Hitze und Corona setzen den Wehrleuten zu - Getränkevorrat im Einsatzwagen

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35 Grad, schwere Ausrüstung, harte Arbeit - und jetzt auch noch Corona-Masken. Wie halten die Feuerwehrleute diese Mehrfach-Belastung durch? Ein Kamerad gibt einen Blick hinter die Kulissen.

Werne

, 13.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sommerhitze 2020 lähmt, selbst wenn man gar nicht viel macht. Wie sieht das erst bei den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Werne aus? Die stecken bei ihren Einsätzen in dicker Kleidung. Sie schleppen schwere Ausrüstung mit sich herum, arbeiten hart und müssen jetzt auch noch Corona-Schutzmasken tragen. Wir haben mit Brandmeister Nils Wienstroer vom Löschzug Stockum gesprochen. Der sieht vor allem einen Bereich durch den Mund-Nasen-Schutz beeinträchtigt.

„Das ist der Bereich der Kommunikation“, sagt der 28-Jährige. Per Funk Gespräche mit der Maske zu führen, sei nicht so einfach. „Aber wir versuchen natürlich, die Maske durchgängig aufzulassen, auch bei Einsätzen.“ Was manchmal schwer fällt. Zum Beispiel am vergangenen Sonntag, 9. August. Als ein Unwetter über Teile von Werne fegte. Vor allem über Stockum. Nils Wienstroer leistete an dem Abend vier Einsätze. „Da regnet es, die Maske wird nass, nicht so einfach“, sagt er.

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Feuerwehr unter Corona-Bedingungen

Die Sommerhitze macht den Job der Feuerwehr in Werne nicht einfacher. Und das Ganze unter Corona-Bedingungen. Ein Gruppenführer aus Stockum erzählt.
12.08.2020
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Nils Wienstroer zeigt links die schwere Einsatzkleidung, rechts eine leichte Jacke für sogenannte technische Hilfeleistungen. Die Kleidung stellt die Stadt Werne.© Jörg Heckenkamp
Kleiderkammer wie anno dunnemals. Die Feuerwehr Stockum hofft auf ein neues Gerätehaus.© Jörg Heckenkamp
Nils Wienstroer lobt die gute Kameradschaft bei der Feuerwehr. Seine Weste zeigt den Funkrufnamen des Fahrzeuges, dass er leitet: Werne, Löschzug 3 (Stockum), Hilfeleistungs-Löschfahzeug Nummer eins. Die 20 steht für 2000 Liter Wasser, die an Bord sind.© Jörg Heckenkamp
Nachdem der Wagen gereinigt und aufgerüstet ist, steht er für den nächsten Einsatz bereit.© Jörg Heckenkamp
Gruppenführer Wienstroer zeigt die obligatorischen Schutzmasken, die in den Fahrzeugen hängen.© Jörg Heckenkamp
Nach jedem Einsatz heißt es sofort: Den Wagen wieder herrichten, reinigen, verbrauchtes Material auffüllen, ans Stromnetz anschließen, etc.© Jörg Heckenkamp
Nach jedem Einsatz heißt es sofort: Den Wagen wieder herrichten, reinigen, verbrauchtes Material auffüllen, ans Stromnetz anschließen, etc.© Jörg Heckenkamp
Wasser, Sprite, Cola - unter der Sitzbank lagern die Getränke, die die Kameraden bei den schweißtreibenden Einsätzen dringend benötigen.© Jörg Heckenkamp
Mit solch einer Tauchpumpe saugten die Wehrleute am Sonntagabend etliche Keller aus. Sie funktioniert allerdings erst ab einem Wasserspiegel von gut zehn Zentimetern.© Jörg Heckenkamp
Gruppenführer Nils Wienstroer ist der Chef im Fahrzeug und sitzt auf dem Beifahrerplatz. Eigentlich mit neun Leuten besetzt, dürfen seit der Corona-Pandemie nur sechs mitfahren.© Jörg Heckenkamp
Die Kleidung der Feuerwehrleute ist schwer und massiv. Und schützt.© Jörg Heckenkamp

Am Sonntag entlud sich über Werne ein Hitzegewitter. Nils Wienstroer war gerade auf dem Heimweg vom Fitnessstudio ins heimatliche Stockum, als um 17.23 Uhr der erste Alarm einging. Er fuhr direkt zum Gerätehaus an der Werner Straße. Während sich die Wehrleute in die Anzüge packten, tauschten sie erste Infos aus. „Auf der Anfahrt hatten Kameraden schon überflutete Stellen gesehen, so hatten wir schon ein erstes Bild der Lage.“

Schnell war klar, dass es an diesem Sonntagabend viel Arbeit für die Werner Wehrleute geben würde. Der Stockumer Gruppenführer Nils Wienstroer war bei vier Einsätzen dabei. Dabei handelte es sich um vollgelaufene Keller. Auch war die Kita an der Knüvenstraße vom hohen Wasserstand bedroht. Nachbarn sprachen ihn und seine Kameraden vor Ort an, dass auch sie Wasser im Keller hätten. Also ging‘s noch rüber zum Fichtenweg.

Erst den Wagen wieder aufrüsten

Etwa eineinhalb Stunden war Wienstroer unterwegs, die Folgen des Unwetters abzumildern. Dann ging‘s zurück zum Gerätehaus. Doch bevor er die mehrere Kilo schwere, verschwitzte Kluft ablegen konnte, mussten er und die anderen Wehrleute das tun, was nach jedem Einsatz ansteht. „Das Fahrzeug so herrichten, dass es sofort wieder ausrücken könnte.“ Also reinigen und neu beladen.

Etwa mit frischen Getränken. Denn bedingt durch die oft schwere körperliche Arbeit ist der Flüssigkeitsverlust groß. Gerade bei der aktuellen Sommerhitze: „Wir achten darauf, dass alle genug trinken, dass niemand kollabiert.“ Was ebenfalls hilft: körperliche Fitness. Der Job des aktiven Feuerwehrmannes ist eher etwas für die jüngere und mittlere Generation.

Atemschutz-Ausrüstung wiegt 18 bis 20 Kilogramm

Schließlich wiegt die Ausrüstung bei einem Einsatz unter Atemschutz etwa 18 bis 20 Kilogramm. Und das oft bei widrigsten Bedingungen und starker körperlicher wie auch psychischer Anspannung. Nils Wienstroer: „Unser Durchschnittsalter für den Atemschutz beträgt 26 Jahre.“ 46 aktive Mitglieder zählt der Löschzug 3 Stockum der Freiwilligen Feuerwehr Werne. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele junge Kameraden dazubekommen“, freut sich der Gruppenführer.

Nach den Unwetter-Einsätzen am Sonntagabend war die Kleidung durchgeschwitzt, zum Teil verdreckt. Was passiert damit? „Je nach Zustand geht sie in die Reinigung“, sagt der 28-Jährige. Aber bisweilen werde sie mehrmals hintereinander getragen.

Denn je häufiger die Sachen gereinigt würden, desto eher müssen sie ausgesondert werden. Jeder Hersteller gibt bestimmte Zyklen vor. Wienstroer: „Denn durch die Reinigung kann die Schutzmembran gegen Hitze nach uns nach ihre Funktionstüchtigkeit verlieren.“

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