Gülseren Öztürk ist mit 21 Jahren ausgewandert und ist nun in ihrer Heimat Werne gestorben

rnIntegration in Werne

Sie lebte für ihre Familie und liebte ihr Werne: Gülseren Öztürk (67), Mutter von Fußballtrainer Kurtulus Öztürk, kam mit 21 Jahren nach Deutschland. In ihrer Heimat Werne ist sie nun gestorben.

Werne

, 08.11.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Werne ist ihre Heimat geworden. Das weiß Kurtulus Öztürk ganz sicher. „Sie hat Werne geliebt“, sagt er. Denn seine Mutter Gülseren hat den Großteil ihres gesamten Lebens in der Lippestadt gelebt. Nun ist sie am Dienstag (3. November) mit 67 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Bereits mit 21 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen.

Kurz nachdem sie 1974 ihren Mann Muharrem in der Türkei geheiratet hat, wanderte sie nach Werne aus. Hier hatte ihr Mann und dessen Vater bereits vier Jahre lang gelebt. Beide kamen damals der Arbeit wegen nach Deutschland, waren beide in der Zeche in Werne beschäftigt.

Vier Jahre später folgte auch Gülseren gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern. Seitdem entwickelte sich Werne immer mehr zu ihrer Heimat. Eine Rückkehr in die Türkei? Undenkbar. „Meine Eltern wollten mal drei Monate in die Türkei, um die Familie zu besuchen. Sie haben es nicht mal einen Monat ausgehalten. Sie wollten dann wieder zurück nach Werne“, erzählt Kurtulus Öztürk (40).

Schwierige Zeit in Werne

Anfangs habe seine Mutter keine leichte Zeit in Deutschland gehabt. Das lag vor allem an dem Kinderwunsch des Ehepaares, der lange unerfüllt und mit einigen Fehlgeburten schmerzhaft blieb. 1980 war die Geburt von Kurtulus wie eine Befreiung für das Ehepaar. Deshalb trägt Kurtulus, den viele nur „Kutte“ nennen, auch seinen Namen. Übersetzt heißt er Freiheit bzw. Erlösung.

Zwei Jahre später, als ihre Schwiegereltern wieder in die Türkei zurückgingen, wurde Gülseren für ihren noch nicht volljährigen Schwager Ali, dem jüngsten Bruder ihres Mannes, erziehungsberechtigt. Wiederum zwei Jahre später, brachte sie mit Koray ihren zweiten Sohn in Werne auf die Welt.

Ganze Familie baut sich ein Leben in Werne auf

Die Kinder wurden nicht nur in Werne geboren und wuchsen hier auf, sondern haben sich bis heute ihr Leben hier aufgebaut. Dass Kurtulus mit Bettina eine deutsche Frau heiratete und Koray mit Milena mit einer polnischen Frau liiert ist, habe der Mutter nie etwas ausgemacht. „Sie war immer offen. Es war ihr immer egal, welchen Glauben man hat oder welche Hautfarbe. Sie hat immer nur den Menschen und das Positive im Menschen gesehen“, erzählt Kurtulus Öztürk.

Seine Eltern seien immer tolerant gewesen. Und bei den Öztürks stand die Tür immer offen. „Keiner konnte rausgehen, ohne nicht etwas gegessen zu haben.“ Für andere zu kochen, sei die große Leidenschaft seiner Mutter gewesen, erzählt Kurtulus Öztürk.

Familienbild aus der Vergangenheit (v.l.): Milena Landas, Maya Landas, Koray Öztürk, Muharrem Öztürk, Bettina Öztürk, Josef Kemmler, Luise Kemmler, Kurtulus Öztürk. Vorn sind zu sehen Gülseren Öztürk, die Tochter von Koray, Liyah Öztürk, und die Tochter von Kurtulus, Lara Öztürk.

Familienbild aus der Vergangenheit (v.l.): Milena Landas, Maya Landas, Koray Öztürk, Muharrem Öztürk, Bettina Öztürk, Josef Kemmler, Luise Kemmler, Kurtulus Öztürk. Vorn sind zu sehen Gülseren Öztürk, die Tochter von Koray, Liyah Öztürk, und die Tochter von Kurtulus, Lara Öztürk. © Öztürk

Und in ihre Söhne hatte sie stets großes Vertrauen. Während Koray sich mit einer Firma selbstständig machte, wurde Kurtulus Profifußballer und später Trainer. „Sie hat uns immer unterstützt. Sie hat jeden Tag mit uns telefoniert. Sie wollte immer wissen, wie es uns geht. Sie hat mich nach jedem Spiel angerufen. Nach einer Niederlage kam der Anruf immer schneller“, erzählt der 40-Jährige und muss schmunzeln.

Am Montag (9. November) wird Gülseren Öztürk auf dem Friedhof am Südring um 12 Uhr beerdigt. Nach türkischer Tradition wäre sie an ihrem Herkunftsort Antalya beigesetzt worden. Doch durch die Liebe zu ihrer Heimat Werne und vor allem der Tatsache, dass hier ihre Familie - darunter zwei Enkelkinder leben - wird diese Tradition gebrochen. So findet Gülseren Öztürk in Werne ihre letzte Ruhe. „Uns war es wichtig, dass sie bei uns in der Nähe ist. Und ihr wäre das auch wichtig gewesen“, sagt Kurtulus Öztürk.

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