Bargeld abheben an der Supermarkt-Kasse

rnBargeld-Service

Bargeld ganz einfach an der Kasse abheben, wenn man gerade einkaufen ist - das ist bereits möglich. Aber wie funktioniert das genau? Wer bietet es an? Und wie wird das Angebot angenommen?

von Michelle Kozdon, Julian Reimann

Werne

, 16.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Viele kennen es: Man braucht dringend mehr Bargeld und muss erst einmal einen passenden Geldautomaten in der Nähe suchen. Wenn man Pech hat, dann ist der weit weg und im schlimmsten Fall muss man beim Abheben auch noch zusätzliche Gebühren bezahlen.

Für solche Fälle gibt es jedoch eine Lösung. Denn neuerdings bieten immer mehr Supermärkte, Drogerien und auch Tankstellen ein neues System an - das sogenannte „Cashback-System" oder auch einfach „Barzahlen-System“. Dabei geht es jedoch nicht, wie man fälschlicherweise meinen könnte, um bekannte Cashback-Aktionen oder dass man im Einzelhandel bar zahlen kann.

Geld an der Supermarkt-Kasse abheben

Es geht um einen Service für alle Kunden, die Bargeld von ihrem Konto abheben, aber nicht die nächste Bank aufsuchen möchten. Ein Beispiel: Wenn ein Kunde an der Kasse beim Einkaufen merkt, dass für den weiteren Tagesablauf noch Bargeld benötigt wird, dann kann er ganz einfach mit Hilfe der Girokarte und der Pin-Eingabe den gewünschte Geldbetrag direkt an der Kasse kostenfrei abheben beziehungsweise sich auszahlen lassen.

Dabei wird der gewünschte Betrag zusammen mit dem Wert des Einkaufs vom Konto abgezogen. Bis zu 200 Euro können so ab einem Einkaufswert von mindestens 10 oder 20 Euro, je nach Markt, abgehoben werden. Ebenfalls möglich ist es, Bargeld auf das eigene Konto einzuzahlen. Mit Hilfe der App „Bezahlen.de“ kann ein Barcode generiert werden, mit dem an der Kasse ein Einzahlen möglich ist.

Rewe legt vor, Rossmann mit Problemen

Allerdings steckt das System in Werne noch in den Kinderschuhen und nicht jedes Geschäft macht uneingeschränkt mit. Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann hat das System zwar in vielen Filialen bereits installiert, in Werne scheint ein Abheben von Bargeld an der Kasse jedoch noch nicht möglich zu sein. Bestätigen konnte das nur ein Selbsttest.

Auf Anfrage ließen Mitarbeiter des Unternehmens zwar durchblicken, dass das System noch nicht funktioniert, eine offizielle Stellungnahme dürfe man aber nicht abgeben. Auch Nachfragen bei der Muttergesellschaft blieben ergebnislos.

Auf Anfrage wurde lediglich das System an sich erklärt, nicht aber die Frage beantwortet, wann es den Service auch in Werne gibt. Man dürfe „wettbewerbsrelevante Informationen nicht veröffentlichen“, hieß es.

In den Rewe-Filialen hingegen funktioniere dieses System schon länger - bereits seit 2003 könne man bei Rewe an der Kasse Geld abheben, hieß es auf Anfrage bei der Rewe Group Dortmund. Damit gilt die Supermarktkette als Vorreiter auf dem Gebiet. Generell kann man mit der eigenen Girocard Bargeld bis zu einem Wert von 200 Euro abheben. Einzige Voraussetzung ist der Kauf von Waren im Wert von aktuell mindestens 10 Euro.

Den Mindesteinkaufswert hat Rewe erst im Oktober diesen Jahres von 20 Euro herabgesetzt. Auch Rewe Symalla in Werne bietet diesen Service seit einigen Jahren an, teilte uns Annika Amshove von der Unternehmenskommunikation der Rewe Group Dortmund auf Anfrage mit. „Bisher nehmen die Kunden den Service gut und gerne an.“

Banken spüren keine Veränderung

Ob das Bargeld nun bei der Bank oder im Supermarkt abgehoben wird, scheint eine Sache der persönlichen Einstellungen und Vorlieben zu sein. Ein Befragung von Passanten in Werne ergab keine eindeutige Präferenz. Der Großteil begrüßt die Möglichkeit, beispielsweise bei Rewe an der Kasse Geld abheben zu können.

Das heißt aber noch lange nicht, dass alle den Service auch nutzen. Viele bleiben dabei, dass sie lieber weiterhin bei den Banken ihr Geld abheben. Der am häufigsten genannte Grund ist, dass die meisten vor dem Einkauf Geld abheben, wenn sie bar zahlen wollen.

Bei den Banken in Werne gebe es keine spürbare Veränderung. Philipp Gärtner, Pressesprecher der Volksbank Kamen-Werne, erklärte auf Anfrage, dass das Abheben von Bargeld im Supermarkt bisher keine Auswirkung auf das Tagesgeschäft habe. „Der Service der Einzelhändler ist für uns weder ein Nachteil, noch ein Vorteil“, so Gärtner weiter. Große Konkurrenz sehe man in den Lebensmitteleinzelhändlern nicht.

Zur gleichen Einschätzung kommt auch Nils Klausen, Vorstandsmitglied der Sparkasse an der Lippe: „Wir betrachten das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Erweiterung der Möglichkeiten, über Bargeld zu verfügen.“ Grund dafür sei vor allem das nach eigenen Aussagen dichte Geldautomatennetz der Sparkasse, das es den Kunden ermöglicht, „rund um die Uhr kostenfrei“ Geld abzuheben.

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