Kläranlage soll Gas produzieren

Energiestadt

Die Kläranlage des Lippeverbandes in Werne ist derzeit noch eine ganz normale biologische Kläranlage. Doch sie bietet zahlreiche Möglichkeiten, Energie aus Quellen zu nutzen, die bei der Abwasserreinigung anfallen.

WERNE

01.09.2011, 16:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Aus dem Klärschlamm der Kläranlage in Werne könnte demnächst Energie gewonnen werden.

Aus dem Klärschlamm der Kläranlage in Werne könnte demnächst Energie gewonnen werden.

So können Strom und Wärme aus Faulgas erzeugt oder Wärme aus Abwasser zurückgewonnen werden. Letztlich ist sogar eine energieautarke Kläranlage denkbar, welche die gesamte Energie, die sie benötigt, selbst erzeugt. Dass das bei der Abwasserreinigung als Nebenprodukt anfallende Faulgas eine wertvolle Energiequelle darstellt, hat man bereits vor Jahren erkannt. Daher betreibt der Lippeverband auf seiner Werner Anlage ein kleines Blockheizkraftwerk, das 120 Kilowatt elektrische Energie für die eigene Stromversorgung beisteuert und mit 200 Kilowatt thermischer Energie das Betriebsgebäude heizt. Im Faulbehälter wird der Klärschlamm bei Temperaturen zwischen 33 und 39 Grad Celsius ausgefault, dabei entsteht Klärgas – so schließt sich der Energie-Kreislauf. „Im Rahmen des Projektes Energiestadt Werne soll die Kläranlage Werne des Lippeverbandes ausgebaut werden“, erklärt Dipl.-Ing. Ekkehard Pfeiffer, Abteilungsleiter für strategisches Flussgebietsmanagement. „Einen wichtigen Beitrag dazu leistet eine Erhöhung des Gasertrages, vor allem durch Co-Vergärung von Bio-Abfällen“, so der Experte des Lippeverbandes.PKW-Motoren mit Faulgas betreiben Faulgas kann aber noch mehr: „Wird es gespeichert, können auch PKW-Motoren mit diesem sauberen Treibstoff versorgt werden.“ Neben der Fähigkeit, aus Klärschlamm Gas zu erzeugen, besitzen die Faulbehälter laut Pfeiffer ein großes Wärmespeichervermögen. „Dies kann in Verbindung mit einem Nahwärmenetz dazu genutzt werden, Schwankungen der Wärmenachfrage im Tagesverlauf auszugleichen.“ Sogar die Abwärme aus dem Kläranlagenablauf lässt sich nach Expertenmeinung nutzen, „denn Abwasser ist besonders im Winter deutlich wärmer als das Wasser in den Gewässern oder in den Wasserleitungen“. Ein weiterer Ansatzpunkt, der allerdings nicht auf die Kläranlagen beschränkt ist, liegt deshalb im kommunalen Kanalnetz: So erhält z. B. die Stadt Bochum von der Emschergenossenschaft Wärme für ein Schwimmbad, die über einen Tauscher aus einem nahe gelegenen Abwasserkanal gewonnen wird. Auch die Wasserkraft der Lippe könne genutzt werden: „Günstiger als eine Turbine am Wehr Werne wäre der Einbau innovativer Wasserkraftanlagen, die im fließenden Gewässer installiert werden.“ Dies sei in Bereichen möglich, in denen das Gewässer ausreichend Strömungsgeschwindigkeit hat.

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