampf um Bestzeiten, sondern etwas für seine Gesundheit zu tun. Dafür schnürt Hans-Werner Diel gern wieder seine Laufschuhe.

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