Wer chinesisch essen geht, erwartet eine leicht kitschige Einrichtung und chinesisches Pop-Gedudel im Hintergrund. Passt perfekt auf den „Jade Garten“. Essen und Service passten nur bedingt.

Werne

, 17.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer das Restaurant an der Kamener Straße besucht, den erwartet eine etwas seltsame Anmutung. An den leicht kitschig eingerichteten Gastraum mit dem zentralen Aquarium grenzt ein etwas unaufgeräumter Theken-Büro-Bereich.

Im Gang zu den Toiletten stapeln sich Stühle, in einer Ecke etwas angestaubtes Spielzeug.

360-Panorama vom Gastraum im Jade Garten

Irritiert waren mein Kollege Daniel Claeßen und ich von der Bedienung, die sich später als Chefin Catherine Wong (57) herausstellte. Besteck und Geschirr, Getränke und Essen servierte sie größtenteils mit einem Servierwagen aus mattem Aluminium und grauem Plastik. Mir schoss der Gedanke „DDR-Kantine 1970er-Jahre“ durch den Kopf.

Meine Assoziation zur DDR-Kantine hatte nicht nur zu tun mit dem seltsamen Servierwagen. Seine Chauffeurin gab sich einsilbig, schaute mich bei der Bestellung nicht einmal an. Erst später im Gespräch taute Frau Wong etwas auf. Na, das fing ja gut an.


Das Essen im Jade Garten

Eine Wahl zu treffen, ist gar nicht so einfach. Auf rekordverdächtigen 23 Seiten verteilt sich das kulinarische Angebot von Suppe bis Dessert. Allein drei Seiten sind Tagesmenüs (nur mittags) gewidmet.

Jade Garten: Wenn Buddha der Frühlingsrolle ein trauriges Lächeln schenkt

Trist serviert, trister Geschmack: die klassische Frühlingsrolle war mäßig. © Jörg Heckenkamp

Der Servierwagen erschien mit unseren Getränken. Mittlerweile hatten wir uns durchgearbeitet. Kollege Claeßen wählte eine Platte mit Schwein-, Huhn- und Salatgericht sowie eine Frühlingsrolle vorab. Meine Wahl fiel auf die Kombination Peking-Gulaschsuppe und Platte mit Ente, Schwein und Huhn.

Jade Garten: Wenn Buddha der Frühlingsrolle ein trauriges Lächeln schenkt

Standard-Suppe in jedem chinesischen Restaurant: die Peking-Gulaschsuppe. Im Jade Garten verwöhnte sie mit schönem süß-sauren Geschmack. © Jörg Heckenkamp

Zügig rollten die Rolle und die Suppe an. Meine Peking-Suppe war Standard, die süß-saure Note gefiel mit gut. Die Frühlingsrolle war labberig und schmeckte fad. „Tiefkühlung“, mutmaßte der Kollege. Da mochte selbst der Buddha, der unseren Tisch bewachte, nur gequält grinsen.

Jade Garten: Wenn Buddha der Frühlingsrolle ein trauriges Lächeln schenkt

Das Menü meines Kollegen Daniel Claeßen: Schwein in kleinen Teigkugeln, Hühnchen mit Cashew-Kernen und ein völlig überflüssiger Salat. © Jörg Heckenkamp

Nach kurzer Wartezeit fuhren auf dem Plastik-Alu-Gestell unsere Hauptgerichte vor, traditionell auf dem Warmhalte-Stövchen platziert. Die Qualität reichte von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Ich jauchzte: Meine gebratene Ente war sensationell: zart und saftig mit vollen Geschmack. Der Rest meiner Platte war leidlich ok.

Jade Garten: Wenn Buddha der Frühlingsrolle ein trauriges Lächeln schenkt

Nummer E320 auf der umfangreichen Speisenkarte: V. l. Schweinefleisch, eine göttliche Ente und panierte Hühnchenstreifen. © Jörg Heckenkamp

Kollege Claeßen hatte es schlechter erwischt. Der gemischte Salat eine Katastrophe („Einfach weglassen“, meinte er). Die Schweinefleisch-Stücke im Teigmantel waren ok, die Acht Schätze mit Hühnchen schmeckten deutlich zu intensiv nach Sojasoße.

Jade Garten: Wenn Buddha der Frühlingsrolle ein trauriges Lächeln schenkt

Zu den Tafeln gab's den obligatorischen klebrigen Reis. © Jörg Heckenkamp

Eine Nachspeise wollte er sich danach nicht mehr antun. Ich schon. Und? Glück gehabt: Nach der Ente das zweite Highlight. Frische Bananenstücke im krossen Bierteig mit aromatischem Honig. Geht doch.

Die Getränke

Von Kännchen chinesischen Grüntee (sehr aromatisch) über Biere bis zum Espresso ist alles vorhanden. Weine gibt‘s nur sehr spärlich, dafür chinesische Getränke wie warmer Reiswein oder Bambusschnaps.

Die Preise

Mittelprächtig. Meine Platte mit drei Hauptgerichten inklusive Suppe kostete 13,50 Euro, die andere Platte 13,20 Euro, allerdings kam für 3,10 Euro die Frühlingsrolle hinzu. Das hervorragende Bananen-Dessert war seine 3,50 Euro wert.

Entengerichte (ich war von meiner Ente begeistert) sind für 12,50 bis 13 Euro zu haben.

Ein Bier (0,3) schlägt mit 2,20 Euro zu Buche, eine Cola 0,3 ebenfalls. Das Kännchen China-Tee geht mit 2,50 Euro absolut in Ordnung, der Espresso ist mit 2,40 Euro zu teuer.

Die Atmosphäre

Jetzt wird‘s schwierig. Für den einen gehört die überladen-kitschige Inneneinrichtung mit wandhohen, verzierten Paneelen und grinsenden Buddhas einfach dazu. Mir ist das ganze Brimborium zu viel. Ein absolutes No-Go: die Lampions in den Fenstern. Vor drei Jahrzehnten zur Eröffnung mögen sie tiefrot gewesen sein. Jetzt sind sie weißlich ausgeblichen. Mein Rat: einfach ersetzen.

Ansonsten ist die Inneneinrichtung überholt und an manchen Stellen abgenutzt, aber sehr gepflegt und sauber.

Der Service

Über das Servieren mit einem Wägelchen mag man denken, was man will. Ich empfand es als deplatziert. Unsere Bedienung, immerhin die Chefin selbst, war vor allem zu Beginn wortkarg und wirkte abweisend. Für neue Gäste eher abschreckend.

Kinderfreundlichkeit

Eine eigene Kinderkarte gibt es nicht. Laut Chefin Catherina Wong würden Kindergerichte auf Nachfrage angeboten.

Barrierefreiheit

Innerhalb des Restaurants gegeben, aber am Eingang zwei Stufen.

Mein Fazit

Wenn ich Lust auf zarte Ente habe, komme ich gerne wieder. Der Rest der Gerichte hat mich nicht zu einem Wiederkommen animiert.

Anfahrt/Parken

Der Jade Garten liegt etwas außerhalb der Innenstadt an der Kreuzung Kamener-/Freiherr-vom-Stein-Straße. An beiden Straßen gibt es Parkmöglichkeiten.

Das sagt das Netz zum Jade Garten

49 Google-Rezensionen summieren sich zu einer Gesamtnote von 4 von 5 Sternen. Die Bandbreite der Kritik reicht von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

Restaurant-Infos

China-Restaurant Jade Garten, Kamener Straße 30, 59368 Werne

Tel. (02389) 533 421

Öffnungszeiten: Montag: 17.30 - 22.30 Uhr; Dienstag -Sonntag: 12 - 14.30 und 17.30 - 22.30 Uhr

Das Restaurant verfügt über eine aussagekräftige Website.

Hier lesen Sie alle Restaurant-Checks Werne

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check Jade Garten

Seit 30 Jahren serviert das Ehepaar Wong in seinem Jade Garten an der Kamener Straße in Werne chinesische Spezialitäten.
17.08.2018
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Solche Figuren gehören wohl einfach zu einem China-Restaurant dazu.© Jörg Heckenkamp
Trist serviert, trister Geschmack: die klassische Frühlingsrolle war mäßig.© Jörg Heckenkamp
Chaterina Wong (57), die aus Malaysia stammt, führt seit 30 Jahren mit ihrem aus China stammenden Mann Hwon Tsip Wong (55) den Jade Garten.© Jörg Heckenkamp
Standard-Suppe in jedem chinesischen Restaurant: die Peking-Gulaschsuppe. Im Jadegarten verwöhnte sie mit schönem süß-sauren Geschmack.© Jörg Heckenkamp
Keine gute Visitenkarte: Die ehemals knallroten Lampions in den Fenstern sind im Laufe der Jahre völlig ausgeblichen.© Jörg Heckenkamp
Seit 30 Jahren findet sich der Jade Garten an der Kreuzung Kamener-/Freiherr-vom-Stein-Straße.© Jörg Heckenkamp
Das Menü meines Kollegen Daniel Claeßen: Schwein in kleinen Teigkugeln, Hühnchen mit Cashew-Kernen und ein völlig überflüssiger Salat.© Jörg Heckenkamp
Blickfang im Mittelpunkt des Gasträumes: das Aquarium.© Jörg Heckenkamp
Zu den Tafeln gab's den obligatorischen klebrigen Reis.© Jörg Heckenkamp
Blick in den Jade Garten an der Kamener Straße 30.© Jörg Heckenkamp
Nummer E320 auf der umfangreichen Speisenkarte: V. l. Schweinefleisch, eine göttliche Ente und panierte Hühnchenstreifen.© Jörg Heckenkamp
Die beleuchteten Lampions in den Fenstern sollen Interesse wecken, sind aber völlig ausgeblichen.© Jörg Heckenkamp
Blick in den Jade Garten an der Kamener Straße 30.© Jörg Heckenkamp
Blickfang im Mittelpunkt des Gasträumes: das Aquarium.© Jörg Heckenkamp
Lichtblick zum Abschluss: die frisch ausgebackenen Bananen im Teigmantel mit flüssigem Honig.© Jörg Heckenkamp

Wie funktioniert der Restaurant-Check?

Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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