Keine schädlichen Kassenbons aus Thermopapier - Fischhändler zahlt lieber mehr für Umweltschutz

rnÖko-Kassenbons

Plastik gehört nicht ins Meer - davon ist der Fischhändler Karl Heitze (58) überzeugt. Deshalb gibt es an seinem Marktstand keine Plastikverpackungen. Und jetzt auch umweltfreundliche Kassenbons.

Werne

, 29.01.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich kann nicht ruhigen Gewissens etwas verkaufen, was im Wasser schwimmt und durch mich verursachten Plastikmüll frisst“, sagt der Fischhändler Karl Heitze. Deshalb gibt es an seinem Marktstand schon lange keine Plastikverpackungen mehr. Mit der Kassenbonpflicht kam ein neues Problem auf den umweltbewussten Händler zu: Das Thermopapier, auf welchem normalerweise Bons gedruckt werden, ist nicht ökologisch abbaubar und schadet damit der Umwelt.

Keine schädlichen Kassenbons aus Thermopapier - Fischhändler zahlt lieber mehr für Umweltschutz

Viele Kunden bringen eigene Gefäße für ihren Fisch mit. © Sylva Witzig

Um keinen unnötigen Müll zu produzieren, entschied sich Heitze vor rund sieben Monaten für Ökopapier von der gleichnamigen Firma. Das ist kompostierbar und landet im Biomüll. Jedoch hat das Spezialpapier auch seinen Preis: 50 Rollen Kassenbonpapier kosten in etwa 30 Euro mehr als das klassische Thermopapier. Etwa drei Rollen pro Tag werden an einem Markttag verbraucht. Dennoch kauft er das Spezialpapier aus Überzeugung.

Bons müssen vernichtet werden

Nur etwa 20 % der Kunden verlangen einen Kassenbon - der Rest wird von Heitze entsorgt. „Gegen die Bonpflicht können wir nichts mehr tun. Das ist beschlossene Sache und wir müssen irgendwie damit umgehen“, sagt der selbsternannte Frischeprofi. Die neue Bonpflicht hat viele Lebensmittelbetriebe kreativ gemacht - so wird in der Bäckerei Telgmann beispielsweise der Kassenbon aus Marzipan auf die Berliner aufgeklebt.

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„Jedes kleine Teil, jedes Zettelchen ergibt in der Summe eine große Menge an Plastikmüll. Und den verschlucken die Fische oder verfangen sich darin“, erklärt Heitze. „Das kann ich nicht verantworten“, fügt er hinzu. Einige seiner Kollegen trennten sich aktuell ebenfalls vom Plastik in ihren Verkaufswagen.

Plastik ist schädlich für das Produkt

„Manche machen das aber eher halbherzig. Obwohl sich viele Kunden über das Angebot freuen, verlangen einige noch immer Plastik.“

Gut für das Produkt ist das aber nicht: „Dem Fisch schadet es, wenn er in der Plastiktüte in den Kühlschrank gelegt wird. Wir verwenden umweltfreundliches Papier, Glas und Gefäße aus PLA, die Plastik optisch ähneln. Und darin fühlen sich unsere Waren auch wohl“, sagt er.

Weit reisen müssen die Bons und Verpackungen nicht: Die Kassenbons an Heitzes Fischstand werden in Deutschland produziert und das Verpackungsmaterial in Holland.

„Manchmal esse ich meine Currywurst mit einem schlechten Gewissen“

Seit Ende 2018 ist Heitze mit seinem Fischstand in Werne vertreten, darüber hinaus auch in Beckum, Bockum-Hövel, Hamm-Mitte und Kreuztal in der Nähe von Siegen. Seine Mitarbeiterin Beate Boldt (56) ist begeistert von der Resonanz der Kunden - denn die bringen fleißig ihre eigenen Gefäße mit und helfen damit, die Umwelt zu schonen.

Keine schädlichen Kassenbons aus Thermopapier - Fischhändler zahlt lieber mehr für Umweltschutz

Frischen Fisch ganz ohne Plastikverpackung gibt es auf dem Werner Wochenmarkt. © Sylva Witzig

„Ich finde das klasse. Ich würde mir auch mehr unverpackte Produkte in Supermärkten wünschen. Noch besser wäre es, wenn andere Marktstände mitziehen würden - manchmal esse ich mit schlechtem Gewissen meine Currywurst, wenn sie umweltschädlich verpackt wurde.“

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