Internationaler Frauentag in Werne: „Frauenrechte sind auch Menschenrechte”

Frauentag

Der Internationale Frauentag findet jährlich am 8. März statt. Auch die Stadt Werne ist vorne mit dabei. Rund 37 Frauen und Männer haben den Tag gemeinsam gefeiert - und das zum ersten Mal digital.

Werne

, 08.03.2021, 16:15 Uhr / Lesedauer: 4 min
Einige Werner haben sich am Sonntag (7.März) digital getroffen, um den Weltfrauentag gemeinsam zu feiern.

Einige Werner haben sich am Sonntag (7.März) digital getroffen, um den Weltfrauentag gemeinsam zu feiern. © Monika Eichmanns

Bereits seit 1911 wird der Internationale Frauentag gefeiert. Weltweit machen Menschen auf die Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam. Der Tag soll sowohl die bisherigen Erfolge der Frauenrechtsbewegungen zelebrieren als auch Aufmerksamkeit auf die noch vorhandenen Ungleichheiten und Benachteiligungen richten. Trotz der Corona-Pandemie wollten die Werner den diesjährigen Frauentag nicht ausfallen lassen, weshalb auf eine digitale Lösung gesetzt wurde.

Der erste digitale Internationale Frauentag in Werne

Monika Eichmanns, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne, hat den ersten digitalen Frauentag organisiert. Dieser fand im Vorgriff auf den „richtigen” Tag bereits am Sonntag (7. März) statt. Rund 37 Leute aus Werne und Umgebung nahmen daran teil.

Eine solche Online-Veranstaltung ist in der Corona-Krise nicht selbstverständlich. „Aber das zeigt auch, dass wir Frauen uns nicht durch die Kontaktbeschränkungen aus der Öffentlichkeit zurückweisen lassen, dass wir uns vernetzen wollen und vor allen Dingen dass wir uns heute hier feiern wollen”, stellt Eichmanns klar.

Den Anwesenden wurde ein vielfältiges und interaktives Programm von 11 bis 13 Uhr geboten: Frauenliteratur, musikalische Begleitungen, interaktive Workshops und vieles mehr.

Langer Kampf um Gleichberechtigung

Zu Anfang hielt Bürgermeister Lothar Christ eine Ansprache. „Die Frauenbewegung und die Gleichstellungsarbeit in Deutschland hat eine lange Tradition und hat bereits Vieles erreicht. Doch müssen wir feststellen, dass noch lange nicht alles erreicht ist”, beginnt er.

Unter anderem ging Christ auf die Geschichte der Frauenrechtsbewegungen ein: Die deutsche Frauenrechtlerin Clara Zetkin habe gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten das Wahlrecht eingefordert. Seit 1919 dürfen Frauen wählen und auch gewählt werden. Heutzutage seien 31 Prozent der Bundestagsmitglieder und 40,4 Prozent der Mitglieder im Europaparlament Frauen. „Das ist alles steigerungsfähig, aber es ist mehr als je zuvor”, so der Bürgermeister.

Im Jahr 1911 sei zum ersten Mal der internationale Frauentag gefeiert worden. Die Ziele von diesem sei das Frauenwahlrecht, das gleiche Recht auf Bildung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Unterstützung für Mütter und Kinder und das Recht auf einen legalen Schwangerschaftsabbruch gewesen. „Das musste in den Folgejahren und Jahrzehnten erstritten werden und muss noch weiter erstritten werden”, erklärte Christ.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus sei es zu einer Tiefzeit gekommen: Der internationale Frauentag durfte nicht mehr gefeiert werden. Erst in den 60er Jahren sei das Thema Gleichberechtigung durch die damalige Frauenpower wieder in den Fokus gerückt worden. 1975 erklärten die vereinten Nationen den 8. März zum internationalen Frauentag.

Deshalb ist der Tag heute noch bedeutend

Anschließend begründete der Bürgermeister, wieso dieser Tag heutzutage noch wichtig ist: „Zum Beispiel haben 19 Prozent aller Frauen und Mädchen weltweit im vergangenen Jahr körperliche Gewalt von ihrem Partner erfahren.“ Trotzdem gebe es immer noch 49 Länder, wo nicht einmal Gesetze diese Form von Gewalt unter Strafe stellen.

„Frauenrechte sind auch Menschenrechte, die aber in vielen Teilen der Welt immer noch ignoriert werden”, führt er fort. Weitere grausame und verstörende Beispiele in einer eigentlich zivilisierten Welt seien Genitalverstümmelungen von Mädchen, Ehrenmorde, Zwangsheirat, Prostitution und auch Frauenhandel.

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Auch in Deutschland sei die Frauenpolitik noch nicht am Ziel. Es gebe immer noch Ungleichheiten bei den Löhnen. Insbesondere Mütter und Alleinerziehende hätten es schwer im Alltag, alle Aufgaben unter einen Hut zu kriegen. „Das spüren wir auch gerade jetzt in der Corona-Krise ganz besonders. Frauen sind beruflich und privat besonders belastet”, sagte Christ.

Das zentrale Ziel in Deutschland sei es, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer zu schaffen. Denn diese ist die Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen bei Erwerbstätigkeit sowie bei Karriere.

Werne feiert zum 35. Mal Internationalen Frauentag

„Was können wir hier in Werne tun, um hier vor Ort einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit zu leisten?”, fragte Christ. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten wurden in Werne die Rechte von Frauen sichtbar eingefordert.

Bereits 1986 gründete sich die Erste Frauenalternative e.V. (eva). Gemeinsam mit der ersten Gleichstellungsbeauftragten Maria Jockenhöfer vereinigten sich Frauen aus verschiedenen Organisationen, um den ersten Weltfrauentag in Werne am 8. März 1987 zu feiern.

„In diesem Jahr haben sich wieder engagierte Frauen zusammengeschlossen. Diese Veranstaltung zum 35. internationalen Frauentag in Werne kann dabei als eine ganz besondere in die Geschichte der Frauenrechte in unserer Stadt eingehen”, so Christ.

Corona-Krise stellt Frauen vor große Herausforderungen

Um für musikalische Stimmung zu sorgen, trug die Band Red Ivy ihren Song „Nothing Out Of Reach” vor. In diesem geht es darum, dass nichts außerhalb des Menschenmöglichen ist. Anschließend las Anette Haida von der Lesewelt Werne das Kapitel „Mit einem Typen leben” aus dem Buch „Ich hasse Männer” von Pauline Harmange vor. In dem Essay fordert sie Frauen auf, sich nicht für die Männer zu verbiegen und ihnen auch nicht alles recht zumachen.

Die Corona-Krise stellt insbesondere Frauen vor große Herausforderungen. Mit dem Vortrag „Keiner ist alleine” hat die Life-Coachin Katja Artelt auf das Thema „Frauen in der Corona-Krise“ aufmerksam gemacht. Sie erklärte, wie Männer gleichberechtigt in die Kinderbetreuung und Pflege eingebunden werden können. Und auch, wie Frauen sich gegenseitig vernetzen und stärken können.

„Ich möchte euch alle loben und euch auch feiern und mich selber auch, weil wir sind großartig. Wir leisten immer wieder Übermenschliches”, ermutigte Artelt die Frauen. Sie empfiehlt Frauen sich auch selbst zu loben und zu erkennen, wie wundervoll sie sind.

Frauen können sich auch digital austauschen

Die Kaktusblüten aus Werne (Liane Jäger, Irmgard Schlierkamp, Ulli Sonderhüsken und Julia Klunkert) haben das Programm mit Kreativem und Humorvollen locker gemacht - mit „Lach Yoga” und mit dem Werne Lied.

Danach stellte Aloisia Kreienbaum zwei Bücher vor - „AktenEinsicht” von Christina Clemm und „Prügel, eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt” von Antje Joel. Beide Bücher setzen sich mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen” auseinander.

Die Initiatorinnen haben das Programm interaktiv gestaltet. So konnten die Teilnehmer an verschiedenen Workshops teilnehmen und sich miteinander über diverse Themen austauschen. Im Breakout-Room 1 „Alles unter einem Hut?!” konnten sich Frauen darüber austauschen, wie sie Erziehung, Pflege, Haushalt und Homeoffice koordinieren können. Auch auf das Thema „Catcalling” wurde eingegangen - im zweiten Raum wurde über sexuelle Belästigung auf der Straße und im Internet gesprochen.

Alle Frauen, die den internationalen Frauentag 2022 mitgestalten möchten, konnten sich im Breakout-Room 3 zusammenfinden. Mit der Coverversion „Brot und Rosen” von Red Ivy wurde die Online-Veranstaltung beendet.

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