Jetzt streiken auch Betriebsrats-Chefs bei Amazon

Tarifkonflikt

Der Streik bei Amazon geht weiter - auch in Werne. Damit will die Gewerkschaft Verdi im Ostergeschäft den Druck erhöhen und sich im Tarifkonflikt durchsetzen. Neu ist, dass sich jetzt auch Betriebsrats-Spitzen beteiligen. Am Dienstag kommt außerdem ein bekannter Redner nach Werne.

WERNE

, 30.03.2015, 09:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

 

Aktualisierung 12.19 Uhr:

Die Beschäftigten in der Lippestadt erhalten erstmals Unterstützung von der Betriebsratsvorsitzenden Sevgi Demirbas und ihrem Stellvertreter Bülent Cirak. Diese hatten sich bisher nicht an den Streiks beteiligt, wollen jetzt aber ein Zeichen setzen.

"Wir wollen damit zeigen: 'Wir sind für euch da, wir ziehen das gemeinsam durch'", sagt Demirbas, "die Geschäftsleitung will sich vor einer Antwort drücken und wir wollen jetzt die Rechte der Mitarbeiter durchsetzen." Konkret gehe es bei den Warnstreiks um die Sicherung des Standortes. Amazon hat sich im Ikea-Europalager befristet bis zum Sommer 2016 niedergelassen. Bis zum Sommer dieses Jahres will der Konzern erklären, ob er seinen Mietvertrag um weitere fünf Jahre verlängern will oder, ob er den ihn auslaufen lässt.

Konkrete Angaben dazu will das Unternehmen bisher nicht machen. "Amazon gibt kein Signal, wie es in Werne weitergehen soll, obwohl das Unternehmen eine Verantwortung gegenüber den 2000 Beschäftigten und der Region hat", sagt Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht von Verdi-NRW. Neben der Standortsicherung geht es bei der Arbeitsniederlegung auch um die Entfristung von Verträgen und Tarifverträgen gemäß dem Einzel- und Versandhandel.

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Angaben zur Streikbeteiligung will Verdi erst Montagnachmittag machen. Bei Amazon erkennt man eine zurückhaltende Streikbeteiligung. "Heute sind weniger als 830 Mitarbeiter der Frühschicht an sechs Standorten dem Aufruf zur Arbeitsniederlegung gefolgt", erklärt Stefan Rupp, Public Relations Manager Operations bei Amazon.

Die überwiegende Mehrzahl der Mitarbeiter arbeite regulär. Das Unternehmen will so seine Lieferversprechen einhalten. Wer mit Standardversand bis Dienstag, 31. März, abends bestellt, soll sicher sein, dass die Ware noch am Samstag ankommt, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. 

 

Erstmeldung:

An fünf Standorten traten Beschäftigte den Verdi-Angaben zufolge am Montag in den Ausstand. Am größten Standort in Bad Hersfeld (Hessen) hätten 300 bis 400 Mitarbeiter der Frühschicht die Arbeit niedergelegt, sagte Mechthild Middeke von Verdi Hessen am Montagmorgen. Der Streik läuft seit dem Beginn der Nachtschicht um 0.00 Uhr und soll bis Dienstag andauern.

Auch in Leipzig, Koblenz sowie Rheinberg und Werne (beide NRW) gab es Streiks. Der Online-Versandhändler Amazon sichert seinen Kunden eine pünktliche Zustellung bis Ostern zu, wenn bis Dienstagabend bestellt wird.

Seit 2013 kommt es immer wieder zu Streiks bei Amazon. Bisher gebe es keine Probleme, die Gewerkschaftsmitglieder zum Ausstand zu mobilisieren, sagte Middeke weiter. „Bisher sind wir mit jeder Streikwelle stärker geworden“.

Die Gewerkschaft will Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen - zu den besseren Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Das Unternehmen lehnt das ab und verweist darauf, dass sich die Bezahlung der Mitarbeiter am oberen Bereich der Logistikbranche orientiere. Seit dem Frühjahr 2013 kommt es immer wieder zu Streiks. 

Verdi-Chef am Dienstag in Werne

Am Dienstag, 31. März, wird der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske auf einer zentralen Streikveranstaltung in Werne sprechen, zu der die Beschäftigten der Amazon-Standorte Rheinberg und Werne erwartet werden. Die Streikkundgebung findet zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr statt.

Mit Material von dpa.

 

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