Kaminofen statt Heizung: Familie Littau aus Stockum heizt im Winter mit Holz

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„An kalten Tagen gibt es einfach nichts Schöneres“, sagt Simone Littau. Der Kaminofen heizt im Winter die komplette Wohnung. Die Familie schätzt ihre Wärmequelle, aber es gibt auch kritische Stimmen.

Stockum

, 19.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da sitzt man da an einem Novemberabend und redet über den Kaminofen. „An kalten Tagen gibt es einfach nichts Schöneres“, sagt Simone Littau, während sich das Holz entzündet: dieses Knistern, die gemütliche Atmosphäre, die Wärme, die so ganz anders sei, als die trockene Heizungswärme.

Der Grund, weshalb sich Menschen einen Kamin zulegen, ist schnell geklärt. Und so ein Gespräch über den Holzofen könnte ebenso schnell wieder vorbei sein, wenn es nur um den Grund der Anschaffung ginge und nicht um das, was man im Vorfeld und während der Bedienung beachten muss.

„Die Heizung benutzen wir eigentlich kaum“

Vor vier Jahren haben sich die Littaus aus Stockum ein Exemplar zugelegt: Wie groß darf es sein? Ist die Wohnung überhaupt geeignet? Fragen, mit denen sich die Familie vorab beschäftigt hat. Nun steht der Ofen im Wohnzimmer, heizt von dort aus die komplette Wohnung, wenn es draußen kälter wird. Und so langsam ist es kalt, auch wenn viele gar nicht mehr dran geglaubt haben.

Hinter der Scheibe entsteht Rauch, verflüchtigt sich wieder, als die Flammen hochschlagen: „Die Heizung benutzen wir eigentlich kaum“, sagt Simone Littau. Tagsüber sei es kalt in der Wohnung. Erst abends, wenn alle daheim sind, käme der Ofen zum Einsatz.

Kritische Stimmen: „Größte Feinstaub-Schleuder“

Beschwerden von Nachbarn habe es noch nicht gegeben, sagt Simone Littau. Die kritischen Stimmen aber gibt es durchaus: „Größte Feinstaub-Schleuder im Moment. Abends kann man in Wohngebieten kein Fenster mehr aufmachen“, schreibt etwa ein Facebook-User aus Werne.

Wie in diesem Fall, so gilt wohl generell: Beim Kaminofen gibt es kaum Platz für einen Mittelweg. Entweder man liebt die wohlige Wärme, das Knistern, den Duft brennenden Holzes, oder man hasst ihn, den dreckigen Ruß, den Feinstaub. Entweder man verteidigt Kaminöfen als umweltfreundliche Wärmequelle oder verunglimpft sie als größte Feinstaub-Monster der Republik. Das Problem: Wahrscheinlich ist beides irgendwie richtig.

Staubemission versus Kohlendioxid-Ausstoß

Zu den Fakten: In Deutschland gibt es laut Umweltbundesamt rund elf Millionen sogenannter „Einzelraumfeuerungen“. Dazu gehören neben Kamin- auch Kachel- und Pelletöfen sowie offene Kamine. Die Zahl der Kaminöfen beziffert das Umweltbundesamt auf Anfrage auf rund sechs Millionen, Tendenz leicht steigend.

„Kaminöfen stoßen in Deutschland etwa 6000 Tonnen Staub aus. Die Stickoxid-Emissionen aus Kaminöfen dürften etwa 13.000 Tonnen betragen“, sagt Anja Nowack vom Umweltbundesamt. Damit sei es richtig, „dass kleine Holzfeuerungen für mehr Staubemissionen verantwortlich sind als die Auspuffemissionen von Pkw und Lkw“.

Umgekehrt, auch das räumt Nowack ein, sei es richtig, dass der Kohlendioxid-Ausstoß von Kaminöfen niedrig sei und Kaminöfen in dieser Sparte eine bessere Bilanz aufwiesen als mit fossilen Brennstoffen gespeiste Kraftwerke.

Anfällig für Fehler in der Bedienung

Wer bei der Deutschen Umwelthilfe, der nicht-staatlichen Verbraucherorganisation, zu Kaminöfen nachfragt, der bekommt ebenfalls ein „Ja“ mit einem langen „aber“ zu hören. Ja, grundsätzlich könne das Heizen mit Holz als nachwachsendem Rohstoff einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sagt Patrick Huth von der Umwelthilfe. Auf der anderen Seite würden Kaminöfen oft ineffizient genutzt, seien oft überdimensioniert und anfällig für Fehler in der Bedienung.

Familie Littau habe sich vor der Anschaffung gründlich informiert. Sohn Malte (13) ist bei der Jugendfeuerwehr – und in der Bedienung ähnlich bewandert wie seine Mutter, so scheint es. Den Umweltgedanken weisen sie nicht zurück, verweisen aber auch auf den Schornsteinfeger, der die Emissionswerte prüft und anhand des Rußes im Schornstein bewerten könne, wie gut der Ofen in der Vergangenheit bedient wurde.

Geheizt wird mit Pappel und Buche

Der Ofen der Littaus sei vor vier Jahren frisch auf dem Markt und auch nicht ganz billig gewesen. Geheizt wird mit Pappel und Buche. Im Garten hinterm Haus stapeln sich die Holzscheite – ein Irrsinnsaufwand sei das jedes Mal, wenn das Holz geliefert wird. Zwei bis drei Jahre muss das Holz trocknen; ob es trocken genug ist für den Ofen, messen die Littaus mit einem mobilen Messgerät.

An diesem Abend im November kommt weißer, fast durchsichtiger Rauch durch den Schornstein – ein Indiz dafür, dass richtig geheizt wurde.

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