Weiter geht’s mit dem Check Werner Restaurants. Das Haus Tingelhoff in Stockum steht für gut-bürgerliche Konstanz. Bei unserem Besuch allerdings mit einigen Schwächen...

Werne

, 05.07.2018, 21:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Positive Überraschung und eigentlich ein gutes Zeichen: An unserem Testtag, einem ganz normalen Donnerstag, ist das Restaurant sehr gut gefüllt. Wir haben Glück und erwischen den einzigen freien Tisch. (Zur Info: Bei allen Checks reservieren wir nicht, sondern kommen unangekündigt und spontan. Die Wirte klären wir erst am Ende auf, nachdem wir die Rechnung beglichen haben.)

360 Grad Foto: Der Haupt-Speisenraum

Tingelhoff ist ein Traditionslokal. Das merkt man nicht nur der Altersstruktur der Gäste, sondern auch der Speisenkarte an. Seitenweise Schnitzel in allen Variationen, Suppen gibt‘s nur drei zur Auswahl, Vorspeisen gar nicht. Bloß keine Experimente.


360 Grad Foto: Der kleinere Speisenraum mit den zwei Stufen

Schön: Die Speisenkarte klärt zu Beginn über die Geschichte des Hauses auf und gibt zahlreiche Service-Hinweise. Etwa, dass die Produkte frisch zubereitet werden und man der Küche daher etwas Zeit einräumen möge.

Das Essen im Haus Tingelhoff

Mein Begleiter, Journalisten-Kollege Daniel Claeßen, entscheidet sich für die Rindfleischsuppe mit Einlage, ich wähle die Gulaschsuppe. Fazit: Beide Suppe sind stark, beinah zu stark gewürzt, meine kratzt etwas unangenehm im Hals. Immerhin: Beide sind schön heiß und punkten mit reichlich Einlage.

Im Haus Tingelhoff heißt es: Bloß keine Experimente

Das Hähnchenbrustfilet mit Blattspinat war ok. Allerdings kam es in der falschen Zubereitungsform auf den Tisch: © Jörg Heckenkamp

Kollege Claeßen hat sich für das Schnitzel Holsteiner Art (mit Krabben und überbacken) entschieden, ich ordere das Hähnchenbrustfilet mit Blattspinat. Von den Varianten „mit Käse überbacken“ und „Sauce Hollandaise“ wähle ich letztere.

Nach angemessener Wartezeit kommen die Hauptgänge. Dickes Minus: Mein Gericht hat die falsche Variante, ist mit Käse überbacken.

Im Haus Tingelhoff heißt es: Bloß keine Experimente

Das Holsteiner Schnitzel schmeckte hauptsächlich nach dem überbackenen Käse, die Pommes waren innen pappig © Jörg Heckenkamp

Zur Qualität: Beide Fleischstücke sind zart und gut paniert. Der Blattspinat lässt sich bei mir nur sehr zaghaft herausschmecken. Die Rösti-Taler sind ok. Kollege Claeßen ist weniger angetan: „Das Schnitzel ist gut gebraten, aber der überbackene Käse überdeckt geschmacklich alles, vor allem die Krabben.“ Auch an den Pommes hat er wenig Freude. Gut: Fast alle Gerichte gibt’s als preisgünstigere kleine Portion.

Im Haus Tingelhoff heißt es: Bloß keine Experimente

Von allem reichlich: von der Einlage, leider aber auch von den Gewürzen. © Jörg Heckenkamp

Auf ein Dessert verzichteten wir nach den großzügigen Portionen, begnügen uns mit einem Espresso. Dickes Minus: Die Kellnerin serviert uns ein wässriges Gebräu ohne Crema, bei dem man auf den Grund der Tasse schauen kann. Nach der Reklamation und einer Entschuldigung („Wohl die falsche Taste gedrückt“) kommt dann ein köstlicher Muntermacher.

Im Haus Tingelhoff heißt es: Bloß keine Experimente

Preiswert, aber nicht wirklich gut: Die Gulaschsuppe war überwürzt. Immerhin viel Einlage. © Jörg Heckenkamp

Alles in allem war das Essen gerade mal Durchschnitt. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass ich bei Tingelhoff schon mehrfach besser gegessen habe. Vielleicht ein Ausrutscher nach unten an diesem Donnerstag?

Die Getränke

Das Übliche und eher preiswert. 0,2-Pils für 1,40 Euro, Espresso kostet 1,50 Euro.

Die Preise

Günstig, allerdings hätte ich bei unserem Test für die Qualität auch nicht mehr bezahlt. Das Holsteiner Schnitzel mit (TK-)Krabben kostete 12 Euro, das Hähnchenbrustfilet mit Blattspinat 10.50 Euro. Beide Suppen schlugen mit günstigen 3 Euro zu Buche. Die Hauptgerichte bewegen sich meist im Bereich von 9 bis 14 Euro.

Die Atmosphäre

Gut-bürgerlich. Beim Eintreten kommt der Gast in den konventionellen dunkleren Schänken-Raum. Links zweigt der kleinere, rechts der größere Speisensaal ab. Beide sind in hellen Farbtönen gehalten. Die Deko ist eindeutig Geschmackssache.

Der Service

Glanzstück unseres Besuches war der Service. Obwohl der Laden voll war (siehe oben) waren die beiden Bedienungen schnell, freundlich und aufmerksam. Pannen, wie die mit dem Espresso, bügelten sie freundlich-routiniert aus.

Als ein Glas geleert war, kam prompt die Frage, ob wir noch etwas bestellen möchten - sehr gut.

Außerdem wurde ich gefragt, welche Beilage ich gerne hätte. Auf meine Gegenfrage, was es denn so gäbe, zählte sie mir geduldig alle Varianten auf. Pluspunkte für den Service.

Kinderfreundlichkeit

Die Karte weist nur zwei Gerichte für kleine Gäste auf. Wirt Günther Tingelhoff (80) sagt auf Nachfrage, dass man alle Gerichte auch als kleine Kinder-Portion anbieten könne. Gut: Auf dem Gang neben dem großen Speisenraum ist eine kleine Kinderecke eingerichtet.

Barrierefreiheit

Durchgängig ein Niveau, (bis auf den kleineren Speisenraum, dort hinein geht‘s nur über zwei Stufen): keine Stufe an der Eingangstür.

Mein Fazit

Wäre ich zum ersten Mal bei Tingelhoff gewesen, hätte dieser Abend mich nicht zum Wiederkommen animiert. Aber da ich es auch schon anders erlebt habe, etwa bei Familienfeiern, und wegen des guten Service bleibt das Lokal auf meiner Agenda.

Anfahrt/Parken

Direkt an der Werner Straße in Stockum. Ausreichend Parkplätze direkt am Haus.

Was sagt das Netz zum Haus Tingelhoff?

Haus Tingelhoff sagt „Bloß keine Experimente“ und hat keine eigene Website. Es finden sich per Google 49 Rezensionen mit einem Durchschnittswert von 4,3 von 5 Sternen.

Restaurant-Infos

Haus Tingelhoff, Werner Straße 134, 59368 Werne, Tel. (02389) 39 49.

Täglich ab 17 Uhr geöffnet. Mittwochs Ruhetag.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants - als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Bis auf die Gerichte machen wir die Fotos erst einige Tage nach unserem Test-Essen bei einem gesonderten Termin.
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