Kleiner König bewacht großes Paradies in Werne

Tag der Gärten

Ein Paradies direkt hinterm Eigenheim - das haben sich die Eheleute Steiger in Werne geschaffen. Unsere Redaktion durfte sich den ungewöhnlichen - und ungewöhnlich großen - Garten einmal anschauen. Alle anderen Gartenfreunde können das am 14. Juni tun, denn dann machen die Steigers beim "Tag der Gärten und Parks" mit - wenn auch inoffiziell.

WERNE

, 30.05.2015, 06:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kleiner König bewacht großes Paradies in Werne

Die feinen Fenchelblätter machen sich nicht nur auf dem Teller gut, sondern auch im Garten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Besuch im Garten der Steigers 2015

Die Eheleute Steiger aus Werne haben uns in Ihren Garten eingeladen, und dieser Besuch hat sich gelohnt. Was für ein Paradies die beiden sich geschaffen haben, zeigen wir in unserer Fotostrecke. Am 14. Juni 2015 sind auch alle anderen Gartenfreunde eingeladen, sich den Mini-Park am Plaß 8b anzuschauen.
29.05.2015
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Für rund 50 Schmetterlingsarten im Raupenstadium sind Brennesseln eine Futterpflanze. Heidrun Steiger lässt die Pflanzen, die sonst vielen Gärtnern ein Dorn im Auge sind, deshalb stehen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Heidrun Steiger wird den Garten rund um ihr Haus, Plaß 8b in Werne-Horst, am Sonntag, 14. Juni, für interessierte Gäste öffnen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die erste Schwertlilien (Iris) haben begonnen zu blühen. Bald wird der gesamte Teichrand ein Farbenmeer sein.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ob buntes Glas am Teich oder rostiges Metall zwischen den Beeten: wenige, aber wohl ausgesuchte Accessoires setzen effektvolle Akzente.© Foto: Sylvia vom Hofe
Bald brechen die Knospen der Rosen auf.© Foto: Sylvia vom Hofe
Unterm Rosenbogen steht Heidrun Steiger. Wenn sie am 14. Juni ihren Garten interessierten Gartenfreunden öffnet, wird die Rose blühen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Akelei: eine zarte, schöne Pflanze.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die feinen Fenchelblätter machen sich nicht nur auf dem Teller gut, sondern auch im Garten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schnittlauch schmeckt nicht nur gut, sondern sieht auch schön aus, wenn es blüht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Heidrun Steiger hat ein Händchen für Gartenarbeit.© Foto: Sylvia vom Hofe
"Bei mir darf alles wachsen", sagt Heidrun Steiger über ihren Garten. Das Ergebnis: ein harmonisches Nebeneinander von verschiedenen Pflanzen in einem Beet.© Foto: Sylvia vom Hofe
Diese Tomate will noch hoch hinaus.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die rote Gießkanne verblasst neben der natürlichen Blütenpracht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hinten: der Gemüsegarten. Auf Hochbeeten hat Heidrun Steiger Salate angebaut. In den ebenerdigen Beeten gedeihen mehrjährige Gewürze.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Apfelbaum neigt sein Blätterdach über den Gemüsegarten. Rechts von ihm befindet sich der "Bauhof" des Hauses: Raum für Arbeitsgeräte, Töpfe und Erde.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Giersch: Viele Gärtner bekämpfen die Pflanze, die als Unkraut verunglimpft wird. Heidrun Steiger pflegt sie aber - und nutzt sie auch: "Das gibt Würze im Salat."© Foto: Sylvia vom Hofe
Dr. Hermann Steiger hatte Haus und Garten selbst entworfen: die Grundlage für die Pläne des Architekten. Ein wichtiges Merkmal: Alle Zimmer sollten einen schönen Blick nach draußen haben.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die meisten Rhododendren sind bereits verblüht. Dieser Strauch ist erst in Startlöchern.© Foto: Sylvia vom Hofe
Dass das Wasser im Teich so klar ist, verdanken die Steigers bewusst ausgewählten Pflanzen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Nicht nur diese tönernen Enten fühlen sich im garten wohl, sondern eine Vielzahl von lebendigen Tieren.© Foto: Sylvia vom Hofe
Natürlich. Das ist das Attribut, das Heidrun Steiger als erstes nennt, wenn sie nach ihrem Garten gefragt wird.© Foto: Sylvia vom Hofe
Akeleien sind in vielen Farben und Arten vertreten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Steinblöcke, die dem Garten Struktur verleihen, sind bald gar nicht mehr zu erkennen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Stauden breiten sich aus: bunte Kissen auf dem Boden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Im Steinbeet fühlen sich viele Pflanzen wohl.© Foto: Sylvia vom Hofe
Steinpfade führen hinauf und hinab.© Foto: Sylvia vom Hofe
Von jeder Hausseite aus fällt der Blick ins Grüne.© Foto: Sylvia vom Hofe
Als das Ehepaar Steiger 1990 in Horst baute, hat es den gesamten Bodenaushub auf dem Grundstück verwendet. Die Folge: unterschiedliche Ebenen - vom Teich bis zum Wall.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ginster blüht nicht nur gelb. Auch roter Ginster ist zu finden - passend zum roten Backsteinbau der Kirche St. Johannes im Hintergrund.© Foto: Sylvia vom Hofe
Blütenpracht herrscht das ganze Jahr über im Garten der Familie Steiger.© Foto: Sylvia vom Hofe
Frühjahrsblüher setzen farbige Akzente im lebhaften Grün.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schlagworte Werne

Der kürzeste Weg ins Paradies führt durch die Garage. Er ist versperrt. Nicht von dem Auto, das darin parkt. Daran ließe sich ja noch bequem vorbeikommen. An dem König aber nicht.

Er ist zwar zart und schwach. Doch Heidrun Steiger (72) respektiert ihn: „So lange der Zaunkönig brütet, gehen wir nun einmal durchs Haus, wenn wir in den Garten wollen“, sagt die Horsterin.

Wir wollen. Unbedingt. Der Blick über den Gartenzaun zwischen der Garage und dem Haus Plaß 8b hat Lust gemacht auf mehr: Da wiegen sich auf einer Anhöhe langstielige Pflanzen sanft im Wind. Davor recken auf Hochbeeten Salatpflanzen ihre hellgrünen Köpfe in die Höhe. Rosenstämme zu beiden Seiten setzen das Bild in einen rankenden Rahmen. Und das ist nur ein Ausschnitt des 1000 Quadratmeter großen Gartenpanoramas rund um das 1990 von Heidrun und Dr. Hermann Steiger erbaute Haus: der Anfang einer Expedition in ein Biotop, das keinen anderen Gärtner als die Natur selbst zu kennen scheint – und doch liebevoll gestaltet ist.

Brennnessel und Giersch

In dieses grünes Paradies führt die Hausherrin uns also auf dem zweitschnellsten Weg – quer durchs Haus. Am Sonntag, 14. Juni, wenn die Steigers zwischen 11 und 18 Uhr ihren Garten für alle Interessierten öffnen, wird es wieder durch die Garage gehen können. Bis dahin sei der Zaunkönignachwuchs flügge, meint Heidrun Steiger.

Eigentlich wollte sie auch an der Aktion „Tag der Gärten und Parks 2015“ teilnehmen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe organisiert. „Wir waren aber zu spät dran mit der Anmeldung.“ Wenn es auch nicht mehr gereicht hat für eine Aufnahme in das große Besuchsprogramm quer durch 150 Gärten in ganz Westfalen: Im Kleinen wollen die Steigers dennoch teilnehmen. Wer am 14. Juni Familie Jankowski auf der Ottostraße 7 besuche – die einzigen offiziellen Werner Teilnehmer am LWL-Gartentag – , könne von dort spontan einen Abstecher nach Horst machen.

Ein Umweg, der lohnt. „Unser Garten ist eben ganz anders“, sagt Heidrun Steiger: nicht so ordentlich, nicht so gepflegt: „Hier darf alles wachsen, was will.“ Oder zumindest fast alles.

Für die einen ist es Unkraut...

Erstes Beispiel: die fast einen Meter hohen Brennnesseln. Oben auf dem Wall, der als Sicht- und Schallschutz zur Herberner Straße dient, gedeiht eine ganze Reihe der dunkelgrünen Pflanzen: für die einen ein Unkraut, für die anderen, zu denen Heidrun Steiger gehört, ein Heilkraut, das zudem noch gut schmeckt – etwa leicht gedämpft als Vitamin-C-reiches Gemüse. „Vor allem sind die Brennnesseln aber eine wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlinge“, ergänzt die Hobbygärtnerin.

Zweites Beispiel: der Giersch. Auch diese Pflanze, die andere in ihren Beeten bekämpfen, hat bei den Steigers einen geschützten Platz. „Er ist doch schön“, sagt sie und streicht sanft über die zarten weißen Blüten. „Und kleingeschnitten ist er eine prima Würze für den Salat.“ Blumenmeer am Teich Heidrun Steiger setzt sich oben auf dem Wall auf eine Bank: ihr Lieblingsplatz, um die Abendsonne zu genießen. Und ein schöner Ausguck, um die ganze Vielfalt des Naturgartens zu übersehen: rechts der Bereich mit Gemüse, Gewürzkräutern und Beerenobst, in der Mitte die blühenden Stauden und rechts der Teich. „Da haben gerade die ersten Iris angefangen zu blühen“, stellt Heidrun Steiger fest und deutet auf die violetten Farbtupfer am Ufer. Noch wenige Wochen, dann wird dort ein einziges Farbmeer sein: Das Reich zweier Menschen, die nach vielen Jahren in Düsseldorf und Paderborn im kleinen Horst ihr Zuhause gefunden haben und sich nur all zu gerne von einem König regieren lassen, der neun Gramm wiegt und singt.

Wir suchen weitere Gärten und Balkons in Werne, bei denen sich ein Besuch lohnt. Melden Sie sich in der RN-Lokalredaktion, Markt 10, 59368 Werne, unter Tel. (02389) 982940 oder über das Kontaktformular:

 

 

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