Wenn das Baby auf der Welt ist, verändert sich das Leben der Mutter. Wer zuvor Sport betrieben hat, stellt sich die Frage, wie man beides kombinieren kann. Kanga-Training macht es möglich.

Werne, Lünen

, 07.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Regelmäßige Joggingrunden als Vorbereitung auf den nächsten Marathon: Der Sport hat im Leben von Diana Temmann (34) eine große Rolle eingenommen. Das hat sich auch nicht geändert, als ihr erster Sohn 2010 auf die Welt kam. Denn die junge Mutter, die sich selbst als „Sport-Fanatiker“ bezeichnet, entdeckte damals Kanga-Training für sich.

Es ist ein postnatales Training, das frischgebackene Mütter sechs bis acht Wochen nach der Geburt oder zehn bis zwölf Wochen nach einem Kaiserschnitt machen können. Immer mit dabei: das Baby. Ein Babysitter ist überflüssig.

Mitschaukeln oder Nickerchen machen

„Die Mama kann ihren Sport machen, ohne sich Gedanken zu machen, wer sich in der Zeit um das Baby kümmern kann. Denn das Baby kommt einfach mit“, erklärt Diana Temmann. Während die Mutter Fitnessübungen macht, die vor allem ihre Beckenbodenmuskulatur stärkt, liegt das Baby nicht auf einer Decke oder in der Babyschale daneben. Der Nachwuchs befindet sich während des Trainings ganz nah an der Brust oder auf dem Rücken der Mutter in einer Tragehilfe – in einem Gurt oder Tuch.

„Eine Mutter von Zwillingen hat auch schon mal vor der Brust und auf dem Rücken ein Baby beim Kanga getragen“, erzählt Temmann. Die Babys schaukeln einfach mit. Oder aber sie entspannen. „99 Prozent der Babys schlafen regelmäßig während der Übungen einfach ein“, erzählt Diana Temmann.

Mit Baby zum Sport: So funktioniert das postnatale Kanga-Training

Der Nachwuchs schaukelt im Tragetuch oder -gurt einfach bei den Übungen mit. © Andrea Wellerdiek

Beckenboden- und Rumpfmuskulatur

Am Anfang des achtwöchigen Kurses bindet die Trainerin, die auch gleichzeitig Trageberaterin ist, die Babys aber bewusst mit ein. Da geht es darum, die richtige und ergometrische Tragehilfe zu finden, damit der Nachwuchs in der Anhock-Spreizhaltung vor dem Körper der Mutter gehalten wird. Erst dann beginnen die Fitnessübungen.

Der Fokus liegt dabei auf der von der Schwangerschaft beanspruchten Beckenboden- und Bauchmuskulatur. 60 Minuten lang schwitzen die Mütter dann – mit den Babys in der Nähe – beim Kanga-Training, das einen Rückbildungskurs ergänzen, nicht ersetzen sollte.

Mutter und Tochter haben Spaß

Diana Temmann bietet den Kurs seit 2013 in Werne an. Gestartet mit sechs Frauen im Geburtshaus Werne, ist Diana Temmann mittlerweile in den größeren Kursraum beim Fitnessstudio Lady & Fitness in Werne gezogen. Mit 20 jungen Müttern trainiert sie heute. Fast eineinhalb Jahre ist Lara Rüter aus Werne dabei. Über die Elternschule Lünen ist die 30-Jährige auf das Kursangebot aufmerksam geworden. Seitdem geht sie mit ihrer Tochter Jasmin zum Training.

„Sie hat anfangs viel geschlafen. Aber jetzt hoffe ich, dass sie wach bleibt, damit sie alles mitbekommt. Sie hat Spaß dabei und lacht viel“, erzählt die junge Mutter und strahlt auch selbst, als der Kurs beginnt.

Mit Baby zum Sport: So funktioniert das postnatale Kanga-Training

Lara Rüter und ihre Tochter Jasmin sind seit eineinhalb Jahren dabei. Meistens schläft die Kleine, erzählt die 30-Jährige. © Andrea Wellerdiek

Klassisches Fitnesstraining - aber mit Baby

Marschieren auf einer Stelle, nur hüftbreite Schritte machen, dann im Rhythmus der Musik in die Hocke gehen – Diana Temmann steht vorn im Fitnessraum und gibt die Übungen an. Kanga-Training, das es seit 2009 gibt, erinnert an einen typischen Bauch-Beine-Po-Kurs im Fitnessstudio. Nur hier trainieren die Frauen vor allem Becken, Bauch und Rücken – und das alles mit ihrem Baby am Körper.

Für Diana Temmann ist es die perfekte Gelegenheit, Sport und Mutter-Dasein unter einen Hut zu bekommen. Mittlerweile ist sie Mutter von drei Söhnen und hat keine Zeit mehr, regelmäßig Laufrunden für das Marathontraining zu drehen. Ein schnelles und intensives Training hat sie mit Kanga Burn kennengelernt.

Mit Baby zum Sport: So funktioniert das postnatale Kanga-Training

Übungen für den Beckenboden und die Rumpfmuskulatur stehen im Fokus des Kanga-Trainings. © Andrea Wellerdiek

Nicht nur etwas für Mütter

Die abgewandelte Form des klassischen Kanga-Trainings ist ein HIT-Workout („High Intensity Training“ – ein hochintensives Training). Dies ist für Mütter ein Jahr nach der Entbindung geeignet. Die Kinder sind bei diesem funktionalen Training allerdings nicht dabei. Beide Kursrichtungen bietet die 34-Jährige in Lünen und Werne an. Auch Männer sind willkommen, allerdings bisher seltene Gäste, wie Diana Temmann erzählt.

Sie selbst ist durch ihren Mann, der ein Video im Internet gesehen hatte, auf das Kanga-Training aufmerksam geworden. Und wie früher beim Joggen hat es die gelernte Kinderkrankenschwester sofort gepackt. Erst hat sie die Übungen im eigenen Wohnzimmer nachgemacht, kurz darauf wollte sie mehr.

Mit Baby zum Sport: So funktioniert das postnatale Kanga-Training

Diana Temmann mit Teilnehmerinnen des Kurses in Werne: Maximal 24 Anmeldungen nimmt die Trainerin für jeden Kurs an. © Andrea Wellerdiek

Viele verschiedene Formen

Sie absolvierte im Sommer 2011 eine fünftägige Ausbildung bei der Gründerin und Erfinderin Nicole Pascher in Wien. Kurz darauf startete der erste Kanga-Kurs in Lünen. Seinerzeit war sie eine der wenigen Trainerinnen in der Umgebung.

Mittlerweile gibt es einige Trainerinnen in der Umgebung und viele verschiedene Kurse: Pre Kanga (vor der Geburt), Kanga Burn (hochintensives Training), Papa Kanga (nur für die Väter) oder Angebote im Freien (Nordic Kanga, Kanga Trail oder Kanga on Wheel (mit dem Kinderwagen). Ein Kanga-Outdoor-Training – etwa im Stadtwald – ist ab April in Werne geplant.

Der Name Kanga ist übrigens angelehnt an die Känguru-Mama von Ruh aus dem Disney-Kinderfilm und den Büchern um „Winnie Puuh“.

Die nächsten Kurse:

  • Der nächste Kurs in Werne beginnt am Donnerstag, 14. März, von 10.30 bis 11.30 Uhr in Werne. Er findet im Fitnessstudio Lady & Fitness an der Klöcknerstraße 9 statt. Er geht anstatt über acht über fünf Wochen aufgrund der Osterferien.
  • Der nächste Kurs in Lünen beginnt am Freitag, 15. März, von 10.45 bis 11.45 Uhr. Er findet im Gymnastiktreff Margitta Scheffler in der Rudolph-Nagell-Straße 15a statt. Er geht anstatt über acht über fünf Wochen aufgrund der Osterferien.
  • Die fünfwöchigen Kurse kosten jeweils 45 Euro, die achtwöchigen Kurse 85 Euro. Eine Nachholstunde ist dabei immer inklusive.
  • Der nächste Kanga-Burn-Kurs beginnt am Samstag, 9. März, von 9 bis 10 Uhr, im Lady & Fitness in Werne. Bei diesem fortlaufenden Kurs ist ein Einstieg jederzeit möglich. Vorkenntnisse sind laut Diana Temmann nicht nötig, aber eine gesunde Grundfitness. Der Kurs richtet sich an Mütter und Väter ein Jahr nach der Geburt des Kindes. Für den Kurs gilt ein Kartensystem: 5er-Karte (also fünf Teilnahmen) für 45 Euro, 8er-Karte für 70 Euro, 10er-Karte für 85 Euro.

Anmeldungen und weitere Informationen gibt es bei Trainerin Diana Temmann per E-Mail unter dini@kangatraining.de oder unter Tel. (0177)5021649.

Verschiedene Tragehilfen und Stulpen für die Babys können in jedem Kurs kostenlos ausgeliehen werden. Eine Teilnahme an den Kanga-Kursen ist nur möglich, wenn der Frauenarzt bei seiner Abschlussuntersuchung nach der Entbindung sein Einverständnis gibt. Weitere Informationen unter www.kangatraining.info

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