Die EU-Arzneimittelbehörde hat den Impfstoff Biontech für Kinder ab 5 Jahren freigegeben. Seitdem steigen die Anfragen der Eltern in Praxen. Dennoch warten einige Ärzte noch mit der Impfung von Kleinkindern. © dpa
Impfungen bei Kindern

Impfen ab 5 Jahren: Nachfrage von Eltern steigt, Kinderärzte warten trotzdem noch mit Piks

Der Impfstoff Biontech ist nun für Kinder ab 5 Jahren freigegeben worden. Seitdem steigen die Anfragen der Eltern in den Praxen. Die Kinderärzte in Werne warten aber noch mit dem Piks.

Grünes Licht für Impfungen bei jüngeren Kindern: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am Donnerstag (25. November) den Impfstoff von Biontech/Pfizer für 5- bis 11-Jährige zugelassen. Nachdem der Nachwuchs etwa in Israel oder in den USA bereits geimpft werden darf, steht nun auch in Deutschland offiziell ein Impfstoff für die Altersgruppe bereit.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Impfungen von kleinen Kindern steht jedoch noch aus und wird bis Jahresende erwartet. Dennoch bereiten sich die Kinderärzte in Werne und im gesamten Kreis bereits auf die Impfungen in der jüngeren Altersklasse vor.

„Impfung für Kinder ist ein zweischneidiges Schwert“

„Die Fragen nach Impfungen für jüngere Kindere häufen sich bei den Kinderärzten seit der Freigabe“, sagt Dr. Christiane Ruppert, Kinder- und Jugendärztin, aus Lünen. Auch wenn die Nachfrage bereits jetzt sehr hoch sei, würden viele Eltern die Impfung bei Kleinkindern rege diskutieren.

„Es ist ein zweischneidiges Schwert. Kinder erkranken selten schwer an Corona. Man stellt sich dann die Frage, ob man die Kinder aus medizinischen Gründen impfen muss. Allerdings stellt sich auch die soziale Frage. Wenn es zum Beispiel immungeschwächte Personen im Umfeld der Kinder gibt, dann geht es schon darum, den Familienbund zu schützen“, berichtet Ruppert, die auch Obfrau des Kreises Unna und im Landesvorstand des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Westfalen-Lippe ist.

Die Impfung bei jungen Kindern in Israel und in den USA habe zudem gezeigt, dass es selten starke Nebenwirkungen gibt. „Je jünger die Kinder sind, desto besser vertragen sie es. Nebenwirkungen wie grippale Effekte sind eher selten“, so die Expertin weiter.

Das bestätigen auch die beiden Kinderärzte aus Werne, die seit der Stiko-Empfehlung seit Monaten auch 12- bis 17-Jährige in ihren Praxen geimpft haben. War es zunächst für Kinder mit Vorerkrankungen vorgesehen, erfolgte im August für diese Altersklasse generell eine Empfehlung. „Durch die Bank weg haben es alle gut vertragen. Deshalb mache ich mir auch bei Jüngeren keine Sorgen. Wenn der zugelassene Impfstoff da ist, werden wir auf Wunsch und nach der Aufklärung der Risiken impfen“, sagt Dr. Michael Gilbert.

Viele Eltern hätten sich bereits in der Praxis gemeldet, um einen Termin für die Impfung des Nachwuchses zu vereinbaren. „Viele wollen Normalität für die Kinder haben.“ Doch einige Eltern müssen sich da noch in Geduld üben. Erst nach der Stiko-Empfehlung werde man hier mit dem Impfen starten, zumal auch noch Booster-Impfungen etwa von Familien mit behinderten Kindern anstehen würden, so Gilbert weiter.

Man sei bei diesen Terminen bereits im Februar angelangt. Ob und wann man zusätzliche Impfungen für junge Kinder dazwischen schieben kann, hängt auch davon ab, wie viel Impfstoff er für seine Praxis zugewiesen bekommt.

Bei seiner Kollegin, Jasmin Lidgett, geht man davon aus, dass die ersten Impfungen für 5- bis 11-Jährige im Januar oder Februar starten können. Vorausgesetzt, die Stiko-Empfehlung liegt dann vor. „Auch bei anderen Impfungen vertrauen wir in der Regel der Stiko-Empfehlung. Ich habe in den letzten 25 Jahren so gehandelt und bin damit sehr gut gefahren“, sagt die Kinder- und Jugendärztin aus Werne. Auch in ihrer Praxis gibt es täglich viele Anfragen für Impftermine für junge Kinder. „Da ist der Beratungsbedarf sehr hoch“, berichtet Lidgett. Wenn die Stiko-Empfehlung vorliegt, werde sie nach einer gewissen Reihenfolge die Impfungen für 5- bis 11-Jährige beginnen. „Wenn chronisch Kranke bevorzugt werden, dann werde ich Kinder mit schweren Erkrankungen vorziehen“, kündigt Lidgett an. Mit den Impfungen bei den ab 12-Jährigen gab es auch keine besonderen Vorkommnisse. „Sie haben es alle sehr, sehr gut empfangen.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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