Kinder spielten auf mangelhaften Spielplätzen

Vernichtendes Gutachten aus 2011

Kinder haben in Werne jahrelang auf Spielplätzen gespielt, die nicht den vorgegebenen Sicherheitsnormen entsprechen. Bereits 2011 hatte ein Gutachter auf "erhebliche Mängel" bei diversen Spielgeräten hingewiesen. Unserer Redaktion liegt die Untersuchung vor, die in Teilen zu einem vernichtenden Urteil kommt.

WERNE

, 29.01.2016, 05:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kinder spielten auf mangelhaften Spielplätzen

Die Werner Spielplätze – hier an der Grabbestraße – weisen laut einem Gutachten von 2011 Mängel auf.

221 Seiten dick ist das Gutachten, dessen Zusammenfassung unserer Redaktion in Kopie vorliegt. Das Urteil ist für die Stadt wenig schmeichelhaft: „Gerade bei den Spielplätzen, die nach August 2008 aufgebaut worden sind, stellt sich die Frage, mit welcher Fachkompetenz und mit welcher Ernsthaftigkeit diese Anlagen abgenommen worden sind.“

Sind die Mängel mittlerweile behoben?

Somit hätten Kinder definitiv zwischen 2008 und 2011 auf unsicheren Geräten gespielt. Die Schwere der Mängel reicht von zu hohen Betonfundamenten, in deren Folge der „konstruktive Holzschutz“ nicht mehr gewährleistet sei, bis hin zu „Kordel- und Kopffangstellen“ an neueren Turmkombinationen, die eine konkrete Gefahr für die spielenden Kinder darstellen.

Frank Adamietz, Leiter des Kommunalbetriebs Werne (KBW), bestätigte am Donnerstag: „Wir haben dieses Gutachten damals in Auftrag gegeben, als wir ohnehin organisatorische Anpassungen im Bereich Spielplätze vorgenommen haben.“ Der KBW-Leiter geht davon aus, dass der Bauhof auf das Gutachten reagiert und die Mängel beseitigt hat. „Wir bereiten das jetzt auf.“ Ob tatsächlich alle Mängel verschwunden sind, könne er jetzt noch nicht klären.

Vorwurf: Spielgeräte entsprachen nicht der Norm

Ebenfalls überprüft wird der Vorwurf, die Stadt habe damals aus Fördermitteln Spielgeräte gekauft, die nicht mehr der aktuellen Norm entsprochen haben. „Wir untersuchen das mit Hilfe des Rechnungsprüfungsamtes“, kommentiert Adamietz.

Das Gutachten weist hier zum Beispiel für den Spielplatz an der Grabbestraße darauf hin, dass die Prüfplakette am 2010 errichteten Spielturm lediglich die Norm von 1998 bestätigt. Damit hätte das Spielgerät gar nicht aufgestellt werden dürfen. Mittlerweile wurde die Plakette geändert und weist nun auch die passende Norm aus.

Derjenige, der das Gutachten öffentlich gemacht hat, muss derweil mit Konsequenzen rechnen. Die Stadt geht davon aus, dass die Unterlagen gestohlen wurden und hat laut Adamietz Strafanzeige gestellt.

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