Jugendamt hilft überforderten Eltern im Umgang mit ihren Kindern

Gewalt

WERNE Gewalt in der Familie, ein Thema, das auch in der Lippestadt nicht von der Hand zu weisen ist. Wo liegen die Ursachen, und wie kann den Familien geholfen werden?

von Von Irene Steiner

, 14.05.2009, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Meistens üben Eltern Gewalt aus Überforderung aus.

Meistens üben Eltern Gewalt aus Überforderung aus.

Gewalt gehört für jedes fünfte Kind nach wie vor zum Alltag. Das geht aus dem aktuellen LBS-Kinderbarometer. Aber in Werne kann jeder - sowohl Kinder und Eltern, aber auch besorgte Nachbarn, Lehrer oder Erzieher - schnell Hilfe finden. Denn dass Gewalt in der Erziehung für alle Beteiligten nur negativ ist, ist für Jugendamtsleiterin Elke Kappen offensichtlich: "Fakt ist, das es ja immer noch Leute gibt, die glauben, ein Klaps schadet nicht. Aber die Frage ist doch: Nutzt er denn was und was löst man damit aus?", bringt Jugendamtsleiterin Elke Kappen die Problematik auf den Punkt. Und meistens, so ihre Erfahrung, üben Eltern aus Überforderung Gewalt aus. Aber: "Sie fühlen sich ja nicht gut dabei. Und oft hilft es schon, wenn man darüber redet."Gefahrensituation abzuwenden hat höchste Priorität

Doch wenn das nicht reicht, gibt es auch professionelle Hilfe, z. B. von Erziehungsberatungsstellen, Jugendamt und Kinderschutzbund. Kindern und Jugendlichen in Not rät die Jugendamtsleiterin, mit Vertrauenspersonen zu sprechen. Das können Lehrer oder Erzieherinnen sein, das kann aber auch das Jugendamt sein.

Und was passiert, wenn das Jugendamt weiß, dass in einer Familie Gewalt zum Erziehungsalltag gehört? "Das Wichtigste ist, die Gefahrensituation für die Kinder abzuwenden. Wenn die Eltern Hilfe annehmen, arbeiten wir in den Familien. Oder wir schauen, ob die Kinder eine Zeit lang bei Verwandten unterkommen können, bis die Situation bereinigt ist."Familiennetz ist Anlaufstelle für Familien

Wenn die Eltern die Hilfe annehmen, dann unterstützen Familienhelferinnen sie im Umgang mit ihren Kindern. Zurzeit wird so rund 100 Familien in Werne geholfen. Eine Alternative ist fast nie nötig: Das Kind aus der Familie zu nehmen. "Das haben wir im vergangenen Jahr nur einmal gemacht, und das auch nur vorübergehend", so Kappen.

Es geht auch nicht um Sanktionen für die Eltern. "Das zu wissen, ist für die Kinder wichtig. Sie suchen keine Hilfe, wenn sie nicht wissen, was passiert." Das Familiennetz Werne, das ab Sommer bei der Jugendhilfe Werne an der Ottostraße auch räumlich angesiedelt ist, will durch vielfältige Angebote, Cafés und ein großzügiger Spielbereich zur allgemeinen Anlaufstelle für Familien werden. Mit der Möglichkeit, informell und unbürokratisch Kontakt aufzunehmen: "Wir wollen die Familien viel früher erreichen, schon wenn es erste Probleme in der Erziehung gibt." Und damit Gewalt in der Erziehung verhindern.

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