Jugendhilfe muss Förderschule beim Kreis Coesfeld verteidigen: „Man musste auf Widerstand reagieren“

rnSchulen in Werne

Die Jugendhilfe Werne plant ab 2021 eine private Förderschule in Werne und im Südkreis Coesfeld. Das sorgte im Südkreis, wo 2019 eine Schule geschlossen wurde, für Ärger. Es gab Klärungsbedarf.

Werne

, 30.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst haben die Verantwortlichen des Kreises Coesfeld abwertend reagiert, wie Uwe Schenk, Geschäftsführer der Jugendhilfe Werne, erzählt. „Erst hat man dort mit Widerstand auf unsere Pläne reagiert. Man wollte die Förderschule verhindern“, erzählt Schenk.

Schließlich habe es nach der Schließung der Förderschule in Lüdinghausen lange Diskussionen gegeben. Viel zu weit seien die Fahrtzeiten zur Schule nach Nottuln, so der Tenor der Kritiker.

Und dann soll es plötzlich doch wieder eine Förderschule geben - mit jeweils einem Standort in Werne und im Südkreis Coesfeld. Dass es da zu Irritationen kommt, bedauert Uwe Schenk von der Jugendhilfe Werne. Umso wichtiger war es, sich mit den Verantwortlichen über die neuen Pläne auszutauschen.

Verantwortliche einigen sich auf Konsens bei Förderschulen

Nach dem Gespräch Mitte Januar, an dem neben Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Uwe Schenk von der Jugendhilfe Werne auch Schuldezernent Detlef Schütt und Schul-Abteilungsleiter Gregor Twilling teilnahmen, habe man sich auf einen Konsens geeinigt, wie die Teilnehmer unisono berichten.

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„Unsere Pläne einer privaten Förderschule wurden nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung zur aktuellen Schullandschaft anerkannt“, erklärt Uwe Schenk. Er freut sich, dass man das Thema wieder auf die sachliche Ebene gehoben hat.

Kinder nicht gegenseitig abwerben

„Das hat auf politischer Ebene Unruhe ausgelöst. Doch darum ging es uns keineswegs. Uns geht es nur um die Kinder, die keinen Schulabschluss bekommen können“, erklärt der Geschäftsführer der Jugendhilfe nochmals mit Nachdruck.

Gemeinsam mit den Verantwortlichen im Kreis Coesfeld habe man nun den Weg der Kooperation eingeschlagen. „Wir haben erklärt, dass es nicht darum geht, sich gegenseitig die Kinder abzuwerben“, so Schenk weiter.

„Förderschule als Ergänzung, nicht als Fremdkörper sehen“

Demnach sollen in den geplanten privaten Förderschul-Standorten in Werne und im Südkreis Coesfeld vor allem Kinder und Jugendliche wohnortnah angesprochen werden. Auch dieselben Förderschwerpunkte der Schulen würden dabei kein Problem darstellen.

In der neuen Förderschule der Jugendhilfe sollen Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“ in der Primar- und Sekundarstufe unterrichtet werden.

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„Die neue Förderschule soll als Ergänzung und nicht als Fremdkörper in der Schullandschaft angesehen werden. Unsere Intention ist es, für die vielen Kinder, die nicht versorgt werden, die Lücke zu schließen“, erklärt Uwe Schenk.

Viele Heimkinder sind ausgeschult

Man richte sich mit der neuen Bildungseinrichtung an die Kinder und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Konstitution und ihrer Lebenssituation nicht zu dem Recht kommen, unter ihren Rahmenbedingungen an einer Regel- oder Förderschule unterrichtet zu werden.

Jugendhilfe muss Förderschule beim Kreis Coesfeld verteidigen: „Man musste auf Widerstand reagieren“

Trafen sich zu einem klärenden Gespräch zum Thema Förderschulen (v.l.): Schul-Abteilungsleiter Gregor Twilling, Geschäftsführer Uwe Schenk (Jugendhilfe), Landrat Dr. Christian Schule Pellengahr und Dezernent Detlef Schütt. © Kreis Coesfeld/Christoph Hüsing

Uwe Schenk verweist dabei auf eine Studie der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Demnach besuchten zwölf Prozent der stationär in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr weniger als 15 Stunden pro Woche die Schule. „Viele Heimkinder sind ausgeschult - und zwar in Regel- und Förderschulen. Das ist ein richtiges Problem in der gesamten Schullandschaft“, sagt Schenk.

Einzug in einstige Barbaraschule denkbar

Eine neue Anlaufstelle für diese Kinder soll die neue Förderschule der Jugendhilfe Werne werden. Um über die neue Einrichtung zu diskutieren, lädt die Jugendhilfe zu einer Fachkonferenz am Freitag, 31. Januar, ab 13.30 Uhr ins Pfarrheim St. Johannes ein.

An welchen Standorten die Förderschule ab Sommer 2021 startet, ist noch unklar. Denkbar sei laut Schenk der vorübergehende Einzug in die ehemalige Barbaraschule. Die Förderschule wurde 2016 geschlossen. Aber auch die Nutzung eigener Räume der Jugendhilfe Werne werde man ausloten.

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