Kein Betten-Abbau im Krankenhaus in Werne

St. Christopherus

10.000 Krankenhausbetten will NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens zwischen Rhein und Weser abbauen. Allerdings wohl nicht an der Lippe in Werne. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Pflegedirektor Ludger Risse. Sorgen macht sich Risse trotzdem.

Werne

, 14.07.2015, 19:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kein Betten-Abbau im Krankenhaus in Werne

Das St. Christophorus-Krankenhaus in Werne aus der Luft.Foto Krankenhaus

Nicht der Krankenhausplan NRW 2015 liegt dem Werner schwer im Magen. Das Krankenhausstrukturgesetz ist es, das der Werner, der zugleich stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband Pflegemanagement  ist, fürchtet. Der Bundestag hatte es am 2. Juli in erster Lesung beraten: ein Vorhaben, das laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe  „die Finanzierung der Krankenhäuser deutlich verbessern“ solle und „auch künftig qualitativ hochwertige und gut erreichbare Versorgung“ der Patienten im Krankenhaus garantiere.

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Ludger Risse befürchtet das Gegenteil: „Die Verlierer werden wieder diejenigen sein, die schon Übung darin haben: die Pflege und die Patienten.“ Das Szenario, das er für die Zukunft ausmalt: „Mehr alte und kranke Menschen in weniger Krankenhäusern mit weniger Menschen, die dort Pflegearbeit leisten.“

Schmerzhafte Eingriffe schon durchgeführt

Schmerzhafte Einschnitte, zu denen Ministerin Barbara Steffens in diesem Jahr die Krankenhäuser verdonnert hat, liegen bereits hinter Werne.  „Das  Nebeneinander gleichartiger Therapien und Fachgebiete anstelle einer Konzentration auf die jeweiligen Stärken“, das Steffens anprangert, gibt es im Nordkreis Unna nicht mehr.

Vor rund zehn Jahren hatte das Werner Krankenhaus zusammen mit dem Lüner Marien-Hospital – inzwischen bilden beide Häuser eine Holding - alle Angebote auf den Prüfstand gestellt. Wie Steffens es heute empfiehlt, ging es auch damals schon um „Konzentration  auf die jeweiligen Stärken“ statt eines „Nebeneinander gleichartiger Therapien“.

Das Ergebnis: die Schließung der Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Werne. „Wegen der rückläufigen Zahl von Geburten gab es dazu keine Alternative“, sagt Risse. Gleichzeitig sei der Schwerpunkt Unfallchirurgie ausgebaut worden. Weitere neue  Schwerpunkte: Orthopädie, Lungenheilkunde und Wirbelsäulenchirurgie.

Lohnende Umstrukturierung

Eine Umstrukturierung, die sich laut Risse gelohnt hat: „Seit Jahren verzeichnen wir kontinuierlich steigende Patientenzahlen. Zählte das Krankenhaus 2013 noch 10.201 Patienten, waren es 2014 bereits 10.589. Ein Trend, der sich 2015 fortsetze.

Dieser Erfolg zahle  sich aber nur mit Verspätung aus. Denn für sogenannte Mehrfälle erhalte ein Krankenhaus erst drei Jahre später die volle Vergütung. Das neue Krankenhausstrukturgesetz sehe vor, dass dieser Zeitraum weiter ausgedehnt werde – auf fünf Jahre. „Ich habe versucht, mit meinem Bäcker um die Ecke ein ähnliches Modell zu verhandeln“, sagt Risse: „Er wollte aber für zusätzliche Brötchen das Geld sofort und nicht erst in fünf Jahren.“ 

Risse kennt die Argumente, die Gesundheitspolitiker gerne für die Reform ins Feld führen: Spezialisten würden auch unnötige Operationen durchführen, um ihre vielen Krankenhausbetten zu füllen. Das sei ineffektiv, teuer und schade nur dem Patienten: eine Pauschalbehauptung, die der Werner so nicht stehenlassen will. „Es mag ja Häuser geben, in denen das anders ist“, sagt er, „aber ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass bei uns ausschließlich  notwendige Operationen gemacht werden.“

Weniger Sorgen als anderswo

Risse weiß, dass andere Krankenhäuser derzeit größere Sorgen haben als Werne und Lünen. Während er sich darum sorgt, dass er auch künftig zeitnah mehr Personal für mehr Patienten einstellen kann (zurzeit zählt das Werner Krankenhaus 450 Mitarbeiter), sorgt man sich andernorts um den Fortbestand ganzer Abteilungen.

Wie Birgit Kalle, Sprecherin des Kreises Unna bestätigt, laufen im Kreis Unna wie auch in allen anderen Kreisen und kreisfreien Städten des Landes gerade Gespräche zwischen Krankenhausbetreibern und Kassen. Thema: eine Reduzierung der Bettenzahl.  Zu den Details könne sie sich nicht äußern.

Die Ergebnisse würden nach von den Bezirksregierungen geprüft und am Ende bei erreichter Genehmigungsfähigkeit abschließend vom Ministerium entschieden, teilt Nalan Öztürk mit, Sprecherin des Gesundheitsministeriums NRW: „Über den tatsächlichen Bedarf wird vor Ort entschieden.“  Ihre Behörde habe der Bezirksregierungen lediglich Orientierungsdaten mitgeteilt. Danach müsse im Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem auch Werne gehört, die Zahl der Krankenhausbetten um 2103 auf 25.852 sinken. Münster solle knapp 900 Betten abbauen und Köln 2052.

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